„Fürchte dich nicht …“ – Andacht von Stephan Bohlen

 „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1)

 

 

Konfirmation. Endlich. Nach Jahren der Mühe und Entbehrung die Belohnung. So mag das Fest, auf das in diesem Jahr mehr als 100 junge Menschen aus unserer Gemeinde zugehen, erwartet werden.

Endlich wieder ausschlafen können am Sonntagmorgen! Endlich nicht mehr die Kinder zur Kirche fahren müssen. Endlich kein Training und kein Punktspiel oder Turnier mehr verpassen. Endlich frei! Das mag so empfunden werden. Und – Hand aufs Herz – das war bei mir nicht anders. Und bei Ihnen?

Heute habe ich einen anderen Horizont. Das Leben ist weiter gegangen und ich bin mitgegangen auf meiner Reise durch das Leben. Habe Erfahrungen gemacht auf dem Weg. Solche und solche. Gute und andere. Manche Dinge haben mich vorangebracht, andere herausgefordert. Einiges habe ich geschafft, anderes hat mich geschafft. Mal gewonnen, mal verloren. Nicht immer geht der Weg bergauf. Nicht immer wird das Ziel auf geradem Weg erreicht. Es braucht so manchen Umweg, Abweg und auch Irrweg.

Was das mit Konfirmation zu tun hat? Gar nichts und alles. Es ist eine Frage der Wahrnehmung. Kann ich mich als geliebten, gewollten und bejahten Menschen sehen? Vertraue ich trotz aller Umwege und Stolpersteine unterwegs darauf, dass es für mein Leben einen Plan gibt und ich – genauso wie jeder Mensch, dem ich unterwegs begegne – schon hier und jetzt in einer alles umfassenden Liebe aufgehoben bin? Vielleicht wird dem einen oder anderen der jungen Menschen, die nun in den Konfirmationsgottesdiensten „Ja“ zu ihrer Taufe sagen werden, diese große Zusage, unter der ihre Lebensreise steht, neu bewusst: Die Wege, die Du gehst, werden gesegnete Wege sein. Denn du bist nicht allein.

Das hat Gott uns bei der Taufe versprochen: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja 43,1) Egal, wohin wir uns wenden. Gott wendet sich uns zu. Ist mit uns unterwegs. Und er ist treu. Darum können wir getrost und zuversichtlich unsere Wege gehen. Und uns freuen über die Freiheit, die uns als Kinder Gottes geschenkt ist.

Stephan Bohlen

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe II / 2019)

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