Christen in der Politik – Bürgermeisterin Petra Lausch

Portrait-LauschWelche Rolle spielt Ihr christlicher Glaube in Ihrem Alltag als Politikerin?
Gleich zu Anfang möchte ich verdeutlichen, dass ich als Bürgermeisterin der Gemeinde Edewecht kein originäres politisches Amt innehabe. Ich wurde direkt gewählt und bin kraft Amtes Mitglied im Gemeinderat. Dadurch habe ich einen Sitz im Gemeinderat und wirke an politischen Beschlüssen mit, habe jedoch den
Status der gesetzlichen Vertreterin und Repräsentantin der Gemeinde Edewecht.
Mein christlicher Glaube spielt in meinem Arbeitsalltag eine wichtige Rolle. Da ich ständig direkt oder indirekt mit Belangen anderer Menschen zu tun habe, versuche ich besonnen, nach umfassender Prüfung und gerecht meine Entscheidungen zu treffen und Güte walten zu lassen, wo sie angebracht ist.
Gibt es „christliche Politik“? Und welche Rolle hat Ihr christlicher Glaube bei der Entscheidung für die Politik bei Ihnen gespielt?
Selbstverständlich gibt es „christliche Politik“! Die Frage ist jedoch, was ist damit gemeint? Christliche Politik ist für mich Politik, die für unsere Mitmenschen gemacht wird und die Auswirkungen auf das Zusammenleben in unserer Gemeinschaft hat. Dabei leitet mich der 1. Korintherbrief 13,13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“
Bei der Entscheidung mich der Wahl zur Bürgermeisterin zu stellen, war mein Glaube nicht ausschlaggebend. Vielmehr haben meine Verbundenheit zu Edewecht und der Wunsch aktiv an der Entwicklung meiner Heimatgemeinde mitzuwirken, diese Entscheidung beeinflusst.
PolitikerInnen sind auch nur Spiegelbilder der Gesellschaft, sagen die einen. PolitikerInnen müssen Vorbilder sein, sagen die anderen. Liegt die Wahrheit in der Mitte? Was müsste denn ein Politiker neben seinen fachlichen an persönlichen Voraussetzungen Ihrer Meinung nach mitbringen?
Ich glaube, dass sich die beiden Aussagen gar nicht widersprechen. Politiker sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, denn sie sind Teil der Gesellschaft. Und Politiker müssen Vorbild sein in ihrem Reden und Handeln. Ich kann von meinen Mitmenschen nur Ehrlichkeit und Gerechtigkeit erwarten, wenn ich selber ehrlich und gerecht bin; ich kann nur Mitarbeit einfordern, wenn ich selber aktiv mitarbeite und fleißig bin. Und das beschreibt auch beispielhaft, welche Voraussetzungen Politiker mitbringen sollten, nämlich Sekundärtugenden.
Wo kann es Ihrer Meinung nach für Christen in der Politik zu Gewissenskonflikten kommen und wie gehen Sie persönlich damit um?
Ich glaube, dass es eher bei Bundespolitikern zu Gewissensentscheidungen kommen kann. Hier vor Ort kann ich mich nicht an eine Gewissensentscheidung  erinnern. Sollte dies einmal der Fall sein, würde ich mich tatsächlich auch nur meinem Gewissen verantwortlich fühlen, meinen Glauben als inneren Kompass nutzen, um mir Orientierung bei einer Entscheidung zu geben und mir Zeit lassen, alle Seiten zu beleuchten und abzuwägen.
Ist „Politiker“ für Sie ein Beruf wie jeder andere und warum (nicht)?
Da ich Bürgermeisterin bin, beziehe ich die Frage auf diese Position und da kann ich nur sagen, nein, Bürgermeisterin ist kein Beruf wie jeder andere. Die Vielzahl an Aufgaben und Fragestellungen, an Kontakten zu Menschen, Firmen und Institutionen, die Bedeutung von Entscheidungen und die Präsenz in der Öffentlichkeit fordern ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein, Flexibilität und zeitlichem Einsatz.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Aufgabe in der Gemeinde Edewecht wahrnehmen darf, denn es bereitet mir Freude an der Entwicklung von Edewecht mitwirken zu dürfen. Der Ausspruch von John F. Kennedy: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann. Frage, was du für dein Land tun kannst.“ verdeutlicht dieses für mich am besten.
Wird das kirchliche Ehrenamt von Staat und Gesellschaft Ihrer Meinung nach ausreichend gewürdigt und warum (nicht)? Wenn nicht, was ist zu tun?
Ich bin mir nicht sicher, ob man diese Frage ausschließlich auf kirchliche Ehrenämter beschränken sollte. Ehrenämter im Allgemeinen werden zumindest in der
Gemeinde Edewecht von dem überwiegenden Teil der Bevölkerung gewürdigt. Leider ist erkennbar, dass sich immer weniger Menschen für Ehrenämter interessieren, weil die ehrenamtliche Mitarbeit häufig einen erheblichen zeitlichen Einsatz fordert. Den können aber immer weniger Menschen aufbringen. Und leider müssen sich ehrenamtlich Tätige immer häufiger unsachlicher Kritik von Dritten stellen, statt das diese mit konstruktiven Beiträgen die Ehrenamtler unterstützen oder gar entlasten.

 

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