Küsterin in Süddorf: „Stellst du nur die Glocken an?“

Elfriede Henkensiefken

Seit 14 Jahren Küsterin: Elfriede Henkensiefken

Manche Berufe in der Kirche haben merkwürdige Namen. „Küster“ zum Beispiel. Diese Bezeichnung kommt von dem lateinischen Wort custos und bedeutet „Wächter“. Küster werden auch „Kirchendiener“ genannt. Was alles zu ihren Aufgaben gehört, verrät Küsterin Elfriede Henkensiefken in einem Gespräch mit Kark un Lüe – hinter den Kulissen. 

Nach der kirchlichen Trauung vor der Martin-Luther-Kirche in Süddorf. Ein Fotograf schießt ein paar Bilder, Familie und Angehörige stoßen auf die Zukunft der Brautleute an. Sie strahlen vor Glück. Es war ein schöner Gottesdienst. Die Ansprache der Pastorin, die Lieder, die Gebete – das hat die Anwesenden berührt.

Drinnen in der Kirche legt Elfriede Henkensiefken sorgfältig die Hussen zusammen, mit denen die Stühle vor dem Altar für die Trauung geschmückt waren. Sie lächelt: Sie freut sich, dass alles so gut geklappt hat, dass die Hochzeitsgemeinde zufrieden ist. Die Kirchenbänke hatte sie mit Blümchen und weißen Schleifen geschmückt. „Damit es freundlich aussieht“, sagt sie. Es kommt auf viele Details an bei einer kirchlichen Trauung. Und dass alles klappt, ist eben auch der Küsterin zu verdanken, die seit 1999 in Süddorf Dienst tut.

Liednummern und Blumen

„Stellst du nur die Glocken an?“ fragte einmal ein Kind im Kindergartengottesdienst die Küsterin. Nein – zur Arbeit der Küsterin gehört viel mehr. Elfriede Henkensiefken bereitet die Kirche für die Gottesdienste vor, auch für die Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Früher hat sie die Räume auch saubergemacht, aber für die Reinigung ist jetzt eine Kollegin zuständig. Doch für die Küsterin bleibt genug zu tun.

Elfriede Henkensiefken

Aufräumen nach der Trauung

Jeden Freitag fährt Elfriede Henkensiefken ins Kirchenbüro nach Edewecht, um zu sehen, was für das Wochenende anliegt. Wie viele Taufen angemeldet sind, welche Lieder gesungen werden sollen, welchen Gottesdienstablauf es gibt. Wenn etwas Besonderes geplant ist, stimmt sie das mit der Pastorin ab. Am Samstag bereitet sie dann die Kirche vor. Die Liednummern müssen an die Tafeln gesteckt werden, Kerzen werden kontrolliert und ausgetauscht. Die Küsterin prüft, ob die Mikros und die Beleuchtung funktionieren. Die Abendmahlsgeräte werden bereitgestellt. Und natürlich wird der Altar mit Blumen geschmückt. „Meistens hole ich ein Gesteck vom Gärtner. Aber wenn die Alpenrosen und der Flieder blühen, dann pflücke ich manchmal auch selbst“, erläutert die Küsterin.

Die richtige Temperatur

Passend zum Kirchenjahr gibt es für Altar und Lesepulte Behänge in unterschiedlichen Farben, die so genannten Paramente. Die Küsterin sorgt dafür, dass immer die passenden Farben zu sehen sind. Ob sie das auch schon einmal vergisst? „Nein, bisher noch nicht. Es hängt ein Zettel in der Sakristei, da schaue ich drauf. Bis jetzt ist es immer gut gegangen“, lächelt sie.

Und wie funktioniert das mit der richtigen Temperatur beim Taufwasser? Die erfahrene Kirchendienerin gießt vorher heißes Wasser in das Becken. „Das dampft manchmal noch – aber bis zu den Taufen ist es etwas abgekühlt, und dann wird handwarmes Wasser zugegossen. Da erkältet sich kein Kind, und zu heiß ist es auch nicht.“ Beim Abendmahl sorgt sie für genügend Wein und Oblaten. „Ich stehe dann ja meistens mit am Altar – dann habe ich im Blick, dass alles passt.“

