„Verkriechen kommt später“

Im März 2012 wird der Gemeindekirchenrat neu gewählt. Grund genug, einmal hinter die Kulissen zu schauen: Wie ergeht es eigentlich den Kirchenältesten mit ihrem Amt? Kark un Lüe hat mit einigen von ihnen über und ihre Erfahrungen gesprochen.

Sie wollen etwas bewegen in dieser Kirche und für diese Kirchengemeinde, darin sind sie sich einig. Als Michael Gloede vor neun Jahren im Gemeindekirchenrat aktiv wurde, hatte er das Bespiel einer damaligen Kirchenältesten vor Augen. Hanna Theilen, die sich insbesondere im Bereich der Gemeindediakonie engagierte, berichtete ihm von den vielfältigen Aufgaben und konnte ihn für die Mitarbeit gewinnen. Etwas für die Allgemeinheit zu tun, sich insbesondere für die Belange von Natur und Schöpfung einzusetzen, das motiviert den 62-Jährigen bis heute.

Für andere da sein

Auch Annegret Bischoff (50) ist begeistert von der Möglichkeit, sich für eine lebendige und aktive Gemeinde verantwortlich zu engagieren. Sie wollte erst gar nicht zusagen, als sie vor fünf Jahren für die Berufung in den Gemeindekirchenrat vorgeschlagen wurde. Heute ist sie froh, diesen Schritt getan zu haben.

Im Gespräch: Die Kirchenältesten Annegret Bischoff, Dirk v. Grone und Michael Gloede. Foto: U. Martens

Bereits in den 80er Jahren konnte Dirk v. Grone (69) Erfahrungen in einem Gemeindekirchenrat in Hamburg sammeln. Nun arbeitet er seit gut fünf Jahren in Edewecht mit. Der GKR-Vorsitzende wollte „kein langweiliger Bürger sein“, sondern sich für andere engagieren. Dass er kirchlich aktiv sei, läge wohl auch an seiner Familientradition, meint er schmunzelnd.

Und natürlich hat es auch etwas mit der christlichen Botschaft zu tun: Die Übernahme von Verantwortung für andere und für die Gemeinde hat für alle drei Gesprächspartner den Ursprung in ihrem lebendigen Glauben.

Viele Aufgaben

Die Möglichkeiten aktiv zu werden, sind vielfältig. Annegret Bischoff arbeitet vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, etwa in der Redaktion von Kark un Lüe und in der Arbeitsgruppe, die sich u.a. um die Beschilderung der kirchlichen Gebäude kümmert. Sie möchte, dass das Logo offensiver eingesetzt wird, zum Beispiel auf Bechern und T-Shirts. Postkarten und Segenssprüche zum Mitnehmen für die offenen Straßenkirchen hat sie auf der Liste der noch nicht erledigten Dinge. „Manchmal hapert es an ganz einfachen, praktischen Fragen. Da muss man einen langen Atem haben“, weiß sie aus der Erfahrung der letzten Jahre.

Michael Gloede ist Vorsitzender des Friedhofsausschusses. Hier geht es nicht nur um Fragen der Gestaltung der Flächen. „In Friedhofsangelegenheiten geht es immer auch um Trauerkultur“, berichtet er. „Da ist große Sensibilität gefragt.“

Neun Jahre lang hat er sich für den Neubau einer Trauerhalle eingesetzt, um einen würdigen Ort für die Verstorbenen und Angehörigen zu haben, bis der Beschluss endlich gefasst werden konnte.

Gottesdienst ist wichtig

Dirk v. Grone hat sich in der letzten Zeit vor allem die Erarbeitung einer Gemeindekonzeption auf die Fahnen geschrieben. „In dieser Arbeit ist mir sehr deutlich geworden, wie wichtig der Gottesdienst als Dreh- und Angelpunkt des Gemeindelebens ist,“ stellt er fest. Das Zusammenspiel von Pastoren, Kirchenmusik und anderen Aktiven für einen lebendigen Gottesdienst muss nach seiner Überzeugung gefördert werden.

