Pilgern auf dem Jakobsweg

Helma v. Grone am Ziel der Pilgerreise

Helma v. Grone am Ziel der Reise

„Du willst wirklich alleine wandern? Ist das nicht zu gefährlich?“ Diese Fragen hörte ich immer wieder wenn ich von meinen Plänen für August / September 2013 erzählte. Der Jakobsweg war mein Ziel, quer durch Nordspanien von Pamplona nach Santiago de Compostela, wie es rund 140 000 Pilger in jedem Jahr machen. Wie in vielen guten Pilgererfahrungen dokumentiert und empfohlen, habe ich mich trotz der besorgten Stimmen für alleine gehen entschieden. 

Intensive Vorbereitungen

Im Jahr 2009 hatte Volker Austein um Teilnehmer für eine Teilstrecke geworben. Leider versandete das Vorhaben, und ich musste den seit 1997 gehegten Wunsch wieder beiseitelegen. Aber die bereits gesammelten Erfahrungsberichte von Pilgern noch einmal zu lesen, machte auf einmal wieder Freude. Im August 2012 ist mein Entschluss dann gefallen: Start im Spätsommer 2013. Zeitgleich begann ich mit den Vorbereitungen. Körper, Geist und Seele wollten disponiert werden. Aber zentrales Ausrüstungsstück sind die Wanderschuhe; sie müssen wie eine zweite Haut sitzen. Alles andere ergibt sich in der Trainingsphase. Mit täglich fünf Kilometern habe ich begonnen und konnte nach einem Jahr 28 Kilometer ohne Beschwerden absolvieren, in den letzten Wochen mit bis zu 10 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken. Mindestens dreimal in der Woche bin ich gewandert, ab Juli jedem Tag. Kartenstudium und Landeskunde haben sich immer wieder bezahlt gemacht.  Das Go meines Hausarztes war eine wichtige Bestätigung. Und beim Sonntagsgottesdienst in der Martin-Luther-Kirche am 18. August hat unsere Pastorin Tabea Rösler mir den Segen von ganz oben mit auf den Weg gegeben.

Es ist für alles gesorgt

Mit mir waren viele andere Pilger unterwegs, die sich unterwegs fröhlich mit dem traditionellen Pilgerruf „Buen Camino“ begrüßten. Das bedeutet so viel wie  „guten Weg, glücklichen Weg“, jedes Kind in Spanien kennt diesen Gruß. Etwa 20 Kilometer waren täglich zu überwinden. Nach wenigen Etappen wichen die morgendlichen Sorgen um Essen unterwegs und Quartier für die nächste Nacht. Die Antwort reicht weit zurück: Seit mehr als 1000 Jahren haben sich entlang dieses bedeutendsten Pilgerwegs der Christenheit  Quartiere angesiedelt, stehen Essen und Trinken bereit. Heute ist der Jakobsweg für Nordspanien ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor, der von den Bewohnern der unterschiedlichen Regionen kultiviert und gepflegt wird, unaufdringlich und hoch effektiv.

Niemand ist allein

Ich habe wunderschöne Landschaften gesehen. Das Wichtigste aber waren die Menschen, denen ich unterwegs begegnet bin. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Spanier den Pilgern gegenüber ist herzerwärmend. Würden wir einen Fremden zwei Kilometer weit begleiten, damit er sich auch bestimmt in der Großstadt nicht verläuft? Oder verschenken wir „einfach so“ die Früchte unseres Gartens? Beides habe ich erlebt und konnte nur staunen und dankbar sein. Am Ende der 37 Tagesetappen hat sich bestätigt: keiner ist alleine, und die Gefahren halten sich in engen Grenzen. Der Weg hat mich unendlich reich und nachdenklich gemacht.  Und ich habe wir vorgenommen ihn noch einmal zu gehen  –  diesmal mit meinem Mann!

Helma v. Grone

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