„… behandelt sie genau wie euresgleichen!“ – Andacht von Pastorin Regina Dettloff

Portrait-DettloffWeihnachten liegt nun schon wieder hinter uns. Ebenso der Jahreswechsel und der 6. Januar, wo wir uns an die weisen Sternkundigen erinnern, die dem neu geborenen Gotteskind Geschenke brachten. – Kurz nach dem Besuch dieser Sternkundigen, so erzählt es Matthäus, ist dem Josef im Traum ein Engel erschienen. „Flieht nach Ägypten!“, hat er gesagt. Die Sternkundigen hatten König Herodes aufgeschreckt: Ein neu geborener König in Bethlehem?! Alle Kinder unter 2 J. ließ er umbringen. Da waren sie aber schon auf der Flucht: Maria und Josef und das Kind. Ein Bild davon hängt nun an der Süddorfer Kirche. Ein Ausschnitt eines Säulenkapitells aus der Kathedrale von Autun in Burgund in Frankreich ist darauf zu sehen, geschaffen im 12. Jhdt von einem Steinhauer mit Namen Gislebertus.

Jesus und seine Eltern als Flüchtlinge. Auch Jesus, dessen Geburt wir gerade noch so überschwänglich gefeiert haben, gehörte dazu. Auch er war in Lebensgefahr und konnte das nur überleben, weil es gute Menschen gab, die sich berühren ließen von der Not dieser jungen Familie. – Der erwachsene Jesus erinnert später daran:„Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. – Denn was ihr einem eurer geringsten Mitmenschen getan habt, das habt ihr mir getan.“

Unter diesem Bild in Süddorf hängt noch ein anderes. Darauf steht: „Unterdrückt nicht die Fremden, die in eurem Land leben, sondern behandelt sie genau wie euresgleichen.“ Genau dieser Satz steht Jahren auch an unserer Edewechter St. Nikolai-Kirche. Dies Bild in Süddorf wurde unserer Kirchengemeinde von Zia Farsin geschenkt, der sich schon seit vielen Jahren um Freundschaften zwischen deutschen und ‚Fremdlingen’ bemüht.

Der Satz an unserer Nikolai-Kirche ist aus der Bibel, aus dem Alten Testament. Im 3. Buch Mose steht wörtlich und etwas ausführlicher: Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, den sollt ihr nicht schinden. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst. Denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland. Ich bin der HERR, euer Gott. (3. Mose 19,33)

Diese Sätze spricht Gott zu Mose. Er gibt ihm Weisungen mit für das Volk der Israeliten, das ebenfalls auf der Flucht ist, auf der Flucht aus der Sklaverei, die sie hatten in Ägypten erdulden müssen. Auf der Flucht in ein besseres Leben. Weil Gott mit ihnen Mitleid hatte. „Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst..“, sagt Gott. Erinnert euch, wie es war, als man euch als Fremdlinge herum geschubst hat… Macht es anders…

„Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ Diesen Satz kennen wir Christen auch. Zusammen mit dem Satz: Liebe Gott… ist er nach Jesus der Schlüssel zum ewigen Reich Gottes. Ein Kernsatz, eine Richtschnur für das, was wir christlich nennen, das Gebot der Nächstenliebe, unumstößlich und ohne Obergrenze. Und von Gott her ist der Fremde eindeutig mit hinein genommen. Und sogar einzementiert ist es in unser Grundgesetz, das da sagt: Die Würde des Menschen, jedes Menschen, ist unantastbar!

Niemand sagt, dass es leicht ist. Aber Gerechtigkeit und Frieden kann nicht auf Unrecht, Vorurteil und Hass wachsen. Gerechtigkeit und Frieden kann nur auf Vertrauen wachsen, auf Hoffnung und auf der Kraft der Liebe. „Wer Wind sät, wird Sturm ernten!“, sagt ein altes Wort. Ich würde mir wünschen, dass es kein böser Wind ist, den wir aussäen, sondern ein guter. Und ich würde mir sogar wünschen, dass aus dem Wind der Güte und Freundlichkeit ein Sturm wird, der alles Böse hinwegzufegen vermag. Dazu gebe uns Gott seinen Segen!

Ihre Pastorin
Regina Dettloff

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe I / 2016)

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