Lebendige Steine – Andacht von Pastor Achim Neubauer

Liebe Leserin, lieber Leser, worauf die christlichen Gemeinden gegründet sind, das steht fest: Jesus Christus ist der Eckstein. Er ist das Fundament, auf dem alles aufgebaut ist. Dieser lebendige Stein Jesus ist der Anfang. Viele andere kommen dazu und so entsteht die Gemeinde derer, die zusammen halten wollen, um gemeinsam zu feiern und um zusammen Schweres zu tragen. Viele können den Platz finden, den ihnen Gott, der Bauherr, zugedacht hat. Einzeln umherliegend sind Steine nur Muster ohne Wert. Im Ganzen des Baus haben alle ihren Ort, ihren Sinn und ihre Aufgaben.

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus, zu einem heiligen Tempel erbauen,“ schreibt der Apostel Petrus. Lebendige Steine, aus denen Kirche entstehen soll? Im Angesicht der altehrwürdigen St. Nikolai-Kirche, steht die Widersprüchlichkeit dieses Gedankens direkt vor Augen. Steine sind fest und hart, und ein größerer Gegensatz zu dem, was eine Gemeinde bieten will, lässt sich schwer vorstellen. In der Gemeinschaft der Christen geht es doch gerade darum, einander freundlich und zugewandt zu begegnen, das Leben miteinander zu gestalten. Eben kein starres Gebäude, sondern eine Heimat für ganz verschiedene Menschen, Junge und Alte, Edewechter und Zugezogene. Ein Platz, an dem Stand, Alter, Herkunft und Hautfarbe keine Abgrenzung bedeuten, sondern wo gerade in der Unterschiedlichkeit, in der Vielfalt, ein Pfund liegt, mit dem gut gewuchert werden kann.

Kirche, das sind nicht allein die Mauern, die den Altar umgeben und dafür sorgen, dass eine – mal kleine, mal größere Schar von Gläubigen – wettergeschützt zusammenkommen kann. Sie ist Leben und Gemeinschaft derer, die erkannt haben, das sie Wohl und Ergehen nicht allein sich selbst zu verdanken haben, sondern dem, der alles in seiner Hand hält. Die in diesem Wissen ihre Zeit gestalten wollen und versuchen Zusammenhalt zu leben.

Der König von Sparta hatte einmal einen anderen Herrscher bei sich zu Besuch. Bei einem Rundgang zeigte er dem Gast alle Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besonders stolz war der König auf die Stadtmauern, von denen er behauptete, die seien unüberwindlich. Natürlich interessierte sich der Besucher für diese starke Befestigung. Aber so sehr er sich auch umschaute, er konnte keine Stadtmauern in Sparta erblicken.

Nach einiger Zeit fragte der Gast etwas verlegen: „Verzeih mir, lieber Freund, du hast von unüberwindlichen Stadtmauern gesprochen. Wo sind die? So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann hier in Sparta gar keine Mauer sehen!“ Da zeigte der König von Sparta mit einer großen Handbewegung auf die Stadt und sagte: „Das hier sind die Mauern von Sparta! Alle Bewohner sind lebendige Steine in dieser Mauer!“

Durch lebendige Steine will Gott selbst seine Kirche schaffen und gestalten. Solche Menschen, die vertrauen, dass der Glaube einen festen Stand geben kann und trotzdem nicht stehen bleiben, sondern auf den Spuren von Jesus Christus weitergehen. Menschen, zu denen Gott eine persönliche und ständige Beziehung pflegen will. Der Allmächtige interessiert sich für das Leben seiner Geschöpfe. Er selbst bietet sogar eine Gebrauchsanleitung an, die Bibel, wie das Leben sachgerecht und eines Menschen würdig gestaltet werden kann.

Lebendige Steine, die gebraucht werden! – Überall: Zum Trösten, zum Lachen, zum Weinen, zum Helfen, zum Reden, zum Schweigen, zum Beten, einfach, um da zu sein.

Mögen Sie behütet bleiben unter Gottes Segen!

Ihr Achim Neubauer

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe I/2011)

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