Ein offenes Ohr haben

Küsterin sein – da geht es aber nicht allein um derartige handfeste, praktische Dinge. „Man muss auch zuhören können, wenn die Menschen Kummer und Sorgen haben“, sagt Elfriede Henkensiefken und wird für einen Moment ruhig. „Man muss vieles mittragen, die Menschen haben Vertrauen zu mir. Das muss man auch können, man muss eine große Liebe zu den Menschen haben – sonst kann man diesen Dienst nicht machen.“ Manchmal fällt das gar nicht so leicht, etwa bei Beerdigungen, wenn sie das Schicksal der Familien vor Augen hat und man sich lange kennt. Aber es gibt ja auch die freudigen Ereignisse, von denen Gottesdienstbesucher strahlend berichten. Küsterin sein, das bedeutet auch Seelsorgerin zu sein. Die Süddorfer sind ihr sehr dankbar. Sie wissen, was sie an Elfriede Henkensiefken haben. „Es ist auch eine Erfüllung, wenn man Menschen um sich hat und für andere da sein kann“, sagt die Kirchenfrau.

Für Ruhe sorgen

Eine ganz anderes Talent ist gefordert, wenn sie sich im Gottesdienst hinter Konfirmanden setzt, die ein wenig Unruhe verbreiten. „Dann sage ich ihnen, dass sie doch jetzt einmal eine Stunde ruhig sein müssen und anschließend draußen wieder reden können.“ Dazu muss sie gar nicht streng werden – die Jugendlichen akzeptieren sie, denn sie wissen, dass die Küsterin sie ernst nimmt.

Elfriede Henkensiefken

Die Küsterin schmückt das Gemeindehaus

Die Küsterin ist auch die gute Seele des Süddorfer Gemeindehauses. Wenn sich dort der Frauenkreis oder der Bastelkreis trifft, ist sie vor Ort. Die Räume vorbereiten, Kaffee und Tee kochen – die Gruppen sollen sich im Haus wohlfühlen. Der Mutter-Kind-Kreis und die Jugendarbeit versorgen sich selbst. Aber wenn es um besondere Veranstaltungen geht, läuft nichts ohne Elfriede Henkensiefken.

Besondere Anlässe gibt es viele: Zum Beispiel das Frühstück mit selbstgebackenem Kuchen zum Erntedankfest oder das Frühstück nach der Osternacht. Die Nikolausfeier mit dem Ortsverein und dem Bürgerverein. Die Adventsfeiern mit den Senioren. Die Silberne Konfirmation Ende Oktober. „Da gehen die Menschen glücklich und zufrieden nach Hause. Und ich bin froh, wenn sie zufrieden sind.“

Organisationstalent

Zum Totensonntag gibt es jedes Jahr den Basar, für den das Gemeindehaus geradezu umgekrempelt wird. „Da bin ich die Frau für alles, da könnte ich 20 Ohren haben und 20 Hände“, sagt sie – es ist ihr anzumerken, wie sehr sie da in ihrem Element ist.

Elfriede Henkensiefken ist glücklich, wenn sie helfen und zupacken kann, wenn ihr Organisationstalent gefragt ist. Sie gehört zu denen, die die Gemeinde in Schwung halten, z. B. auch in der schwierigen Zeit der Vakanz nach dem Weggang von Pastor Dreyer, als die Pfarrstelle in Süddorf länger als ein Jahr nicht besetzt war. Die Süddorfer und ihre Küsterin lassen sich nicht unterkriegen. „Wir haben alles weitergemacht“, sagt sie nicht ohne Stolz: „Und es hat auch gut geklappt.“ Und fügt sofort hinzu: „Und jetzt sind wir dankbar, dass wir Frau Pastorin Rösler haben.“ Nein, im Mittelpunkt steht Elfriede Henkensiefken nicht gern. Für sie ist ihr Dienst selbstverständlich.

Weil es an diesem Nachmittag regnerisch war, hatte die Küsterin schnell noch das Gemeindehaus hergerichtet. Einfach so. Damit die Hochzeitsgemeinde nicht im Regen anstoßen muss. Der Bräutigam überreicht Elfriede Henkensiefken zum Abschluss eine Flasche Sekt: „Danke! Es war ganz, ganz toll – danke schön!“ Nein, eine Küsterin stellt nicht nur die Glocken an.

Uwe Martens

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