Weiße Felgenbänder nimmt man nicht!

Nach Potsdam führte in diesem Jahr die traditionelle Radtour. Nach dem Bericht der ersten Gruppe, der vor ein paar Tagen auf Kark un Lüe online veröffentlicht wurde, folgen nun die Schilderungen der zweiten Gruppe, die den Weg von Potsdam nach Edewecht zu bewältigen hatte:

ALL GOOD ALL? Und die Moral von der Geschicht`: Weiße Felgenbänder nimmt man nicht! – Eine kleine Reisenachlese einer Radtour von Potsdam bis ins Ammerland (02.07.2011 bis 10.07.2011)

Sonnabend:

Am 2. Juli trafen sich morgens gegen 8.30 Uhr zwanzig unternehmungslustige Ammerländer beiderlei Geschlechts am ZOB Bad Zwischenahn, um gemeinsam mit dem Bummelzug (auch Regionalexpress genannt) nach Potsdam zu nüddeln.

Vor dem Einsteigen wurden die Leezen (münsterfriesisch für eine bestimmte Kategorie fahrbarer Untersätze) mit mehr oder weniger vereinten Kräften zwischen Kartons auf einen Baumschultransporter verladen. (Bei allen weiteren Arbeitseinsätzen [Pannen usw.] waren meistens weniger vereinte Kräfte im Einsatz).

Damit Chauffeur Hartmut die lange Tour nach Potsdam nicht alleine bestreiten musste, hat Norbert ihn als Co-Pilot begleitet. Alle anderen (7 Frauen und 12 Männer) bestiegen den bereits wartenden Orientexpress, um über Bremen (umsteigen), Uelzen (umsteigen) und Magdeburg (umsteigen) nach Potsdam Hbf verfrachtet zu werden.

Nach einer Fahrzeit, die an die Transsibirische Eisenbahn erinnerte, wurden wir in Potsdam von unserem Oberguru Erich („Aauufsitzen“) und dem Pfadfinder Klaus abgeholt und per S-Bahn nach Babelsberg geleitet. Die Jugendherberge, die wohl allen Teilnehmern sehr gut gefallen hat, war quasi gleich um die Ecke.

Dort trafen wir sofort auf die erste Gruppe, die den umgekehrten Weg absolviert hatte und am nächsten Tag mit dem Zug nach Hause fuhr. Praktischerweise hat „unser“ LKW die Fahrräder nur ausgewechselt – eine gute Idee! Sogar die Pappkartons konnte man so wieder – zwischen Fahrrädern eingewickelt – ins Ammerland schaffen. Abends war ein gemütliches Zusammensein beider Gruppen zu einem schönen Erlebnis. Auch waren bereits erste zaghafte Annäherungen in Richtung „Hörnerwhisky“ zu beobachten.

Sonntag, 3. Juli: (23 km)

Nach einem abwechselungsreichen Frühstück trafen wir uns bei trockenem Wetter mit dem Potsdamer Bernd Patzelt, der uns per Rad die „Potsdamer Kulturlandschaft“ (so heißt eine der von ihm angebotenen Touren) erleben ließ (www.rad-event-potsdam.com).

Einige der Stationen, zu denen er ausführlich zu berichten verstand: Tiefer See mit Prominentenwohnhäusern am anderen Ufer – Weber–Viertel – Park Babelsberg – am Jagdschloss Glienicke vorbei – Schloss Glienicke – über die aus der Zeit des Kalten Krieges berühmt gewordene Glienicker Brücke – Neuer Garten – Norwegischer Einfluss bei manchen Häusern am See – Schloss Luisenhof (Potsdamer Abkommen) – Orangerie – Siedlung Alexandrowitsch – Holländisches Viertel in der Stadt Potsdam – Jägertor – Brandenburger Tor (in Potsdam) – Park Sanssoussi – Schloss – Chinesisches Haus – Neues Palais – Orangerie – Drachenhaus (Weinberg!) – Schloss – Obeliskenportal – Stadt Potsdam: Neuer Markt – Alter Markt (Rathaus).

Zurück über Radwege an der Havel entlang zur JH. Die 8 Euro für eine mehr als vier Stunden dauernde Tour waren gut investiert!

Eine halbe Stunde später traf sich ein Großteil der Teilnehmer im Ratskeller. Beim Herausgehen Nieselregen, der weitere Unternehmungen verhinderte.

