Andacht für den 19. März 2020 – Petra Adomeit (Zwischenahn)

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Ausnahmezustand?!


Ich merke es an den Regalen im Supermarkt. Überall gähnende Leere, wo sonst das Klopapier liegt. Ich merke es daran, dass ich niemanden mehr umarmen oder die Hand geben darf. Abstand ist angesagt. Am besten gar nicht mehr rausgehen – niemanden mehr treffen. „Machen Sie es sich zuhause gemütlich“, sagte unsere Sozialministerin in der Pressekonferenz am Montag.

Zuhause habe ich es ja auch wirklich schön. Hier erhole ich mich gerne vom Alltagsstress, genieße meinen Feierabend. Gerne bleibe ich auch für einen Kurzurlaub in meinen „4-Wänden“ oder im Garten- je nach Wetterlage. Aber gerade ist kein Urlaub. Im Moment ist Ausnahmezustand. Alle Verordnungen und Vorsichtsmaßnahmen treffen uns ins Mark, und wir leiden darunter.

Fast passend zu unserer Kirchenjahreszeit: Passionszeit- Leidenszeit der Weg Jesu geht ans Kreuz. Das Kreuz- unser Markenzeichen als Christ*innen. Ist es uns deswegen wirklich vertraut oder doch auch fremd? Vertraut ist es uns, weil wir es in jeder Kirche sehen und es die Grundlage unseres Glaubens ist. Aber ist es uns nicht auch manchmal fremd mit seiner Botschaft des Leidens mitten in einer Welt, in der nichts stören darf, weil alles so perfekt funktionieren muss? Diese perfekte Welt ist gerade ganz schön ins Wanken geraten. Ausnahmezustand – und niemand weiß so recht, wie lange das alles andauern wird. Das macht Angst. Auch, dass unsere Kirchen und Gemeindehäuser jetzt für das gemeinsame Leben unseres Glaubens geschlossen sind. Das tut weh! Ist das Kreuz jetzt noch fremder, weil wir es noch nicht einmal mehr vor Augen haben?

Das Kreuz – es gehört nicht nur in eine Kirche, es gehört in die Welt – gerade jetzt.
Das Kreuz – es ist mehr als nur zwei Balken.

Wo das Kreuz ist, egal wie- und sei es nur in unseren Herzen, ist Jesus auch präsent, steht das, worum es uns im Glauben geht, im Raum. Dann ist Jesus unter uns – egal, wo wir sind. Jesus ist da, er leidet mit uns. Darum: Lassen wir uns nicht zu sehr bestimmen durch diese Krise. Nehmen wir die leeren Regale mit Humor und nicht mit Panik. Geben wir unsere Zuversicht weiter an andere, dass es bald wieder ein normales Leben geben wird. Und auch, wenn wir uns gerade im Ausnahmezustand befinden, nicht alles ist abgesagt.

„Sonne ist nicht abgesagt. Frühling ist nicht abgesagt. Lesen ist nicht abgesagt. Liebe ist nicht abgesagt. Lesen ist nicht abgesagt. Zuwendung ist nicht abgesagt. Musik ist nicht abgesagt. Phantasie ist nicht abgesagt. Freundlichkeit ist nicht abgesagt. Gespräche sind nicht abgesagt. Hoffnung ist nicht abgesagt. Beten ist nicht abgesagt…“

Diesen Text bekam ich jetzt schon mehrmals von lieben Menschen per WhatsApp. Nun gebe ich ihn an Sie weiter. Denn solche kleinen Zeichen der Ermutigung tun jetzt besonders gut. Sie sind wie ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit. Genauso wie die Gewissheit, dass wir nicht alleingelassen sind: Unser Herr der Zeiten, Jesus Christus, geht mit. Er wird uns nie eine Absage erteilen.

Ihre Pastorin Petra Adomeit

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