Andacht für den 24. März 2020 – Regina Dettloff (Edewecht)

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Wo seid ihr alle?

 

All ihr Leute mit der Mailänder Seele? Wo seid ihr Sänger und Musikanten? Da war unser Schatz doch mal groß: Es gab große gemischte Chöre. Und von meiner Mutter, Jahrgang 1919 weiß ich, dass sie mit ihren vier Geschwistern am Abend, wenn alle um das Feuer auf der Tenne herumsaßen, 4-stimmig gesungen haben. Und es klang wunderschön. Ich weiß, dass noch heute die Heimatvereine tun, was sie können, um den Tanz zur Musik an die Kinder weiter zu geben.

Okay, wir dürfen uns im Moment NICHT treffen. Aber Balkone oder auch Vorgärten gibt es doch auch hier. Es ist so schrecklich still am Abend um 19.00 Uhr, wo doch überall das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ gesungen werden soll. Und wie wohltuend könnte das sein, wenn dann noch ein weiteres Lied erklingt? Irgendeines, das jeder kennt, ein Volkslied, ein alter Schlager, von mir aus auch was Anspruchsvolles. Hauptsache etwa ermutigendes. Wir haben es am vergangenen Abend so gemacht, dass wir das Lied von Youtube am offenen Fenster richtig laut gespielt und dazu gesungen haben. Wir werden damit fortfahren.

Ich möchte also euch, die ihr irgendein Instrument spielen könnt, bitten, am Abend mal eben das Fenster zu öffnen und euer Lieblingsstück erschallen zu lassen. Vielleicht stellt ihr dazu auch eine Kerze ins Fenster – als eine Art Licht der Hoffnung, das zeigt, dass da noch Leben ist. Es soll ein Dank sein an alle, die weiterhin in Pflege und Handel für ihre Mitmenschen da sind. Und es soll ein Gruß sein an alle, die einsam sind, weil ja jetzt auch keine Besuche mehr erfolgen.

Nur – wenn ihr mitmacht, lasst euch nicht zu schnell entmutigen. Vielleicht gehen erst nach einer Woche andere Türen auf. Aber das wär’s doch wert, oder?

Es wurde immer gesungen in den christlichen Gemeinden. Paulus hat im Gefängnis gesungen, bis die Ketten fielen. Der junge David hat für seinen König Saul gesungen und die Laute gespielt, weil nur das dem alten König Frieden geben konnte. Mit Gospels haben die Sklaven Amerikas ihren Herren das singen können, was sie nicht sagen durften: Gott ist mit uns! Und die Wende 1989 war auch nur möglich mit Friedens- und Hoffnungsliedern. Und dann gibt es da ja auch noch den Propheten Jona, der vor Gottes Auftrag weglaufen wollte und den die Mannschaft dann einfach über Bord geworfen hat, als wegen ihm ein furchtbarer Sturm aufkam. Zum Glück kam gerade ein großer Fisch daher…

Klaus-Peter Hertzsch hat die Geschichte da so erzählt:
„Er saugte den Propheten ein. Der rutschte in den Bauch hinein.
Dort saß er, glitschig, aber froh: denn nass war er ja sowieso.
Da hat er in des Bauches Nacht ein schönes Lied sich ausgedacht.
Das sang er laut und sang er gern. Er lobte damit Gott den Herrn.
Der Fischbauch war wie ein Gewölbe: das Echo sang noch mal dasselbe.
Die Stimme schwang, das Echo klang, der ganze Fisch war voll Gesang.“

Wer weiß, vielleicht können wir es ja irgendwie auch schaffen, solch ein Echo hervorzurufen in unseren Orten, zumindest hier und da. Ein heilsames Echo. Ein verbindendes Echo. Denn so wie es aussieht, sind wir Menschen ja gar nicht so verschieden, wie manche behaupten. Das Virus kümmert sich jedenfalls nicht um Hautfarbe oder Nationalität. Und außerdem zeigt es, wie weit wir schon vernetzt sind – und daran wird sich auch nicht mehr viel ändern in Zukunft, es sei denn, irgendwelche Staatenführer glauben, dass sie allein mit diesem Problem fertig werden können.

Also Ihr lieben Sänger, Organisten, Musiker, Trompetenspieler, Trommler, und ja, auch ihr YouTuber. Lasst euch hören. Leute, reaktiviert eure Mundharmonikas!

Kinder, nehmt, was ihr kriegen könnt für den Rhythmus.  Heute Abend um 19.00 Uhr – und dann jeden Tag! Macht den Menschen Mut!

Ihre Pastorin Regina Dettloff

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