Montag, 4. Juli Potsdam – Brandenburg (65 km):

Bereits beim Aufstehen regnet es in Strömen!

Nach dem Frühstück wurden die Tropfen etwas weniger. Wir satteln deshalb auf und fahren vom Hof. Bald nimmt der Regen an Heftigkeit wieder zu und wir stoppen kurz unter einer innerstädtischen Autobahnbrücke. Weiter nach wenigen Minuten. Als wir am Hauptbahnhof vorbei fahren und eine kleine Regenpause einlegen, überlegt so manch einer, ob man nicht eine Eisenbahnetappe bis Brandenburg einlegen könnte. Als aber die Bezeichnung „Warmduscher“ gemurmelt wird, ist diese Alternative vom Tisch. „Wir sind zwar sehr süß, aber doch nicht aus Zucker“!

Durch die wunderschöne und wasserreiche Umgebung Potsdams geht es trotz Gegenwind  über WERDER unserer Tagesetappe Brandenburg entgegen. Pausen und Landschaft werden zwar manchmal nur durch einen Dunstschleier wahr genommen, dennoch ist die Stimmung okay!

Irgendeiner hat zwar auch gegen das Wetter etwas auszusetzen, aber na ja: es muss ja etwas gesagt werden. Hinter manche Mitfahrer fuhr man nicht so gerne, wenn sie keine Schlabberlätzchen am hinteren Schutzblech hatten. Einige Plattfüße stellen sich ein, aber auch die trübten die Stimmung nicht wirklich.

In Brandenburg wird erst ein italienisches Eiscafe aufgesucht und dann geht`s ab in die Pension Gerono. Da mehrere Rad-Touris gleichzeitig nach einem Bier verlangen, gehen die kleinen Gläser schnell aus und man muss sich mit großen behelfen.

Da dieser Nachteil nicht zu Lasten der Gäste gehen soll, werden diese Portionen zum gleichen Preis verkauft wie die kleinen. Über 1,60 Euro für ein 0,4 l – Glas Bier schimpfen nur die, die ein kleines erwischt haben. Am Berichterstatter ist dieser (kleine) Kelch erfreulicher Weise vorüber gegangen.

Zimmer bzw. Unterkünfte waren in Ordnung und die Räder blieben auch deshalb im Freien, weil der märkische Sand wieder heruntergespült werden sollte.

Abends gingen wir ins eigentlich geschlossene Havelländer Eck und genossen die angebotenen Gerichte, die von einer außerordentlich beredten Wirtin angepriesen wurden. Sie wusste sogar zu berichten, was die Lieferanten der ANGUS – STEAKS in den letzten Tagen ihrer irdischen Existenz im fernen Südamerika zu fressen bekommen hatten! Ich muss allerdings gestehen, dass ich Klee und Luzerne nicht eindeutig heraus geschmeckt habe. Aber vielleicht schmecken die in Argentinien auch anders.

Dienstag, 5.Juli:  Brandenburg Stendal (81 km):

Das Wetter ist wie ausgewechselt und auch über Nacht sich einstellende platte Reifen trüben die einsetzende Euphorie nicht. Inzwischen hat Ennos Wechselteam, das hauptsächlich aus ihm selbst bestand, eine bemerkenswerte Geschicklichkeit bzw. Geschwindigkeit an den Tag gelegt. Diese sollte sich in den folgenden Tagen durch zahlreiche praktische Übungen noch weiter steigern.

Das Frühstück war auch hier in Ordnung und so fuhren wir guten Mutes von Dannen. In Pritzerbe benutzten wir die malerische Havelfähre, um dann im Künstlerdorf Mahnwitz direkt an der Havel eine Pause einzulegen.

Der Eindruck „malerisch“ relativierte sich aber angesichts der dicht an dicht stehenden Rinder der „Fleischproduktion Mahnwitz (oder so)“ am Ortsausgang. Auch eine Straußenfarm konnte in der Nähe wahrgenommen werden. Über Plattenwege, deren Enden der einzelnen Platten auf`s Verderben nicht stufenlos ineinander übergangen, strebten wir durchs Havelland unserem Ziel entgegen.

Auch mit Flatterbändern, Sperrgittern und Totenkopfsymbolen zu unserem Empfang geschmückte Brücken konnten uns nicht aufhalten. Woher wussten die Einheimischen, dass wir kommen würden?

Wer weiß wie weit es sonst von Vieritz nach Milow gewesen wäre?

