Nikolai-Kita Portsloge: Fünf Jahre Kneipp-Konzept

„Gehst du heute Wassertreten?“ –  „Nein, ich kann nicht, ich bin erkältet!“ Wenn ich dieses Gespräch zufällig höre, freue ich mich, weil ich merke, dass die Kinder ein Bewusstsein für ihren Körper entwickeln und Verantwortung dafür übernehmen, denn von Anfang an (erst mit Unterstützung einer Erwachsenen, je älter sie werden, allein) müssen alle Kinder überlegen, ob sie erkältet sind und fühlen, ob sie kalte Füße haben! Bei Erkältung oder kalten Füßen dürfen die Kinder nicht an dem morgendlichen Angebot des Wassertretens teilnehmen. 

Wassertreten ist Teil unseres Kneipp-Konzeptes. Seit fünf Jahren bieten wir Methoden an, die uns gesund erhalten sollen. Dabei handelt es sich nicht um Events, sondern es werden verschiedene Angebote in den Alltag integriert. Es ist alltäglich und hält uns gesund.

Zur Kneipp-Konzeption gehört der Bereich Bewegung. Im Alltag finden immer wieder Bewegungsangebote statt. Über Bewegung entwickelt sich das Gehirn! Es ist erwiesen, dass Kinder, die nicht rückwärts laufen können, Schwierigkeiten haben, Minus-Rechenaufgaben zu lösen!

Mit dem Rad zur Kita!

Zwischen Ostern und den Sommerferien bieten wir unser Projekt „Mit dem Rad zur Kita“ an. Kinder und Eltern sollen in dieser Zeit möglichst oft mit dem Rad zur Kita kommen. Im Flur hängt eine Liste, in der sich die Kinder eintragen können, wenn sie mit dem Rad gekommen sind (dabei lernen sie schon das regelmäßige Dokumentieren und das Lesen von Listen). darüber hinaus bietet unser Kollege Klaus Hellmerichs in kleinen Gruppen für alle Kinder ein Verkehrssicherheitstraining an. Sie üben langsam, um Hindernisse zu fahren und zu bremsen. Es wird überlegt, wie alle angezogen sein müssen, um für die Autofahrer gut sichtbar zu sein und wie das Fahrrad ausgerüstet sein muss. Fahrrad Pflege wir geübt.

Vor den Sommerferien werden die Kinder prämiert, die in dieser Zeit Fahrrad fahren gelernt haben und die, die am häufigsten mit dem Rad zur Kita kamen. Dieses gestaltet sich zunehmend schwieriger, weil  immer mehr Eltern ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto in die Kita bringen. Das müssen wir mehr berücksichtigen und zum nächsten Jahr etwas ändern. Trotzdem ist dieses von den Eltern begleitete Fahren im Straßenverkehr die beste Übung für eine Verkehrssicherheit. Jeden Tag gibt es neue Situationen, die im Gespräch gemeinsam gemeistert werden müssen: Ein Auto parkt auf dem Bürgersteig. Gemeinsam muss  eine Lösung gefunden und umgesetzt werden.

Diese Aufgabe kann kein Polizist übernehmen, der einmal kommt, um zu erklären, wie die Straße gut überquert werden kann.

Mit den Kindern Brot backen

Ernährung ist eine weitere Säule in der  Kneipp- Konzeption. Wir haben das Glück, dass unsere ehemalige Kollegin Gunda von der Reith dienstags kommt und mit den Kindern Brot backt. Vom Mahlen der Körner bis zum  Einschieben in den Ofen sind Kinder beteiligt (dienstags zieht ein wunderbarer Duft durchs Haus). Dieses Brot wird den Kindern donnerstags und freitags zum Frühstücks-Buffet  angeboten (und sie essen es gern!) Das Buffet wird mit den Kindern zubereitet.

An den anderen Tagen, sollen keine süßen Sachen mitgebracht werden. Nur so können sie unterscheiden lernen, was gesund ist.

Wir waren ziemlich stolz von einem Kind aus unserer Kita zu hören, das  erzählt  hatte, dass es zum Fasching „ungesundes Essen“ gegeben habe! Super, dieses Kind hat es verstanden und sich über die Ausnahme bei einem Fest gefreut!

Kräuter werden im Garten angebaut und für Tees genutzt.

Lebensordnung ist ein „altbackscher“ Begriff. Sagt, dass wir das Leben ordnen sollen. Dazu ist zu sagen, dass es in unserem Haus klare Regeln gibt, die eingehalten werden müssen. Es ist wie ein Rahmen, der vorgegeben ist und in dem sich alle bewegen.

Einmal im Jahr setzen sich alle Kinder  mit unseren Gefühlen auseinander. Kinder entwickeln ein Bewusstsein für die eigenen Gefühle und lernen sie zu benennen. Die eigenen Gefühle sind wichtig, die Gefühle der anderen müssen aber immer berücksichtigt werden. Je besser ich mich darüber ausdrücken kann, umso „weniger muss ich die Faust sprechen lassen“. Es gibt Übungen zum Umgang mit Konflikten, die es natürlich gibt! Die Kinder lernen „Halt stopp, das will ich nicht“ laut und deutlich zu sagen. Das fällt nicht allen Kindern leicht, ist aber ganz wichtig, wenn die Kinder sich durchsetzen wollen. Darum  wird es geübt.

In jedem Jahr wird das Projekt  wiederholt und im Laufe ihrer Entwicklung verstehen die Kinder mehr, können sich besser ausdrücken und festigen das Geübte. Unsere Hoffnung ist, dass die Kinder später auch „Halt Stopp, das will ich nicht“ sagen, wenn sie körperlich bedrängt oder ihnen Drogen angeboten werden.

Karin Quade-Matthes, Leiterin der Ev. Nikolai-Kindertagesstätte Portsloge

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