Andacht für den 18. März 2020 – Heike-Regine Albrecht (Westerstede)

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Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus?

„Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – unter diesem Motto steht die diesjährige Fastenaktion 7 Wochen Ohne. Angesichts der Corona-Pandemie bekommt dieses Motto einen ganz neuen, erweiterten Bedeutungshorizont.

In den Ohren von Menschen und Unternehmern, die im Moment um ihre Existenz fürchten, weil Umsätze einbrechen und sie alle Aufträge verlieren, klingt dieses Motto möglicherweise sogar sehr zynisch. Wie soll ich zuversichtlich sein, wenn ich nicht weiß, wie lange sich diese außergewöhnliche Situation noch hinziehen wird und wenn ich nicht sicher bin, ob überhaupt und wann konkret staatliche Hilfen wirklich kommen? Zynisch mag es auch in den Ohren der Risikogruppen klingen, die sich angesichts der hoch schnellenden Zahlen an Infizierten ernsthaft um ihre Gesundheit sorgen.

Zuversichtlich sein, ohne Pessimismus in die kommenden Wochen schauen – das ist angesichts der jeden Tag neu hereinbrechenden drastischen Maßnahmen gar nicht so einfach umzusetzen.

Während die einen Berufsgruppen im Moment ungewollt ohne Arbeitsaufträge sind, weil alle Aufträge storniert wurden, arbeiten andere Berufsgruppen am Limit.

Wir haben eine Situation, die uns alle herausfordert. Was wir jetzt erleben, haben viele unter uns so noch nie erlebt.

Wir haben Fastenzeit und normalerweise beschränken wir uns da auf das Fasten von Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder anderen Dingen. Nun reduziert sich unser Leben jedoch auf einmal in noch viel mehr Bereichen: Wir reduzieren soziale Kontakte, kulturelle Veranstaltungen, den Sport, das Einkaufen, das Reisen, wir reduzieren ganz elementar auch körperliche Nähe. Wir schütteln uns nicht mehr die Hände. Am Schwersten fällt es mir persönlich, am Grab nicht mehr die Hand zu geben, wenn ich den Angehörigen der Verstorbenen mein Beileid wünsche.

Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus – das ist dennoch genau das passende Motto für diese Zeit. Zuversichtlich und ohne Pessimismus lasst uns diese Tage und Wochen und vielleicht sogar Monate begehen. Jede Krise birgt auch Chancen. Verantwortung füreinander übernehmen, Verantwortung zeigen, in dem Fall der Corona-Pandemie durch Abstand, durch Verzicht, um die Gefahr für diejenigen einzudämmen, die gesundheitlich bedroht sind, sich solidarisch zeigen mit denen, die Sorge haben müssen schwer zu erkranken und mit denen, die wegen der Corona-Krise Sorge haben um ihre Existenz.

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“, heißt es im Galaterbrief (Gal 6,2). Wir befinden uns in der Mitte der Passionszeit. Wir gehen den Weg Jesu mit. Wir bedenken sein Leiden und Sterben. Wir wissen, nicht immer endet alles gut. Nicht immer ist alles leicht. Und sicher wird auch die Corona-Pandemie manch schmerzhafte Wunde hinterlassen. Aber lasst es uns gemeinsam tragen.

Jesus fand auf seinem Weg einen, der nahm ihm die schwere Last  seines Kreuzes ein Stück des Weges ab: Als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon, den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug (Mt 27, 32).

Auch wir tragen das Kreuz der jetzigen Herausforderungen wie Simon von Kyrene zunächst vielleicht gezwungenermaßen, aber lasst es uns tragen, damit der Weg für die leichter wird, die unter der Last des Kreuzes zusammenbrechen würden. Und lasst uns neben Corona auch diejenigen nicht vergessen, die gerade einen anderen schweren Leidensweg gehen – an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei. 

Tragt einer des andern Last! Bleibt zuversichtlich! Ohne Pessimismus! So werden wir das Gesetz Christi erfüllen.

Ihre Pfarrerin Heike-Regine Albrecht (Bad Zwischenahn)

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