„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ – Andacht von Pastorin Regina Dettloff

Das ist Emil mit seinem großen Bruder Jannes. Emil ist da zwei Tage alt. Dieses Bild fiel mir ein, als ich über diese Andacht nachgedacht und beschlossen habe, die Jahreslosung für 2012 zugrunde zu legen. Sie lautet: Jesus Christus spricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (Aus dem 2. Korintherbrief 12,9) Weil es wohl kaum etwas gibt, dass uns schwächer und hilfloser erscheint, als so ein kleines Kind. Wie soll darin Gottes Kraft mächtig werden?

Aber es muss ja wohl so sein – warum sonst feiern wir jedes Jahr Weihnachten, die Geburt des Kindes, in dem Gott selbst auf diese Welt kam. Der, der Himmel und Erde gemacht hat, wird ein Kind, ein Baby, wie Emil. Und verändert die Welt.

Wie das? Eigentlich sollte man doch denken, dass man stark sein muss, um die Welt zu verändern. Warum wird Gott ein schwaches Kind, ein schreiendes Bündel Mensch? Warum liefert er sich ganz und gar aus an diese Welt und an ihre Menschen? – Aus Liebe, denke ich.

Und aus der Überzeugung heraus: Nur die Liebe kann die Welt wirklich verändern. Nur so wird keinem Gewalt angetan. Würden alle Menschen ihre Mitmenschen lieben, so gut es geht, wäre Gerechtigkeit da, und Gleichheit und Freiheit. Liebe kann man aber nicht befehlen. Um Liebe kann man nur bitten.

Und genau das tut Emil gerade: „Hab mich lieb!“, schreit er und niemand fühlt sich erpresst. Ganz im Gegenteil, jeder bekommt etwas zurück. Sogar Jannes darf sich bei ihm groß und wichtig fühlen. Er ist der einzige große Bruder von Emil und kann ihm schon besser als alle anderen die Welt erklären.

Jesu Geburt sagt uns von Gott: „Ich trau eurer Liebe etwas zu!“ Und: „Ich weiß, wie es bei euch ist!“ Und: „Ich liebe euch, meine Menschenkinder!“ Daraus sollen wir wachsen. Daraus soll unsere Liebe wachsen, auf dass sie die Welt verändere. Verzeihen soll möglich werden und neue Anfänge. Vertrauen soll wachsen. Hoffnung soll vor Resignation bewahren.

Das hat auch Paulus wohl so ähnlich erlebt, als er in seiner schlimmen Krankheit, die ihn offenbar ab und zu heftig überfiel, zu Gott betete und ihn anflehte, dieses Leid von ihm zu nehmen. Und der Herr sprach zu ihm: „Lass dir an meiner Gnade genügen; meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!“ Da hat er sie gespürt, die Nähe Gottes. Und sie hat ihn auch den Menschen näher gebracht. Sie hat ihn aufgerichtet, getröstet und ermutigt. Von nun an musste er nicht mehr anderen seine Stärke beweisen, sondern konnte zu seiner Schwachheit stehen.

Ein Kind in seiner Schwachheit kann unsere Herzen öffnen – das schafft sogar so ein Bild wie oben. So will auch Gott, der im Kind von Bethlehem zur Welt kam, unsere Herzen öffnen und uns mit seiner guten Kraft erfüllen.

Gottes Segen für die vor uns liegende Zeit wünscht Ihnen

Pastorin Regina Detloff

 (Diese Andacht wurde in Kark un Lüe IV/2011 veröffentlicht.)

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