Andacht für den 21. März 2020 – Florian Bortfeldt (Idafehn)

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Gebrochen, aber nicht zerbrochen!

 

Vor einigen Tagen waren meine Frau und ich am schönen Idasee in Idafehn joggen. Beim Auslaufen blieb meine Frau unvermittelt stehen und sagte dann zu mir: „Schau mal!“, und zeigte dann auf einen blühenden Ast. Erst verstand ich gar nicht, was sie meinte, aber dann sah ich es auch. Während alle Äste des Busches dicht mit Blüten besetzt waren, die leuchtend weiß blühten, waren an diesem Ast nur 4-5 kleine Blüten zu sehen, alle anderen Flächen des Astes waren kahl. Irgendjemand, vielleicht der Wind, vielleicht ein Spaziergänger oder auch ein spielendes Kind, hatte diesen Ast abgeknickt und so hing er merkwürdig verbogen am Busch herab. Meine Frau meinte dann, das wäre doch ein gutes Bild für eine Andacht in dieser Zeit. Der Ast sei gebrochen, aber er habe das Blühen noch nicht aufgegeben. Ich finde, meine Frau hat recht. Der angeknackste Ast ist nicht gänzlich zerbrochen und hat deshalb das Blühen noch nicht aufgegeben, auch wenn seine Kraft nur noch ganz klein zu sein scheint.

Mir fiel zu diesem kleinen Erlebnis dann auch noch eine bekannte Bibelstelle ein: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jesaja 42,3). Der Prophet meint damit den „Knecht Gottes“, Christinnen und Christen erkennen in dieser Bibelstelle bereits einen Hinweis auf Jesus, der viele Jahre später gesagt hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).

Es sind fast nur schlechte Nachrichten, die uns in diesen Tagen erreichen. Immer mehr Menschen stecken sich weltweit mit dem Virus an und viele sind schon daran gestorben. Wir machen uns Sorgen um uns und oft noch mehr um unsere Lieben, besonders, wenn sie bereits ein höheres Lebensalter haben. Viele wirtschaftliche Existenzen sind bedroht, Hamsterkäufe sind allerorten zu beobachten, Verschwörungstheorien und Gerüchte machen die Runde und Endzeitstimmung macht sich breit. Jetzt braucht es Stimmen der Klarheit, der Mäßigung, der Mahnung, der Vernunft und der Ermutigung. Die Ansprache unserer Bundeskanzlerin am vorgestrigen Abend im Fernsehen empfand ich als eine solche Stimme. Sie hat kein Öl ins Feuer gegossen, sondern einen Weg aufgezeigt, wie es vorläufig weitergehen kann und auch muss.

Genauso wichtig aber sind in dieser Zeit Worte des Trostes. Die oben erwähnte Bibelstelle aus dem Jesajabuch ist ein solches Trostwort. Unser Herr und Bruder Jesus Christus, der als Auferstandener unter uns gegenwärtig ist, er kann und will uns die Kraft geben, die wir jetzt brauchen, wenn unsere Körper und/oder Seelen gerade angeknackst sind. Auch wenn wir gerade nicht vor Freude strahlen, so kann doch noch etwas in uns zum Blühen kommen. Z.B. das, was der Apostel Paulus Glaube, Hoffnung und Liebe nennt (1.Korinther 13,13). Ich bin davon überzeugt, diese drei sind stärker als Angst, Sorgen und Zweifel, auch wenn letztere zurzeit zu dominieren scheinen. Und ich wünsche Ihnen, dass sie spüren, wie nah ihnen unser Gott gerade in diesen Tagen ist, um sie zu trösten und aufzurichten.

Ihr Pastor Florian Bortfeldt

 

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