Am anderen Ufer der abenteuerlichen Brücke war mangels Nutzung die Fortsetzung des Weges aber nicht sogleich aus zu machen, so dass wir erst einen Suchtrupp zu Fuß losschickten. Dieser war sehr erfolgreich, so dass auch alle anderen Teilnehmer sich anstecken ließen und die nächsten Hunderte Meter lieber zu Fuß zurück legen wollten – das Fahrrad immer schön „bei Fuß“.

Richtig erschöpft erreichten wir das auf Klaus Karte eingezeichnete Lokal in Galm und freuten uns auf einen Kaffee oder so. Aber, obwohl fast alle Lokale den Montag zum Ruhetag erkoren hatten, war der Besitzer dieses Etablissements offenbar ein unverbesserlicher Individualist: er hatte Dienstags geschlossen und die einzigen Bekundungen von Leben stammten vom  Hofhund, der offensichtlich lange nicht mehr gebellt hatte – so intensiv tat er es während unserer Anwesenheit, denn Pause machen wollten wir, ob mit oder ohne Wirt.

Die nachfolgenden Ortschaften – viele mit dem verschleißresistenten Kopfstein-pflaster – zeichneten sich alle dadurch aus, dass es keine Lokale und auch keine Geschäfte gab. Ob noch Menschen dort wohnten, konnte man nicht in jedem Fall eindeutig wahrnehmen.

In blanker Not überredete Hans-Dieter eine Frau in der Ortschaft Sydow, ihren Herd anzuschmeißen und Kaffee zu kochen. Dass vor Ort auch noch eine abschließbare Toilette vorhanden war, beflügelte die sonst etwas gedrückte Stimmung wesentlich. Hans-Dieter selbst hat dann die Kaffee – Aktion alleine bezahlt (das auch noch!).

In Tangermünde wurde die Elbbrücke passiert und nach einigen Fehlversuchen gelang es Klaus, aus dem unübersichtlichen Gewerbegebiet heraus zu finden und uns nach Stendal zu lotsen. Die „Fehlversuche“ sind hier nicht kritisch gemeint, denn die Kartendarstellung entsprach überhaupt nicht mehr der geänderten Realität.

In Stendal wurde wieder zuerst ein Eis gegessen und der Platte Nr. 5 repariert. Dann ging es zum Hansa-Hotel, dass sich insbesondere durch fehlende Hinweisschilder auszeichnete.

Ein Höhepunkt war das Grillen im benachbarten Sportcenter, welches von den Klitschko – Brüdern betrieben wurde. Klitschko 1 hatte den Grill noch nicht angeworfen, weil er früher mit uns gerechnet hatte. Ost – Logik?? Dafür suchte das Grillbesteck Seinesgleichen! Einer einigermaßen kurzen Würstchenzange für Bockwürste wurde eine versilberte Gebäckzange zugeordnet, die vom Berichterstatter bedient wurde.

Folge war neben gar gegrillten Fleischwaren (?) eine dicke Brandblase am rechten Mittelfinger, obwohl er (der Berichterstatter) garantiert nichts Heißes direkt berührt hat. Jetzt weiß ich endlich, was „in der Kürze liegt die Würze“ bedeutet! Umwerfend war die dem Grillen zugeordnete Salatbar: Sie bestand aus einigermaßen frischen und leidlich schmackhaften Brötchen. Leider waren die schon fast alle aufgegessen, bevor die Grillsachen auf den Tisch kamen – ja, ja, es dauert eben, bevor ein Grillfeuer durchgeglüht ist! Da das Wetter passte, Bier zu kaufen war und erste Sonnenbrände sich eingestellt hatten, verlief die Veranstaltung harmonisch. Jägermeister sei Dank! Nachts konnten ohne Gefahr einer Erkältung die Fenster ein Stück weit geöffnet werden.

Mittwoch, 6.Juli  Stendal – Salzwedel (77 km):

Bestes Radelwetter schon am frühen Morgen. Benachbart zum Plattenbau-Hotel liegen diverse Einkaufsquellen: Proviant und Schläuche werden nach Bedarf beschafft und eingelagert. Auf geht`s Richtung Innenstadt, dann über Plattenwege, Kopfstein-gepflasterte Ortsdurchfahrten (wie gehabt), Waldwege mit diesmal tiefen und schlammigen Pfützen. Ein LKW – Tieflader hat aufgesetzt und blockiert die Strasse – uns ist es egal.

