Diakonie in der Gemeinde: Das Trauercafé

Hans-Ulrich Raguse hat ein Gespräch mit Pastorin Regina Dettloff über die von ihr initiierte und betreute Trauerarbeit geführt:

Wie sind Sie zur Trauerarbeit gekommen und wie ist das Trauercafé entstanden?

1997 entschloss ich mich, meine Arbeit zum 2. Theologischen Examen zum Thema: Trauerbegleitung in der Gemeinde zu schreiben. Natürlich lagen dahinter persönliche Erfahrungen mit dem Verlust von wichtigen Menschen, aber darüber hinaus hatte ich natürlich auch im Umgang mit Tod und Trauer manches Mal gemerkt, dass die Auferstehungsbotschaft allein nicht genug Trost gibt, sondern dass die Sache mit dem Auf(er)stehen für die Trauernden noch mal ein ganz eigenes Thema ist. 

So kam ich in eine Trauergruppe in Rastede, die ich eigentlich nur nach ihren Erfahrungen befragen wollte, die ich dann aber schon bald übernahm und bis etwa 2001 dann auch leitete. Als ich 2001 nach Edewecht kam, wollte ich diese Arbeit natürlich gerne hier fortführen und gründete das Trauercafé. Es lief von Anfang an gut.

Welche Menschen besuchen das Trauercafé?

Es sind Menschen, die einen geliebten Menschen, ihren Partner, ihr Kind und manchmal auch ein Elternteil verloren haben. Das Alter spielt keine Rolle. Wir sind im Schnitt etwa 12 Leute.

Welche Erfahrungen haben die Trauernden gemacht?

Die Erfahrungen der Trauernden waren:

  • Alles, wirklich alles verändert sich, das ganze bisherige Leben!
  • Die Zeit heilt nicht alle Wunden – und Sprüche helfen weniger, als wenn jemand zugibt, dass er nicht weiß, was er/sie sagen soll!
  • Die Wochenenden sind am schlimmsten – Feiertage auch.
  • Vieles, was gemeinsam schön war, ist jetzt alleine schwer.
  • Es gibt nichts, was einen wirklich „ablenken“ kann; auch Familienfeiern oder Kegeln gehen nicht. Man will auch gar nicht immer „abgelenkt“ werden.
  • Der Papierkrieg ist schlimm und man muss ihn oft erst lernen.
  • Man ist sehr rastlos und kaum irgendwo zu Hause. Die Wohnung ist so schrecklich leer und draußen ist man auch allein.
  • Es tut gut, mit Leuten zu reden, die wissen, wie es ist.
  • Es tut gut, so sein zu dürfen, wie man ist.

Gibt es einen bestimmten Ablauf bei den Treffen?

Ja! Zuerst werden alle begrüßt, vor allem wenn Neue dazu kommen. Dann gibt es erst einmal Kaffee und Kuchen. Kuchen essen ist wichtig – das gibt Energie, wenn man alleine zuhause nicht essen mag. Danach beginnt eine Gesprächs-Runde, damit alle die Chance haben, zu Wort kommen.

Grundsätzlich muss aber niemand reden, wenn er oder sie nicht will! Man darf auch einfach erst mal da sein.

Bei der Runde erzählen die Mitglieder, was bei ihnen gerade so anliegt. Das muss gar nicht unbedingt etwas mit der Trauersituation zu tun haben. Es kann auch der Garten sein oder ein Erlebnis, ein Gedanke, ganz egal. Danach dürfen die anderen ihre Gedanken dazu geben. Bei Problemen versucht man, gemeinsam Lösungen zu finden. Manchmal geht es auch nur darum, zu verstehen.

Damit man nicht immer bei Null anfangen muss, gibt es eine Liste mit Namen und Telefonnummer und um welche Person man trauert. Diese Liste hat jeder, der zur Gruppe gehört. Die ganze Arbeit beruht auf Vertrauen, das entsteht und geteilt wird. In dieser Gruppe darf man sein, wie man eben ist – normal oder ein bisschen verrückt. Hier darf ebenso gelacht wie geweint werden. Alle Gefühle sind erlaubt und werden von allen toleriert und getragen.

Meine Funktion ist die, vorsichtig zu moderieren, den Einzelnen ihren Raum zu geben und neue Mitglieder willkommen zu heißen. Manchmal auch, über Trauerprozesse aufzuklären. Wichtig ist vielleicht noch: Ein Trauerprozess dauert länger als 3 Monate, obwohl man nicht die ganze Zeit ununterbrochen nur traurig ist.

Wir lachen auch oft, denn eigentlich geht es doch darum, die Freude zu suchen!  Es ist etwa so, wie wenn man wie im 23. Psalm gemeinsam durch ein dunkles und ziemlich unwegsames Tal geht. Da sieht man doch auch die Blumen, hört die Vögel, staunt über die Pracht der Blumen auf den Bergwiesen, nimmt sich an die Hand, macht mal Pause, teilt den Proviant und hilft sich über schwierige Wegstrecken hinweg. Es ist lange nicht alles nur schrecklich auf diesem Wege.

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