Andacht für den 22. März 2020 – Lars Dede (Kreispfarrer)

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„Ich weiß jetzt, weshalb der Himmel heute morgen so schön aussieht …,

 

… weil da Gott wohnt.“ Das hat ein Kind vor ein paar Tagen zu mir gesagt. Rosa und violett, weiß und blau – in intensivsten Farben hat er uns an dem Tag entgegen geleuchtet. So wie er es in diesen Tagen oft tut, morgens, wenn die Sonne aufgeht. Statt des Weckers wecken mich morgens die Vögel. Ein Konzert des Lebens ist das, laut und fröhlich. Der Frühling kommt. Es ist wie jedes Jahr.

Und doch ist in diesem Jahr alles anders. Wir sehen die Bilder aus Italien. Wir hören von Infizierten bei uns, kennen sie vielleicht. Wir wissen, dass wir die Ausbreitung der Krankheit eindämmen müssen. Wir dürfen uns nicht mehr körperlich begegnen. Wir können nicht einmal in unseren Kirchen Gottesdienst feiern, obwohl doch heute Sonntag ist. Wir sorgen uns um unsere Liebsten und auch um uns selbst.

Dieser Gegensatz ist kaum auszuhalten. Der Gegensatz zwischen dem Zwitschern der Vögel und den Folgen der Krankheit. Es ist so, als hätte sich zwischen Himmel und Erde ein garstiger Graben aufgetan, in dem wir uns selbst kaum wiederfinden. Ich möchte mit dem Kind in den Himmel schauen und mich einfach an den Farben freuen. Und ich sehe die Not, die teilweise schon unter uns ist und die mehr noch über uns zu kommen droht.

Heute ist der Sonntag Lätare. In der christlichen Tradition ein kleines Osterfest in der Passionszeit. Und ich denke: Ja, es gibt diesen Graben. Es gibt ihn in unserem Land und in uns selbst. Und selten habe ich ihn so stark gespürt wie jetzt. Mit dem „Himmel auf Erden“ ist es so eine Sache. Nicht erst seit dem Ausbruch der Krise, aber doch jetzt besonders. Es gibt lebensfeindliche Mächte wie diesen Virus. An dieser Krankheit ist nichts gut. Aber es gibt eben auch das andere. Gesten der Liebe und der Zuwendung gerade auch in dieser Zeit. Noch nie haben mich so viele liebe und herzliche Worte erreicht wie in diesen Tagen. Fast jeder Gruß ist mit einem guten Wunsch verbunden. Menschen bieten an, anderen zu helfen und entwickeln Ideen, wie wir unser Zusammenleben in dieser Zeit gestalten können. Vor allem aber – und darauf kommt es an – gibt es die Liebe Gottes, die stärker ist als all unsere Not.

Es gibt den einen Gott, der uns tröstet und beisteht, so wie es uns in dem Predigttext für diesen Sonntag zugesagt wird. „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes. 66,13). Wer getröstet werden muss, der ist in Not. Wir müssen uns unserer Not nicht schämen und unserer Ängste auch nicht. Aber wer sich darauf einlässt, von Gott getröstet zu werden, der hat das rettende Ufer schon erreicht. Das Licht von Ostern leuchtet auch in dieser Zeit. „Ich weiß jetzt, weshalb der Himmel heute Morgen so schön aussieht. Weil da Gott wohnt“, hat das Kind gesagt. Er wohnt mitten unter uns.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Kreispfarrer Lars Dede

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