Die „platte Reifen Orgie“ erreicht die magische Zahl 10, unterbrochen von zwei glimpflich ablaufenden Stürzen. Mittagsrast im Wald, kombiniert mit was wohl? – Richtig, mit Reifenwechseln. Norbert fährt nach Salzwedel voraus, um Reifen zu besorgen, weil wir eventuell erst nach Ladenschluss ankommen.

Bei Einfahrt in Salzwedel erste Tropfen aus dem sich verdüsternden Himmel, die sich zu einem formidablen Gewitter ausweiten, als wir aber schon im Hotel sind. „Tür zu“ ist angebracht.

Fußmarsch durch die relativ unbelebte Innenstadt zum „Eisernen Karl“, dort Abendessen: Pangasiusfilet aus vietnamesischer Bioproduktion. Alternativ Putenschnitzel.

Da der nächste Tag sowohl von der Streckenlänge (fast 100 km) als auch vom Geländerelief recht anspruchsvoll sein würde, beschloss ein Ehepaar, die Tour hier abzubrechen und mit dem Zug nach Hause zu fahren. Den von Teilnehmern gemachten Vorschlag, diese Etappe mit dem Zug zurück zu legen und abends wieder zur Haupttruppe zu stoßen, haben die beiden offenbar nicht wirklich ins Kalkül gezogen. Wer weiß….. .

Rückmarsch zum Hotel an der Katharinenkirche und kollektive Reparatur von Ennos Gangschaltung bei romantischem Licht der langsam schrittweise verlöschenden Straßenbeleuchtung, die anschließend „wie Butter“ schaltete (die Gangschaltung!!).

Donnerstag, 7. Juli Salzwedel – Fassberg/Müden (90 km)

Nach einem liebevoll hergerichtetem, sehr schönen Frühstück in individualisierter Form (wo gibt es so etwas sonst noch?) sattelten die 20 übrig gebliebenen die Leezen und begaben sich nach Aufmunitionierung beim tatsächlich gefundenen Penny-Markt auf die Route.

Die von ansonsten unfehlbar agiernden Wetterpropheten angekündigte Schlecht-wetterprognose traf glücklicherweise nicht ein – im Gegenteil: es waren ideale Bedingungen!

Zu vermelden sind lediglich 5 (in Worten: f ü n f) Platte, die damit die Bilanz auf 16 aufhübschten. Überquerung des Elbe – Seiten – Kanals.

Kleine Päuschen und zaghaftes Wassertreten in der Kneippanlage in Hösseringen durch wenige Unverbesserliche (oder hatten die anderen ihre Füße nicht gewaschen?) waren sonstige unvorhergesehene Ereignisse.

Nach einer längeren intensiven Heide – Erkundung im menschenleeren Randbereich des Truppenübungsplatzes Munster bzw. Schießplatz Unterlüß gab`s dann meist Kaffee und Kuchen beim Netto – Bäcker in Unterlüß, so dass die Reststrecke in relativer Auflösung der sonst disziplinierten Marschordnung (wegen viel „Berg – ab“ und besten Rolleigenschaften) absolviert wurde. Die obligatorische und redlich verdiente Standpauke ließ dann auch nicht lange auf sich warten (Wo E. recht hat, da hat er recht!)

Eintrudeln im Super-Hotel in Müden zur gewohnten Zeit mit Eingewöhnung der Tourteilnehmer in den jeweils ergatterten Suiten. Das Abendessen war ein optisches und geschmackliches Ereignis und gereichte dem Haus zur Ehre. Dem Berichterstatter persönlich sind aber kleinere Teller mit „einigermaßen was drauf“ irgendwie lieber.

Die schon erwähnte, anschließende Standpauke zum Thema Verkehrsdisziplin hatte sich gewaschen und wurde von ihrem Eindruck auf die Betroffenen her nur durch die folgenden Residenzbesichtigungen mit lebhafter und flüssig untermalter Diskussion von Lebensweisheiten abgemildert – man mochte sich wieder und nach Regen folgt bekanntlich Sonnenschein!!

Zu erwähnen bleibt, dass zu Beginn unseres Abendessens der versprochene Regen tatsächlich einsetzte. Sich gegenseitiger Wertschätzung versichernd, verschwanden die Teilnehmer der Residenzbesichtigung in ihren jeweiligen Domizilen. Von Nicht – Teilnehmern wurden keine abendlichen Aktivitäten überliefert, außer dass G. nach seiner privaten Audienz zum Thema Standpauke „in Familie machte“.

