„Klock veer ward all düster, …“ – Andacht von Pastorin Regina Dettloff

Klock veer ward all düster, de Wind weiht von Ost,
de Luft schmeckt all bannig nah Schnee.
De Straaten sünd schmückt und de Lüer speelt verrückt,
und de Schipp föhrt mit ‘m Dann´nboom nah See.
Dat Johr geiht to End, und de Lichter, de brennt,
man, de Tied steckt een Licht an in di.
So singt die Finkwarder Speeldeel mit Rolf Zuckowski.

Es ist man gerade 17.00 Uhr am Mittwoch-Abend im November – und draußen ist alles schon richtig dunkel. Die kahlen Zweige recken sich schwarz in das letzte Licht, das den Himmel noch tiefblau aufglühen lässt. Wie Scherenschnitte. Hinter den Fenstern ist Licht. Die Straßenlaternen sind auch schon an. Und die Luft schmeckt vielleicht nicht nach Schnee – aber es ist empfndlich kalt geworden. Und am Morgen ist´s bis 8.00 Uhr noch ziemlich dunkel. – Ich find´s eigentlich ganz gemütlich.

„Ja, nun geht das bald los, dass die Leute verrückt spielen…“, denke ich. Also, dass sie wie gehetzt, untermalt von stetigem Weihnachtsgedudel, Geschenke und Vorräte, und dann auch Dannenbööm, einkaufen.

Jedes Jahr wieder liegt Sehnsucht in der Luft! Sie ist wohl die Triebfeder von all dem. Wohl so ziemlich jede und jeder wünscht sich in diesen dunklen Zeiten helle Zeichen von Geborgenheit oder zumindest von familiärem Frieden, wenn schon nicht von Frieden auf dieser ganzen armen Erde. Jede und jeder wünscht sich Anzeichen dafür, geliebt, gewertschätzt, zumindest gesehen zu werden: Ein Geschenk. Der Besuch der Kinder von weit her. Ein Anruf. Vielleicht sogar ein Wunder. Oder gar Erlösung …

Ich fnde, da passt der Monatsspruch von Dezember ganz gut hinein: Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, – und damit es unsere Füße richte auf den Weg des Friedens. (Lk 1,78-79)

Weihnachten, die Geburt des Christkindes, das Kommen Gottes in unsere Welt so zu umschreiben, als „Besuch des aufgehenden Lichts aus der Höhe“, das beeindruckt mich sehr. Sonnenaufgangslicht strahlt in unsere Welt, in unsere Dunkelheiten, in unsere Sorgen und Alltäglichkeiten hinein. Staunen und Freude. Hoffnung auch. Und dahinter, wie ein Lächeln Gottes, noch seine herzliche Barmherzigkeit! Weihnachten als Besuch Gottes bei allen, die im Finstern sitzen! Als Erleuchtung. Als Kraft, die unsere Füße auf „Wege des Friedens“ richten will!

Ob so ein Besuch die Menschen verändert? – „De Tied steckt een Licht an in di“, singt die Finkwarder Speeldeel. Wär doch schön, wenn das wirklich so wäre. Dass der Besuch des aufgehenden Lichts aus der Höhe es hell machte bei allen, die in Finsternis und Schatten sitzen. Bei allen, die Angst haben, die einsam sind, oder verzweifeln. Wär doch schön, wenn es in mir und Dir ein Licht ansteckte, ein warmes Glühen, Freude, Wärme, Hilfsbereitschaft, Friedfertigkeit… die wir dann in die Welt weiter geben könnten. Und wenn es unsere Füße dann wirklich auf die Wege des Friedens richtete.

Ist ja nicht so, dass wir das nicht brauchen könnten… Da ist auch viel Dunkelheit in unserer Welt: Hassreden; geiler Geiz und Fake-News gehen um. Und gleichzeitig kommt es uns so vor, als würden Fakten, Korrektheit, Anstand und das 8. Gebot: ‚Du sollst kein falsches Zeugnis reden…’ – öffentlich abgeschafft. Und mit den Problemen außerhalb der Landesgrenzen gehen manche so um, wie bei diesem Witz: „Mutter, kannst Du bitte die Tür zu machen? – Ich kann es nicht ertragen, wie du dich abrackerst!“ Sie wollen einfach die Türen zumachen. Wollen die, die in dieser Welt im Dunkeln sitzen möglichst gar nicht wahrnehmen.

Ja, wir könnten ihn schon sehr gut gebrauchen – den Besuch des aufgehenden Lichtes aus der Höhe. Es wäre wirklich schön, wenn dieses Licht all diejenigen stärken würde, die sich für Anstand und Wahrheit einsetzen. Jenen gilt mein Dank und mein Respekt!

Ihnen allen aber, liebe Leser, wünsche ich, dass dieses Licht sie berühren möge. Nicht nur, dass Sie schöne Geschenke bekommen und lieben Besuch. Und dass Sie nette Worte hören wie z.B. „Schön, dass es DICH gibt!“. Sondern auch, dass es wirklich ‚een Licht ansteckt in Di’, damit es hell und freundlich wird in Ihnen und um Sie herum. Und es möge in Ihnen bleiben, dieses Licht, auch im neuen Jahr, damit Sie Schritte auf den Weg des Friedens gehen können.

Ihre Pastorin Regina Dettloff

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe IV / 2017)

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