Zur Jahreslosung 2014: Gedanken zum Beruf der Pastorin

Pastorin Tabea Rösler

Pastorin Tabea Rösler

Der Gemeindebrief „Kark und Lüe“ vom März 2014 steht unter dem Schwerpunktthema „Beruf: Pfarrer“. Wir beleuchten verschiedene Facetten der beruflichen Tätigkeit von Pastorinnen und Pastoren. Tabea Rösler, Pfarrerin im Pfarramt II in Edewecht, hat das Thema in ihrer Andacht für die Kark un Lüe aufgenommen und verbindet die Jahreslosung mit dem Pfarrberuf: „Lass dich fallen in Gottes Hand.“

Der erste Gottesdienst im Theologiestudium

Sonntagmorgen, halb 11. Ich stehe im Talar an der Tür der Martin-Luther-Kirche. Nicht in Süddorf. In Nordenham, meiner Heimatgemeinde in der Wesermarsch. Die Gottesdienstbesucher eilen herbei. Viele altbekannte Gesichter. Winken, lachen, wir schließen uns in die Arme. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Wie’s mir denn ginge … Ja, die drei alten Sprachen, Hebräisch, Latein und Griechisch, sind geschafft. Nun bin ich im Hauptstudium. Und dieses Semester besuchte ich das Homiletik-Seminar, wie es im Theologenjargon heißt. Auf gut deutsch: Ich lernte predigen. 

Dieser Gottesdienst ist mein erster im Theologiestudium. In der Martin-Luther-Kirche, mit der mich so viel verbindet durch die Jugendarbeit. Alles alt-vertrautes Terrain. Eigentlich sollte ich die Lage im Griff haben … Doch wie ich da so stehe, merke ich, wie die Aufregung immer stärker in mir aufsteigt. „Na, das wird schon“, eine Freundin klopft mir auf die Schulter. Meine Deutschlehrerin beginnt vor Rührung an zu weinen. „Wir sind gespannt! Viel Glück!!“, rufen die anderen Gottesdienstbesucher.

Der Zuspruch tut mir gut. Da stehen mir Menschen zur Seite und trauen mir etwas zu. Und ‚viel Glück’ wünsche auch ich mir. Dass der Gottesdienst gelingt. Dass meine Worte die Zuhörer berühren und Gottes Wort unter uns wirkt. „Viel Glück!“ – Ja, das kann ich gut gebrauchen. Vertrauen, Mut und Kraft.

Sehnsucht nach Glück

„Viel Glück!“ Oft fassen wir unsere guten Wünsche in diese Wendung. „Viel Glück im Neuen Jahr!“ Wir wünschen einander, dass 2014 uns viel Gutes bringen möge. „Viel Glück und viel Segen“ singen wir beim Geburtstagsständchen. Und rufen „Glück gehabt!“, wenn eine brenzlige Situation gut ausgeht. Auch Glücksratgeber stehen hoch im Kurs. Glückliche Frauen und Männer lachen uns in Zeitschriften an und geben uns Tipps zum Glücklichwerden. Und egal, was wir auf sie setzen, wir alle spüren, wie stark wir uns in unserem Leben nach Glück sehnen. Weniger nach dem schnell dahingesagten „Glück gehabt“. Dieses Glück bleibt oberflächlich. Es vergeht so plötzlich, wie es gekommen ist. Doch ohne Glück gibt es kein erfülltes Leben. Jedenfalls keins, wie ich es mir wünsche. Ein erfülltes, glückliches Leben, das nicht einfach dem Schicksal oder Zufall unterworfen ist. Mich in meiner Angst Gott in die Arme zu werfen. Gott meine Freude und meinen Dank zuzujubeln. Das ist Glück!

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“ (Psalm 73, 28): Die Jahreslosung 2014

Mittlerweile ist es kurz vor 11. Gleich beginnt der Gottesdienst. Ich stehe allein an der Kirchentür und kämpfe weiter gegen meine Aufregung an. Plötzlich kommt der Organist die Treppe von der Orgelempore herunter. Er kennt mich aus der gemeinsamen Jugendarbeit. Jahrgänge von Jugendlichen hat er geprägt. Jugendgottesdienste ließ er uns in Eigenregie gestalten – eine großartige Zeit war das.

Jetzt tritt er als Organist an meine Seite und schaut mir ins Gesicht. „Tabea, du hast genug gearbeitet. Du hast alles gut vorbereitet. Nun leg es in Gottes Hand!“ Er nickt mir zu und geht zurück an die Orgel. Die Glocken läuten. Orgelspiel. Einzug. Eine erwartungsfrohe Gemeinde und eine Theologiestudentin, die ihren ersten Gottesdienst als einen ganz besonderen erleben darf.

„Gott nahe zu sein ist mein Glück“ verheißt uns die Losung für das Jahr 2014 (Psalm 73, 28). Das gilt auch für uns Pastorinnen und Pastoren. Bei unserer Arbeit werden wir immer wieder an unsere Grenzen geführt. Bei der Verkündigung des Wortes Gottes, im Unterricht und in der Seelsorge. Bei allen verantwortungstragenden Aufgaben ist das so, im Beruf oder zu Hause. Es hängt viel von uns ab, Erwartungen richten sich auf uns und wir wollen mit unserer Arbeit zufrieden sein. Die Jahreslosung will uns den Rücken stärken. Ein Zweifaches klingt in ihr an: „Gott ist mir nahe“. Und: „Ich bin Gott nahe“. Es hängt viel – aber Gott sei Dank nicht alles – von mir alleine ab. Gott stellt mir Menschen an die Seite. Er schenkt mir Vertrauen, Mut und Kraft.

Ja, ich kann Freud und Leid ablegen in Gottes Hand. Ich darf mich fallen lassen in die Liebe Gottes und der Menschen. Das ist mein Glück! Amen.

Pastorin Tabea Rösler

 

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