Für den nächsten Tag wurde wieder schlechtes Wetter versprochen – als der Berichterstatter diese Tagesnotizen zu Papier bringt (morgens zwischen 6.30 und 7 Uhr auf dem Balkon unter einem Wespennest) – regnet es tatsächlich.

Freitag, 8. Juli, Fassberg – Verden (77 km):

Wetter in Ordnung (nicht zu warm), ab und zu Tropfen. Morgens ein super Frühstück. Nur ein einsamer Platter hat sich über Nacht eingestellt – langsam bekommen wir Entzugserscheinungen!

Ein Fahrradflickertaxi holt H. mit ihrem Rad ab, um es in Wietzendorf zwischenzeitlich (dort kommen wir ohnehin vorbei) zu reparieren. Zu den Berichten über die Häufung von Pannen speziell bei einer bzw. zwei Rädern fragt der Experte sogleich nach den montierten Felgenbändern. Auf die Antwort „weißes Felgenband“ scheint die Lösung des bisher unerklärlichen Phänomens nahe: Weiße Felgenbänder haben anscheinend eine harte Außenkante, die Schläuche durchscheuert!

Andere Tourmitglieder nutzen beim Eintreffen der Gruppe beim Fahrradflicker die Gelegenheit, selbst kurze Wartungsarbeiten bzw. Reifenwechsel durchführen zu lassen.

Weiter geht es über hervorragende Bundeswehrstrassen mit anschließender Pause in Dorfmark. Nachdem wir dort wieder losgefahren waren, hatten wir einen Teilnehmer vorübergehend verloren. Mittagspause in Bomlitz, (Industriegebiet Walsrode).

Im weiteren Verlauf unserer Tour kamen wir zu einem schweren Verkehrsunfall, der sich kurz vorher ereignet haben musste. Sogar ein Helikopter war zugegen.

Kurz vor Verden überraschte uns Klaus mit einer längeren Historischen Strasse in Alleeform, auf der früher wahrscheinlich sogar Kutschen ihre Räder verloren haben. Auch für uns war sie recht schwierig zu befahren, so dass die anschließende Kaffeepause hochwillkommen war.

Ankunft in der JH Verden gegen 17 Uhr – dort anschließend (ab 19 Uhr ) war Grillen angesagt. Der Höhepunkt des Grillens war wahrscheinlich die Jägermeister-Zapfanlage, die auch bei Produkten von Mitbewerbern nicht in die Knie zu zwingen war!

Samstag, 9. Juli: Verden – Harpstedt (62 km)

Der erste Tag ohne Panne!! Nach dem Frühstück und nach Auffrischen des Proviants in einem riesigen Edeka-Center entschlossen wir uns angesichts der überschaubaren Tagesetappe, die Verdener Innenstadt ein wenig ins Auge zu nehmen und hier besonders den bekannten Verdener Dom.

Aufschlussreich war unter anderem, dass ein Schild angebracht war, nach dem Hunde (selbstverständlich) nicht in den Dom mitgebracht werden durften. Die Dame, die auch Führungsfunktionen wahrnahm, hatte allerdings ihren Hund im Dom dabei. In Verden ist wohl einiges anders.

Bei der Weiterfahrt, die z. T. auf der Deutschen Mühlenstrasse entlang führte, gab`s Kirschen aus einem Garten in der Nähe der historischen Mahlstedter Feldmühle. Für den Fall missgünstiger Gartenbesitzer hatten wir aber unsere Räder mit laufenden Motoren in Rufweite geparkt. Vor der schieren Übermacht der Anzahl der Tourteilnehmer kapitulierte aber wohl jeder Besitzanspruch, so dass sich niemand aus dem Haus heraus traute. Gelegentliche Bewegungen von Gardinen schreckten uns nicht.

Unterwegs kamen wir an einem außerordentlich gepflegt erscheinenden Gestüt namens FAMOS vorbei – Nomen est Omen!

Gleich anschließend wurde unsere Weiterfahrt durch einen dicken, abgebrochenen Ast behindert, den wir aber mit vereinten Kräften beiseite räumten. Erstaunlich, wie viele aufrichtige Wegräumer kompensiert werden, wenn nur ein einziger Mitstreiter (aber richtig feste) in der umgekehrten Richtung arbeitet!

