„Seht auf und erhebt eure Häupter …“ – Andacht von Achim Neubauer

„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukasevangelium 21,28)

 

„Seht auf …“ – Jedem Ereignis gehen Vorboten voraus und zu sehen gibt es in diesen Tagen wahrhaft viel. Die Bauerschaften sind in Licht gehüllt, adventliche Straßenbeleuchtung allerorten, geschmückte Tannenbäume, Sterne, Lichterbogen, Leuchtketten. Überall hängen Sterne in den Fenstern, glitzernde Geschenke, Spielsachen. Mit Kunst und Hingabe wird das Fest vorbereitet; sie bringt zum Klingen, spricht an, öffnet die Herzen.

Gott kommt auf die Erde, kommt, damit Friede wird. Das ist die Botschaft des Christfests; nichts Neues – und doch so schwer greifbar. Friede kann sich einstellen, wo Gott Platz findet. Wo er die Menschen erreicht, berührt, erfüllt. Lichter, Sterne, Engel, alles sind Vorboten, die schon jetzt die Herzen weit machen können.

In die Zukunft zu schauen und gleichzeitig die Vergangenheit nicht zu vergessen, das ist Inhalt der Vorbereitung auf das Fest. Ein Weg des Glaubens, der die Möglichkeit gibt, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Es sind ja gerade die Wochen, der Adventszeit, in denen viele Christen, die sich sonst nicht so recht Zeit dafür nehmen, im Gottesdienst die Gemeinschaft mit anderen suchen. Wer zusammen mit den Mitschwestern und -brüdern betet und singt, kann die Melodie des Glaubens erleben, ein großer Chor, der gemeinsam – aber in unterschiedlichen Stimmen – von der Sehnsucht nach Frieden, Herzlichkeit und Zufriedenheit singt, davon, dass Gott selbst das Leben behüten möge.

„Seht auf … „ – Ein kleines Stück der großen Botschaft wird greifbar, wo im eigenen Leben das Wirken des Allmächtigen erfahren wird; wo sich Menschen begleitet wissen, mit ihm ins Gespräch kommen, sein Wort hören und von der Freude weitergeben.

Die Adventszeit kann den Blick öffnen für eine andere Wirklichkeit. Die Gesetze der Menschen und dieser Welt, der tägliche Trott, sie sind nicht alles. Es geht nicht immer einfach so weiter im täglichen Einerlei, sondern die Welt hat ein Ziel, die Geborgenheit bei Gott.

Seine Schöpfung und seine Geschöpfe sind dem Allmächtigen nicht egal, er steht dem Erdentreiben nicht gleichgültig gegenüber. Sorgen will er sich – um jeden einzelnen Menschen jetzt und allezeit und sogar über den Tod hinaus.
Sein Beistand ist keiner, der auf Sankt-Nimmerleinstag datiert wäre, er geschieht seit Anfang der Zeit und ist durch seinen Sohn Jesus Christus sichtbar geworden; hat Hand und Fuß. Im Heiland wird seine Liebe sichtbar; wovor sollten wir uns fürchten?
Advent heißt: Etwas erwarten, vielleicht ersehnen.

Etwas erwarten – und etwas bekommen; das was Gott uns schenken will. So, wie damals, als Jesus auf die Erde kam – und sich als ein ganz anderer König erwies, als viele sich vorgestellt hatten.

– Der König der Ehren und keine Spur von Glanz und Gloria.
– Der Herr Zebaoth, Herr der Heerscharen, aber kein Kriegsherr.
– Der Friedefürst, stark und mächtig im Streit, aber ohne Armee und Waffen.
– Einer, der mit Klarheit und Liebe die Mächte der Finsternis besiegt hat.

Möge er selbst uns kommen – in unsere Bauerschaften, in unsere Gemeinde, in unsere Häuser und Familien, in unsere Herzen; er segne uns und unsere Lieben.

Achim Neubauer

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe IV / 2018)

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