„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen …“ – Andacht von Pastor Stephan Bohlen

„Gott spricht: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. (aus Psalm 121)

Vor etlichen Jahren – die Kinder waren noch so klein, dass sie nicht die Schule besucht haben – waren wir mit einer Gemeindegruppe in der Ramsau / Steiermark. Im Schatten des Dachsteinmassivs waren wir unterwegs. Auf Schusters Rappen. Irgendwann sagte unser Nachwuchs das, was Eltern von ihren Kleinen im Gebirge – mitten im Nirgendwo – am liebsten hören: „Ich kann nicht mehr!“ Da standen wir nun. Und guter Rat war teuer. Zum Glück war ein älterer Herr dabei, weg-erfahrener Vater und Opa, der es vermochte, die verborgenen Energiequellen im Kinde anzuzapfen. Und so konnte der Weg weiter gehen.

Vor uns liegt ein neues Jahr. Das alte liegt hinter uns. Geht uns vielleicht aber hier und da noch nah. Und wir stehen da – auf dem Weg. Beladen mit dem Gepäck unseres Lebens. Mit Leichtem und Schwerem, Schönem und Anderem, mit Ballast und Notwendigem. Wir sind auf dem Weg. Die ersten Tage und Wochen haben wir hinter uns. Manches war bekannt und vertraut. Anderes fremd und überraschend. Vor uns zeichnet sich ab, wohin es gehen wird. Die Richtung sehen wir, doch nicht, wie es konkret sein wird, was uns erwartet. Wie der Wanderer auf dem Titelbild. Wie er sind auch wir unterwegs – auf der Reise durch das Leben.

Unterwegs wird es schöne und beglückende Erfahrungen geben. Wege, die zu passieren und Freude und Kraft gibt. Aber es mag auch diese anderen Momente geben, die Augenblicke, in denen wir sagen: „Ich kann nicht mehr!“. Dann einen Weggefährten zu finden, der uns hilft, unsere verborgenen Energiereserven zu entdecken und zu nutzen, ist ein Segen.

Die Worte des 121. Psalms, den wir – alle Jahre wieder – unterwegs auf der Reise durch die Zeit in den Gottesdiensten am Altjahrsabend beten, sprechen diese Weg-Erfahrung an: Dass es Momente gibt, wo sich alles um einen herum nur so auftürmt. Wo wir nach Hilfe fragen und nach einem Helfer. Nach einem, der mitgeht und uns hilft über den Berg zu kommen.

Viele Menschen haben diesen Weg-
begleiter und Helfer in Gott gefunden. Sie haben erfahren, wie er ihnen die Kraft und den Mut gab, die nötig waren, neue Energie zu schöpfen. Kraft und Mut für den nächsten Schritt. Und immer wieder für den nächsten Schritt.

Mögen auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser, diese Erfahrung machen können auf dem Weg durch das Jahr 2017: Dass sie immer wieder Mut und Kraft finden für den nächsten Schritt, weil einer da ist, der ihnen zur Seite steht und mitgeht.

Gott hat da viele Möglichkeiten, uns nahe zu kommen und über den Berg zu helfen. Manchmal kommt er auch als Weg erfahrener älterer Herr, der einem Kind hilft, die Energie zu finden, die in ihm steckt.

Bleiben wir offen. Für überraschende Begegnungen. Auf dem Weg.

Ihr Pastor Stephan Bohlen

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe I / 2017)

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