„Sei getreu bis an den Tod“ – Andacht von Pastor Achim Neubauer

„Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ – dieser Satz aus der Offenbarung des Johannes wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts den Konfirmandinnen und Konfirmanden in Edewecht zugesagt.

Fest im Glauben sollen die jungen Menschen sein, ein gutes Fundament haben, auf dem sie ihr eigenes Leben aufbauen und einen Maßstab, an den sie sich selbst ausrichten können. Keineswegs aber – man mag das bejubeln oder bemängeln – beinhaltet das Fest der Konfirmation die Auferlegung von Zwängen welcher Art auch immer.

Ganz im Gegenteil: Mit dem Ende der Konfirmandenzeit findet vieles ein Ende, das als strenge Regel z.B. des Gottesdienstbesuchs oder des Auswendiglernens auferlegt war. Die evangelischen Christen trauen einander zu, dass sie verantwortlich vor Gott in der Gesellschaft ihre Zeit gestalten. Vieles, was unabdingbarer Bestandteil der christlichen Lehrzeit ist, kann hoffentlich eine Ermutigung sein, eigenständiger zu werden. Der Glaube bietet eine Unterstützung, aus dem Bereich der Kindheit herauszutreten und in die Selbständigkeit zu gelangen, dass Menschen ihre Freiheit leben können.

Albert Schweitzer wird das Wort zugeschrieben: „Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel.“ Ein schlauer Satz, den umzusetzen Eltern ja nicht immer leicht fällt. Es bedarf schon einer ganz gehörigen Portion Vertrauens, darauf zu bauen, dass die Sprösslinge alleine ihren Lebensweg finden können. – Aber dass Menschen für die Freiheit geschaffen sind, ihren eigenen Lebensentwurf zu finden und zu gestalten, über diesen Gedanken kann es keine kontroverse Diskussion geben.

Manchmal gehen Freunde und Nachbarn, Verwandte und Kinder in ganz andere Richtungen als Mitmenschen das für richtig halten. Christen versuchen darauf zu vertrauen, dass alle Wege von Gott begleitet werden. Nicht immer stimmt er den eigenen Versuchen zu; durch Wort und Schrift macht er schon recht deutlich, was der Allmächtige für richtig und was er für falsch hält. Dass das Leben eigenverantwortlich gestaltet werden kann, das allerdings traut er jedem von uns zu, unabhängig von der konkreten Ausprägung, unabhängig auch von Alter und Herkunft.

Jesus Christus selbst hat seine Jünger mitten in die Welt geschickt, dass die auch ohne seine leibhaftige Anwesenheit getrost und unverzagt leben können. „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“, hat er ihnen zugesagt.

Schwierigkeiten sind mit dieser Zusage nicht aufgehoben; vielleicht ist es aber mit seiner Begleitung doch einfacher, das eigene Leben so zu führen, dass Menschen in Frieden und Respekt voreinander leben können.

„Du sollst ein Segen sein“, wird den Konfirmandinnen und Konfirmanden zugesagt – damals wie heute. So gesehen ist die Konferzeit nur der Anfang zu einem gemeinsamen Leben, Vorbereitung und Erstausrüstung für ein Leben im Glauben vor Gott.

Wenn die Sonne scheint, das Wetter angenehm ist, dann ist alles einfach. An einem strahlenden Tag die Sonne zu preisen, dazu braucht es keinen Glauben. Aber wenn der Wind und der Sturm kommt, ein Unwetter, dann kommt‘s drauf an – da kann sich Hoffnung bewähren. Schwere Stunden, Unwetter, Misserfolge oder Krankheit – wohl kaum einer bleibt in seinem Leben davon unberührt. Da ist es dann gut zu wissen, dass einer über uns ist, der die „Krone des Lebens“ geben kann.

So wünsche ich nicht allein den Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass sie spüren, wie Gott sich um uns sorgt. Mögen alle Menschen ganz zuversichtlich in die Zukunft des Lebens schauen und gehen; Schritt für Schritt und Tag für Tag: Gott wacht über uns. Er ist da, begleitet jetzt und alle Zeit.

Ihr Achim Neubauer

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