Probewohnen in der Gemeinde

Er geht regelmäßig zum Konfer – denn das gehört zu seinen Aufgaben als Pastor. Routine oder Herausforderung? Achim Neubauer verrät im Gespräch mit Kark un Lüe, warum der Konfirmandenunterricht für ihn nichts von seinem Reiz verloren hat.

Konfirmandenunterricht – das ist für Pastor Neubauer zunächst einmal tatsächlich Unterricht. Die Jugendlichen kommen in erster Linie, um etwas über den Glauben zu lernen und nicht, um eine Stunde mit dem Pastor zu verbringen. Seine Erfahrung ist, dass die Jugendlichen ganz handfest etwas lernen wollen. Rahmenrichtlinien, die für unsere Kirche gelten, benennen die Themen, die behandelt werden: Die Bibel, Jesus Christus, Glaubensbekenntnis, Gebet u.a. Innerhalb dieser Vorgaben kann jeder Unterrichtende selber Schwerpunkte setzen und den Stoff so verpacken, dass es für die Jugendlichen interessant ist. Die Resonanz ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Aber bisher ist es nicht vorgekommen, dass es mit einer Gruppe gar nicht klappt.

Natürlich gibt es Tage, da sind beide Seiten voneinander genervt: Die Konfirmanden sind nicht bei der Sache, der Unterricht verläuft zäh. Aber dann sind da vor allem die Momente, in denen alle ganz aufmerksam sind, nicht nur zuhören, sondern auch nachdenken, etwas aufnehmen und voneinander lernen. Besonders interessiert sind die Jugendlichen immer dann, wenn das Thema mit ihnen ganz persönlich zu tun hat. Wenn es um das eigene Leben geht. Etwa beim Thema Tod und Sterben: Wie ist das mit der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Wenn der Pastor nach einer Beerdigung im schwarzen Anzug in den Unterricht kommt und die Jugendlichen dann wissen wollen, wie er selber eigentlich damit umgeht – „dann wird es spannend“, so Neubauer.

Miteinander leben: Konfirmanden mit Pastor Neubauer

„Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden vereinbaren wir bei der Anmeldung, dass wir eine Zeit miteinander verbringen wollen, in der wir uns gegenseitig etwas vom Glauben erzählen wollen, in der wir aber auch gegenseitig an unserem Leben teilhaben lassen – mit allem, was uns freut, und mit allem, was auch schwierig ist,“ beschreibt Neubauer das Verhältnis zu den Jugendlichen. „Ich empfinde eine große Offenheit bei den Konfirmanden, und das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Ich bin interessiert an dem, was Jugendliche bewegt.“

Die Begleitung von Jugendlichen in einem Alter, in dem ihnen der Umgang mit Erwachsenen nicht immer leicht fällt, ist dem Pfarrer ein besonderes Anliegen. Die Nähe zu den Menschen ist ihm in seiner Arbeit wichtig, und sie ist ihm auch anzumerken, wenn er über den Konfirmandenunterricht spricht. Und das spüren die jungen Menschen ebenfalls. Vielleicht ist das der Grund, warum ihn auch nach Jahren ehemalige Konfirmanden noch freudig begrüßen, wenn man sich im Ort sieht. Manche sprechen ihn auf Erlebnisse aus dem Unterricht an, die er längst vergessen hat. Man verliert sich zwar aus den Augen, aber die Erinnerung an diese wichtige Zeit im KU bleibt erhalten. „Grandios“, findet Achim Neubauer.

Ein nicht ganz einfaches Kapitel ist für Konfirmanden mitunter der Gottesdienst. Er sage den Jugendlichen sehr klar, dass es wahrscheinlich wenige Gottesdienste gäbe, die zu 100 % auf sie abgestimmt seien. „Gottesdienst ist nicht wie das Konzert der Lieblingsband, wo einem jedes Stück gefällt“, erläutert Neubauer. Manchmal gäbe es nur wenig, was die Jugendlichen berühre – aber dann blieben sie vielleicht doch an einem Gedanken, einem Lied oder einem Gebet hängen. „Ich versuche, Konfirmanden konkret anzupredigen. Wenn ich z.B. weiß, da sitzt ein Jugendlicher, der gerade Liebeskummer hat, dann kann ich das vielleicht direkt in meiner Predigt berücksichtigen und ihn so erreichen. Wenn das gelingt, ist es gut.“

Enttäuscht ist der Pfarrer, wenn Konfirmanden nicht verstehen, wo bei aller Offenheit auch Grenzen notwendig sind. „Wenn sie auf dem Friedhof Faxen machen, dann bin ich frustriert.“ Aber auch wenn Jugendliche nicht für das zu begeistern sind, was sie nach der Konfirmation in der Jugendarbeit erwartet. Die Zurückhaltung ärgert ihn. „Ihr verpasst etwas, wenn ihr es nicht wenigstens ausprobiert“, möchte er ihnen zurufen.

Höhepunkte sind für Pastor Neubauer die Konfirmandenfreizeiten. „Ich bin total enttäuscht, wenn die Konfirmanden in der ersten Nacht um viertel vor eins schon alle schlafen“, sagt er schmunzelnd. „Aber im Ernst: Miteinander zu leben ist ein wichtiger Bestandteil der Konfirmandenzeit – so lernen wir uns ganz anders kennen.“ Besonders gute Erfahrungen macht er auch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern aus der Jugendarbeit, die diese Fahrten begleiten.

Auf die Konfirmation freuen sich beide Seiten gleichermaßen. Auch wenn manchmal die Stimmung ganz kurz vor dem Fest noch einmal kräftig nach oben geht und die Konfirmanden äußern, wie gern sie noch etwas miteinander unternehmen würden: „Es ist auch gut, wenn diese Zeit zu Ende geht“, weiß Neubauer. Wichtig ist ihm, die Konfirmanden auch am Ende des Unterrichts nicht zu überfordern. „Ich stelle keine Konfirmationsfrage – ein ernstes Bekenntnis zur Gemeinde ist für die jungen Leute noch zu unübersichtlich“, sagt er. „Ich will die Jugendlichen ermutigen. ‚Konfer ist Probewohnen in der Gemeinde’, hat eine frühere Kollegin einmal gesagt. Und daraus folgt der Zuspruch: Ihr habt Kirche kennen gelernt und wollt nun versuchen ein Leben als Christen zu gestalten; dann lasst uns jetzt gemeinsam versuchen, in dieser Gemeinde zusammenzuleben.“

Auch nach 18 Jahren als Gemeindepfarrer ist der Unterricht für Neubauer immer noch eine spannende Angelegenheit: „Konfer ist großartig!“ Und das nimmt man ihm ab, wenn er von seinen Erfahrungen berichtet.

Uwe Martens

Kommentare sind geschlossen.