„Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, …“ – Andacht von Stephan Bohlen

Die Wahl ist gelaufen. Die Wahlbeteiligung war miserabel. Der Alltag kehrt wieder ein. Verwaltungskram und Kürzungsrunden. Die Kirche wird sich verändern. Rapide und spürbar.
Wovon immer geredet wurde, ohne dass etwas geschah, es wird sich nun Bahn brechen. Jede/r hatte am 11. März die Möglichkeit, seine Stimme zu erheben. Wer das nicht getan hat, soll demnächst nicht meckern, sondern einfach den Mund halten.

So könnte man die Wahl sehen und das, was kommt. Muss man aber nicht. Und will ich auch nicht!

Natürlich sind knapp 10 % Wahlbeteiligung nicht viel. Aber es ist auch kein Einbruch. Und es ist – gerade in Hinsicht auf bewegte, kaum vergangene Edewechter Zeiten – sogar ein gutes und Mut machendes Ergebnis. Denn es zeigt, dass die, die immer schon zu ihrer Gemeinde gestanden haben, das auch weiterhin tun. Danke dafür!

Und – was die Öffentlichkeit kaum wahrnehmen konnte – die Wahl, ihre Vorbereitung und Durchführung hat gezeigt, wie motiviert viele Menschen in unserer Gemeinde sind, wenn es
um ihre Gemeinde geht: Manche haben für „Kark un Lüe“ wunderbare Texte verfasst, die Nachbarn und Freunde dazu bewegt haben, zur Wahl zu gehen (oder zumindest ins Denken zu kommen). Andere haben sich ehrenamtlich eingebracht als Wahlvorstand oder als Mitarbeitende im Wahlausschuss. Und wieder andere haben in oder in der Nähe der Wahllokale für ein buntes Begleitprogramm gesorgt. Alles alles andere als selbstverständlich! Zeichen der Verbundenheit und Treue. Danke dafür!

Und schließlich: In den neuen Gemeindekirchenrat sind aus dem Stand -und (wie die Statistik zeigt) nicht von anderen jungen Leuten – vier Menschen gewählt worden, die erst 18, 19, 20 und 22 Jahre jung sind. Auch das ein Zukunftszeichen. Danke dafür!

„Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“

Gott ruft mit den Worten seines Propheten Jesaja seinen Leuten Mut zu: Auch wenn´s vielleicht nicht so aussieht, die Veränderung zum Besseren hat schon begonnen. Vertraut nur. Und arbeitet mit daran.

In der Mitte der Nacht kommt Gottes Sohn zur Welt. Verborgen in einem Stall als Flüchtlingskind. Als junger Mann ist er als Wanderprediger unterwegs. Ohne Heim, doch mit einem Herzen voller Liebe. Für die Augen ein Bettler; für das Herz ein König. Er stirbt am Kreuz, wird begraben und ist für alle sichtbar gescheitert. Was sollte jetzt noch kommen? Doch in der Verborgenheit des Grabes beginnt die Verwandlung. Am dritten Tag sollte sich zeigen, dass die Liebe stärker ist alles, was Leben hindern will. Ostern haben wir das gefeiert. Wieder ganz sinnenfällig in der Osternacht. In der Mitte der Nacht: Das Licht!

In der Mitte unseres Alltags: Die Liebe! Als Gemeinde Jesu Christi leben wir, was Ostern geschehen ist; und was Ostern geschehen ist, läßt uns als Gemeinde leben. Gott schafft Neues. Mitten unter uns. Er macht einen Weg, wo alles aus-weg-los erscheint. Er schenkt Wasser, wo wir alle Lebensquellen versiegt wähnen. Nicht mit großem Tamtam und Theaterdonner, sondern in den kleinen Gesten am Rande unserer Wege.

Gott ist da. Nur ein Gebet weit entfernt – hat jemand einmal gedichtet. Gott ist da – verborgen unter den kleinen Dingen, dem Vielerlei und Einerlei unserer All-Tage. Im freundlichen Lächeln des Nachbarn; in den Frühlingssonnenstrahlen, die uns kitzeln; im Zufall, der uns beglückt; in der Kraft, Schweres zu tragen; in der helfenden Hand, die uns überraschend gereicht wird; indem sich Dinge fügen; in der Schulter, an der wir uns ausweinen können; im Schweiß, der uns von der Stirn rinnt, wo wir unseren Ärger abtrainieren; in all den kleinen und  unscheinbaren Dingen des Alltags, die uns helfen, die uns trösten, die uns Kraft geben, die uns auch zurechtbringen und -weisen; auch in dem, was weh tut – und was wir im Moment so gar nicht brauchen. So schafft Gott Neues, wie er es will. Nicht, wie wir es uns wünschen.

Das kann mitunter eben auch weh tun. So wie weniger als 10 % Wahlbeteiligung am 11.03. mir weh getan haben. Aber das kann auch lehrreich sein, das kann ins Denken bringen, kann zu neuen Anfängen führen. Gesegnete Anfängen, die sich an der Liebe orientieren, die Ostern die Nacht überwunden hat.

Vielleicht braucht es ein bisschen Demut, um die eigenen Pläne für das Neue im Lichte dieser Liebe nochmals kritisch zu sichten. Und zu prüfen, ob sie in jener Liebe bleiben.

Die Sommertage, die nun kommen werden, mit der Urlaubs- und Ferienzeit, sind vielleicht ein guter Moment, um entspannt und relaxt – fern des Alltags und ganz bei sich – diese Liebe neu zu fnden. Und das werden wir. Ist schließlich von höchster Stelle so zugesagt:

„Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht?“

In diesem Sinne: Schöne Ferien!
Ihr
Stephan Bohlen

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe II / 2018)

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