Konkrete Schritte in die Zukunft

Die Aufräumarbeiten gingen diesmal leicht von der Hand. Geeske Martens und Sebastian Georg – beide im Vorstand des Rates der Evangelischen Jugend Edewecht (RdEJ) – und ihre Gäste waren zwar hundemüde, aber hoch zufrieden mit dem Verlauf und dem Ertrag der letzten 48 Stunden. So machten das Zusammenrollen der Schlafsäcke, das Saugen der Räume und Reinigen der Küche kaum Mühe.

Unter dem Slogan „Nicht daneben, sondern mittendrin: Evangelische Jugendarbeit und die Fragen der Zukunft“ hatten der RdEJ und der Evangelische Kreisjugenddienst Ammerland interessierte Jugendliche und Erwachsene aus der Oldenburgischen Kirche zu einem ersten Zukunftskongress eingeladen. Vom 28. bis 30. Oktober 2011 wurden im Haus der offenen Tür, dem evangelischen Gemeindehaus, einige der Fragen bedacht, die voraussichtlich die Zukunft mitbestimmen.

Gudula Frieling, Theologin aus Dortmund, und  Uwe Vollmann, Mitarbeiter am Umweltbildungszentrum Ammerland lieferten am Freitagabend und Samstagvormittag wichtige Grundlagen für die folgenden Workshops. Frieling, Mitglied des Vereins  „Christen für eine gerechte Wirtschaftsordnung“, stellte die Zusammenhänge dar, die zur Eurokrise führten. Sie beschrieb, wie eine Wirtschaftsweise, die auf Zins und Zinseszins basiert, zum Wachstum verdammt ist – egal, ob sinnvoll oder nicht. Vollmann erläuterte in seinem Vortrag detailliert die Ursachen der feststellbaren weltweiten Klimaveränderung und ihre zu erwartenden Folgen für den norddeutschen Raum und die Weltbevölkerung.

Am Samstagnachmittag wurden zwei mal parallel verschiedene Arbeitsgruppen angeboten, in denen die Teilnehmenden die Fragestellungen der Zukunft mit Fachleuten vertieft diskutieren und auch Perspektiven entwickeln konnten.

Jan Mävers, Mitarbeiter der Evangelischen Jugend Lüchow-Dannenberg, berichtete über Erfahrungen mit dem Atommüll in der Nachbarschaft, die Auseinandersetzungen im Kampf gegen  die Castortransporte und über andere Formen der Energiegewinnung.

Ins nahe gelegene Hochmoor führte Diplom-Biologe Hergen Erhardt (Edewecht) zwei Gruppen, um sie mit dem Moor und seiner Rolle beim Schutz des Klimas vertrauter zu machen.

Um Fragen von Gerechtigkeit, Umwelt- und Klimaschutz ging es auch im Workshop „Coole Klamotten – Uncoole Jobs?!“  Imke Martens vom Eine-Welt-e.V. Edewecht referierte über krank machende Jeans und angesagte Labels und über eine Kundschaft, die nicht länger bereit ist, rücksichtslos auf Schnäppchenjagd zu gehen.

In Zukunft ist damit zu rechnen, dass immer mehr Menschen versuchen  werden, vor den Folgen des Weltwirtschaftssystems und der Klimaveränderungen aus hoffnungslosen Lebensumständen zu fliehen. Wie sich die Situation von Flüchtlingen in Deutschland konkret darstellt, und wie man sich für die Wahrung von Menschenrechten einsetzen kann, vermittelten jugendliche Mitarbeitende von Amnesty International Oldenburg.

Der „Chiemgauer“ (Bayern) und der „Roland“ (Bremen) stellen als Regiogeld mindestens eine Ergänzung zum vorherrschenden Finanzsystem dar. Nach  Ansicht von Gudula Frieling  könnten Kirchengemeinden vom Regiogeld lernen und eine Kirchenwährung entwickeln. Diese könnte einen dynamischen Austausch von Dienstleistungen mit großen Beteiligungsmöglichkeiten unabhängig vom Arbeitsmarkt bieten.

Zum Abendessen suchten die jungen Leute einen Biolandhof in der Nähe von Edewecht auf. Am Lagerfeuer servierte Bauer Marius Otto neben einer Suppe Einblicke in die Arbeit und Probleme eines Biolandwirts.

Insgesamt konnten die Veranstalter über 30 Gäste und Mitwirkende vor allem aus dem Kirchenkreis Ammerland und Oldenburg begrüßen. Und die meiste Arbeit kommt noch: Am Sonntag wurde nach einer Andacht zusammen getragen, welche Schritte in Zukunft persönlich, in der Jugendarbeit oder in den Gemeinden gegangen werden sollten. Schwerpunkte werden wohl im bewussteren Lebensmitteleinkauf für Freizeiten und im sparsameren Umgang mit Energie liegen. Vertreter des RdEJ könnten sich vorstellen, mit dem Gemeindekirchenrat einen Vertrag abzuschließen, der ihnen einen Teil des Geldes für Jugendaktionen garantiert, wenn es gelingt, die Energiekosten im kommenden Jahr zu senken. Ebenso wünschenswert wäre eine dauerhaftere Kooperation mit Amnesty International. Manchmal warf dieser erste Zukunftskongress der Jugendarbeit auch mehr neue Fragen auf, als alte zu lösen. Die Erfahrung machte Jana aus Friedrichsfehn brachte zum Ausdruck, was auch andere empfanden: „Im Workshop habe ich gesehen, mit wie viel Gift und anderen Problemen Baumwollkleidung hergestellt wird. Andererseits ist die Welt voller Plastik- und Kunstfasermüll. Ehrlich gesagt weiß ich jetzt nicht, was ich tun soll.“

(Text: Volker Austein; Fotos: Lisa Wraase)

 

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