Pause in Syke, einem malerischen Mittelzentrum. Die Weiterfahrt über die doch recht hügelige Harpstedter – Wildeshauser Geest erwies sich als recht Kräfte zehrend, so dass die Kaffeepause (Kaffee mit Schokoladenplätzchen zum Einstippen)  in der „Waldeslust Klosterseelte“ (?) willkommen war. Aber vor dem Vergnügen hat Petrus die Anstrengung gestellt: Zuerst mussten Tische und Stühle die erste Jahresreinigung dieses Jahrhunderts über sich ergehen lassen. Die Inhaberfrauen hatten das Lokal von ihrer 1951 verschiedenen Mutter geerbt und seit dem wohl auch schon mal gelüftet!

Der kleine Enkel war in seinem Einsatzeifer aber ein Phänomen und Ennos Augen leuchteten angesichts eines seltenen Exemplars FENDT LT–Treckers, welches er in einem wenig einsatzbereitem Zustand hinter einer Umzäunung entdeckte. Er trat sogleich in Kaufverhandlungen ein – über deren Erfolg ist bei Drucklegung dieses Manuskriptes noch nichts bekannt, aber Enno teilte mit, dass er mit seinem Renntrecker aus Wittenberge in 3 ½ Stunden hier sein könnte, um dieses seltene Stück für die Nachwelt zu retten.

Etwas später erreichten Erich (Vorne ER und hinten ICH) und Klaus etwas versetzt ihre 1000 km – Marke auf dieser Tour, was gebührend gewürdigt wurde. Klaus setzte sogar zu einem Salto an, was mit dem Fahrrad im Griff aber nicht gut gehen konnte. Er lag anschließend sehr fotogen wie ein Maikäfer im Gras. Erichs Fahrrad wurde gar geschmückt (es hat ihn auch nicht abgeworfen, wie Klaus es sich gefallen lassen musste).

Nach zahlreichen kürzeren, aber dennoch steileren Anstiegen (die Abfahrten werden aus Platzgründen nicht erwähnt), erreichten wir die Wassermühle in Harpstedt. Vorher wurde am Wegesrand bei LIDL gebunkert, angesichts des folgenden Sonntags mit seinen geschlossenen Einkaufsquellen eine weise Entscheidung. Unterbringung, Abendessen und Frühstück waren tadellos und die Abschiedsparty auf 53 erzeugte so manche versteckte Träne. Sehr positiv: Der Chef bzw. Besitzer des Hotels kümmerte sich höchstpersönlich um uns!

Sonntag, 10. Juli: Harpstedt – Ammerland (mindestens 63 km):

Nach einem auch dieses Mal sehr guten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Erstes Ziel war Dötlingen, wo wir eine Rast einlegten. Zur Weiterfahrt benutzen wir den Hunteweg über Ostrittrum, Sandhatten und durch das Barneführer Holz. Mehrfach trafen wir auf Kanufahrer (auf der Hunte, nicht auf dem Radweg). In Sandkrug mussten wir eine längere Zwangspause, kombiniert mit Mittagspause einlegen, damit wir nicht zu früh zum Kaffee in Harbern eintrudeln würden. Aber auch die ging vorbei, so dass wir an der Hunte entlang Wardenburg zustrebten. Dieser Ort wurde ebenso zügig durchquert wie die meisten seiner Vorgänger. In Harbern wurde wir dann gegen `15 Uhr willkommen geheißen und mit Tee, Kaffee und leckerem Kuchen und Torte, die Erichs Frau gebacken hatte, im ehemaligen Kuhstall verwöhnt.

Über Klein-Scharrel ging es dann nach Jeddeloh, wo sich die Gruppe unter nicht enden wollenden gegenseitigen Sympathiebekundungen auseinander teilte. Grobe Richtung 1: Edewecht und weiter nach Wittenriede, grobe Richtung 2: Specken – City,  Zwischenahn und umliegende Dörfer.  Irgendwie kam dann wohl jeder zu Hause an.

Danken möchte ich allen Teilnehmern für die Offenheit und Kooperationsbereitschaft und gleichzeitig meine Anerkennung für die gezeigte Leistung (540 km) aussprechen. Auch wenn es nicht immer einfach gewesen sein mag, gemurrt hat fast keiner.

Vielen Dank, Erich, für die Organisation, die echt prima war. Vielen Dank, Klaus, dass Du die Gruppe so souverän geführt hast!

Dat gah jo good! oder: All good all!

(Bernd-Dieter Eilers)

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