„Siehe, es kommt die Zeit …“ – Andacht von Pastor Achim Neubauer

Portrait-NeubauerDie Adventszeit kommt ja immer so plötzlich. Sicher: In den Geschäften lachen schon seit einigen Monaten Marzipanbrote und Spekulatius, Schokokalender und Nougatstangen aus den Regalen. Aber gerade erst sind die Wochen zu Ende gegangen, die viele Menschen als die dunkelsten im ganzen Jahr erleben: Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Ewigkeitssonntag und Totengedenken.

Mit der ersten Kerze schon auf dem Tannenkranz beginnt Anderes, ja, Neues; Lichterketten erleuchten allerorten die Fenster und Straßen, flackernde Kerzen auf den Tischen zu Hause lassen besinnlich werden. Sie verbreiten die Vorfreude auf das Fest des Jahres; die Geburt des Heilands.
Es wird wieder heller, in dieser Zeit auf Weihnachten hin, inmitten der dunklen Jahreszeit bewahrt die Atmosphäre dieser Wochen das Gefühl dafür, dass diese Zeit eine besinnliche sein kann, die auf eine gute Zukunft weist.

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will“, sagt der Prophet Jeremia in unsicherer Zeit dem Gottesvolk zu.
Eine Spur nur von dieser unerschütterlichen Gewissheit, wie gut die tun kann. Denn es sieht zu vieles verbaut aus, verdorben, beim Blick in die Zukunft. Zum blauäugigen Optimismus ist wahrlich kein Anlass. Manche Zeit haben sensible Menschen, Christen allzumal, die Erfahrung gemacht: Menschlich gesehen ist alles am Ende. Keine Aussicht auf Zukunft, auf Überleben. Und dennoch stehen Menschen auf, die der Resignation trotzig Gottes Wort entgegenhalten: „Siehe, es kommt die Zeit“, es gibt eine Zukunft. Nicht, weil Menschen sie schaffen oder auch nur sichern könnten. Nein, Hoffnung gibt es nur, weil unser Herr kommt, Jesus Christus.

Advent ist eine Zeit zwischen Erinnerung an Vergangenes und Sehnsucht nach einer guten Zukunft. Vielleicht kann man so auch ein ganzes Christenleben beschreiben; als Zeit zwischen Erinnerung und Sehnsucht. Natürlich erinnern sich Menschen gerade in diesen Wochen an viel aus der eigenen Biografie, an die eigene Kindheit; auch an Ursprung und Anlass dieser so ganz eigen geprägten Zeit.

Gleichzeitig geht es nicht allein um die Vergangenheit, sondern um die Relevanz der Geburt des Gottessohnes, für heute und morgen, für Dich und mich. Es ist ja kein Zufall, dass viele der Adventslieder eben nicht in der Vergangenheitsform sprechen, sondern ganz gegenwärtig: „Wie soll ich dich empfangen?“ Und: „Macht hoch die Tür“. Ein Advent, der sich einmal vor zwei Jahrtausenden ereignet, der könnte ja auch nichts austragen für das Jahr 2015.

„Siehe, es kommt die Zeit“ – Gott wird tätig, er greift ein, tut, was notwendig wird. Daran festzuhalten, dass dies auch in der Gegenwart geschehen kann, ist vielleicht mit die wichtigste Aufgabe der Christen. Sich stets auf‘s Neue bewusst zu werden: Mit alledem, was Menschen in Gang setzen und planen, organisieren und durchführen, mit dem ist es eben nicht getan, Gott sei Dank nicht! Da ist noch ein anderer am Werk, Gott der Herr. Manche der eigenen Ängste und Sorgen, mag dieser Gedanke dann ein wenig relativieren: Letztlich sind es eben nicht Menschen, in deren Hand Schicksal und Zukunft dieser Erde liegen. Das mag widersinnig und trotzig klingen, ist aber das einzige, was Hoffnung zu geben vermag. Das ist keine billige Vertröstung, die den Blick für die Realitäten verschleiert, sondern eine Feststellung des Glaubens, die Kraft geben kann, sich für das Leben einzusetzen, in unseren Bauerschaften, in unserem Land, in dieser einen Welt.

Ich wünsche ihnen von Herzen eine gesegnete und friedliche Adventszeit.

Ihr P. Achim Neubauer

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe IV / 2015)

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