Christen in der Politik – Landtagsabgeordnete Sigrid Rakow

Portrait-RakowWelche Rolle spielt Ihr christlicher Glaube in Ihrem Alltag als Politikerin?
Für mich sind Glaube und christliche Werte im täglichen Leben und in der Politik unverzichtbar. Glaube hat etwas mit Optimismus und Hoffnung zu tun. Daraus lässt sich Kraft schöpfen für die täglichen Herausforderungen. Für meine Eltern und Großeltern war eine christliche Erziehung selbstverständlich. Da war es nur konsequent, dass ich nach der 4. Klasse auf das christliche Dietrich Bonhoeffer-Gymnasium, eine Ganztagsschule, wechselte. Andachten und Gebete hatten ihren selbstverständlichen Platz im Tageslauf. Das alles hat mich sicherlich geprägt und beeinflusst wohl auch heute meine Argumentationen im politischen Raum.
Gibt es „christliche Politik“? Welche Rolle hat Ihr christlicher Glaube bei der Entscheidung für die Politik bei Ihnen gespielt?
In der Politik bin ich, wegen meiner Enkel und Kinder, wegen meiner ehemaligen Schüler und Kollegen, und wegen meiner Nachbarn und Freunde und Bekannten
und deren Kinder und Enkel. Sie alle sind großartige Menschen. Und weil ich möchte, dass alle Menschen eine gute Gegenwart und eine mindestens genau so gute Zukunft haben in einer heilen Umwelt, mit einem guten Arbeitsplatz, in einer Gesellschaft, in der sich einer um den anderen kümmert, deshalb mache ich Politik.
Politiker/innen sind auch nur Spiegelbilder der Gesellschaft, sagen die einen. Politiker/innen müssen Vorbilder sein, sagen die anderen. Liegt die Wahrheit in der Mitte? Was müsste denn ein Politiker neben seinen fachlichen an persönlichen Voraussetzungen Ihrer Meinung nach mitbringen?
Ein Politiker ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, er unterliegt den gleichen Wünschen, Hoffnungen, Herausforderungen wie jeder andere auch. Er sollte Mensch sein wie jeder andere in jedem Beruf auch. Er sollte sich bewusst sein, dass er Fehler macht und aus diesem Wissen heraus gegenüber seinen Mitmenschen tolerant und empathisch sein. Er sollte ein soziales Gewissen haben und nach sozialer Gerechtigkeit streben.
Wo kann es Ihrer Meinung nach für Christen in der Politik zu Gewissenskonflikten kommen und wie gehen Sie persönlich damit um?
Auf Landesebene gibt es wenig Entscheidungen, die zu echten Gewissenskonflikten führen. Die meisten Entscheidungen haben etwas mit der Verteilung von Finanzmitteln zu tun, erfordern eine Prioritätensetzung und sind damit eher sachbezogen. Natürlich wünscht man sich häufig mehr Finanzmittel für bestimmte Aufgaben, z.B. um Flüchtlingen und Asylsuchenden zu helfen.
Ist „Politiker“ für Sie ein Beruf wie jeder andere und warum (nicht)?
Politiker ist kein Beruf wie jeder andere. Es ist kein Lehrberuf. Politiker haben unterschiedliche berufliche Hintergründe, müssen sich in viele Themengebiete einarbeiten, sind auf Beratung durch Fachleute angewiesen, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Manchmal ist es nicht einfach eine Entscheidung zu treffen. Da sind Glaube und Kirche ein wichtiger Rückzugsraum zum seelischen Auftanken. Meine drei ständigen Begleiter sind die Losungen, ein kleines Buch
mit irischen Segenssprüchen und die Erklärung der Menschenrechte. Sie helfen mir beim „seelischen Auftanken“.
Wird das kirchliche Ehrenamt von Staat und Gesellschaft Ihrer Meinung nach ausreichend gewürdigt und warum (nicht)? Wenn nicht, was ist zu tun?
Ob das kirchliche Ehrenamt ausreichend gewürdigt wird, kann ich nicht sagen. Das Ehrenamt wird in vielen Reden gewürdigt, jeder in der Politik – und hoffentlich auch in der gesamten Gesellschaft – weiß um die Bedeutung des Ehrenamtes. Wir sollten alle wachsam sein, dass die Anerkennung des Ehrenamtes nicht nachlässt.

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