„Wir sind damals sehr blauäugig in die Arbeit gegangen – voller Motivation, aber auch ein wenig planlos“, sagen die drei Ältesten im Blick auf die Anfangszeit. Die Folge war, dass sie sich zunächst viel mehr Aufgaben aufgeladen hatten, als sie auf Dauer zeitlich leisten konnten. Nach einer Weile haben sie gelernt, sich auf Schwerpunkte zu konzentrieren. „Es gibt viel zu tun, aber nicht jeder muss alles machen“, ermutigt Michael Gloede diejenigen, die vielleicht zuviel Arbeit im Gemeindekirchenrat befürchten. Arbeitsteilung ist das entscheidende Stichwort. Und genau darum sei es so wichtig, Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Erfahrungen in dem Gremium zu haben, sagt der Vorsitzende v.Grone. Michael Gloede will die Neulinge im GKR nicht überfordern und hält es für wichtig, gleich zu Beginn der Tätigkeit auf diese Gefahr der Überlastung hinzuweisen. Dann nämlich kann sie vermieden werden. „Die Arbeit im Gemeindekirchenrat ist schließlich ehrenamtlich und soll auch Spaß machen“, pflichtet Annegret Bischoff ihm bei, und ergänzt: „Manchmal könnte es ruhig etwas lockerer zugehen.“

Gutes Miteinander

Dass fröhliches Engagement mehr bewegt als verkrampftes Pflichtgefühl, weiß auch Dirk v. Grone. Er sieht seine Rolle als Vorsitzender auch darin, für das Miteinander und die Atmosphäre zu sorgen. In den 1960er Jahren, so hat er in den Akten gelesen, haben die Kirchenältesten auch mal ein Glas Rotwein miteinander getrunken. „Das ist schon wichtig für das Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber wir sind da schon auf einem guten Weg“, sagt v. Grone, und die beiden anderen nicken zustimmend.

Der Gemeindekirchenrat (v.l.): Achim Neubauer, Wilhelm Grieme, Rainer Lotysch, Michael Gloede, Friedrich Bruhn, Ute Morin, Annegret Bischoff, Karin de Buhr, Dirk v. Grone, Erika Külbel-Schmidt. Nicht abgebildet: Jessika Boer, Regina Dettloff, Jochen Hoppmann, Gerda Kahle, Helge Kahnert, Sigrid Rakow

Natürlich gibt es auch Frust in der Arbeit als Kirchenälteste, daraus machen die drei keinen Hehl. „Dass der Bau der Trauerhalle jetzt doch erst einmal nicht finanzierbar ist, das ist schon ernüchternd“, klagt Michael Gloede. Wenn es nicht die jahrelangen Verzögerungen gegeben hätte, so Gloede, könnte das Gebäude längst stehen und wäre auch finanzierbar gewesen. Manches dauere einfach zu lange. Auch Annegret Bischoff findet, dass manche Entscheidungen zu viel Zeit brauchen und verweist auf das Projekt der Beschilderung, das aus Kostengründen ins Stocken geraten ist.

Vielfältig und spannend

Die Arbeit als Vorsitzender ist kein Zuckerschlecken, das habe er schnell lernen müssen, bekennt Dirk v. Grone. Manchmal gäbe es wenig Resonanz auf Initiativen, und manche grundlegenden und strukturellen Probleme könnten auch durch Beschluss und Freundlichkeit nicht aus der Welt geschafft werden. „Aber ich leide nicht darunter und verliere den Mut nicht“, unterstreicht er zuversichtlich.

„Wir haben noch viele Aufgaben vor uns, etwa im Bereich der Bauunterhaltung und energetischen Sanierung!“ Diese Prognose gibt Michael Gloede, der auch im Bauausschuss mitarbeitet. Und er meint das keinesfalls entmutigend, im Gegenteil: „Die Arbeit im Gemeindekirchenrat ist sehr vielfältig und spannend, hier kann man ganz viel bewegen!“

Große Unruhe gibt es etwa immer noch mit der Gottesdienstzeit in Edewecht. „11:00 Uhr ist vielen zu spät“, berichtet Annegret Bischoff. „Auch darüber werden wir noch einmal beraten müssen.“

Die drei Kirchenältesten sind sich einig, wenn es darum geht, Menschen für eine Kandidatur zum Gemeindekirchenrat zu motivieren: „Ja! Mitmachen!“ Hier könne man die eigenen Gaben für andere nutzbar machen und Erfahrungen einbringen, die man im Beruf oder in anderen Bereichen gewonnen habe. Anderen zu helfen und sich zu engagieren sei auch eine Möglichkeit, sich selber etwas Gutes zu tun. Das ehrenamtliche Engagement sei sehr befriedigend und in der Gesellschaft hoch angesehen.

Gefragt sind aktive Menschen aus allen Bereichen und jeden Alters. „Verkriechen kommt später!“ sagt Dirk v. Grone bestimmt: „Das Miteinander der Generationen ist im Gemeindekirchenrat wichtig. Darum können auch Ältere noch gut mitarbeiten!“

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