Andacht für den 28. März 2020 – Sandra Hollatz (Zwischenahn)

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Osterglocken

In diesem Jahr gibt der violette Krokus der Passionszeit Farbe. Zu Ostern laden nicht die Kirchenglocken zum Gottesdienst ein, sondern die goldgelben Narzissen. Sie sind die diesjährigen Oster-Glocken. Das Gedenkemein ruft uns ins Gedächtnis, dass Jesus Christus unter uns Gemeinschaft gestiftet hat an seinem Tisch. Doch werden wir nicht aus einem Abendmahlkelch trinken am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Ostermorgen.

Wir teilen aber miteinander den Anblick der anmutigen Blütenkelche bunter Tulpen – der Märzenbecher ist ja schon verblüht…Und in der Osternacht wird die Sternhyazinthe aufleuchten anstelle der Osterkerze. Der Kirchenchor muss zu Hause bleiben. Wenn wir frühmorgens das Fenster öffnen, erklingt dafür wieder ein Freiluftkonzert von Amsel, Drossel, Fink und Star…

Die Schöpfung atmet auf, nicht nur in unseren Gärten. Die Natur kann sich in diesem Frühling ein bisschen von uns Menschen erholen. Das ist ein kleiner Trost, und ich denke nicht, dass das zynisch ist angesichts des Leids, den der Corona-Virus bislang schon gebracht hat. So lange schon treten wir die Natur mit Füßen.  Wenigstens sie darf für uns jetzt zu einem Lichtblick werden in dunkler Zeit.

So ist das Frühlingserwachen der Natur wie kaum je zuvor für uns ein Gleichnis für Ostern, für das große Fest der Verwandlung, für die Auferstehung aus dem Tod ins Leben. Ich bin froh darüber!

Lätare, so hieß der letzte Sonntag, der 4. Sonntag der Passionszeit, übersetzt „Freut euch!“ nach Jesaja 66,10. Dieser Sonntag wird auch „kleine Ostern“ genannt, es ist das Bergfest in der Leidenszeit: die Hälfte ist schon geschafft. – Wie glücklich dürften wir uns schätzen, wenn schon die Hälfte der Corona-Krise hinter uns läge!

Am heutigen Samstag geht diese Woche des „Lätare“ zu Ende. Morgen wird wieder ein Wochenauftakt, ein Sonntag – eine Auferstehungstag –  begangen. Auf ganz unterschiedliche Weise mit Texten, mit Musik, mit Videos von Gottesdiensten, die in den Medien zu lesen, zu hören und zu sehen sein werden. Auch das ist gut.

Bevor es soweit ist, gebe ich uns noch einmal den Wochenspruch dieser Woche aus dem Johannes-Evangelium 12,24 zu bedenken: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Der Evangelist verdichtet Tod und Leid und Trost und Hoffnung in kurzen anschaulichen Sätzen zur frohen Botschaft. Und wieder ist die Natur Patin: die Lebenshingabe Jesu am Kreuz ist keine sinnlose Tat Gottes. Sie trägt in sich den Keim für neues Leben, für vielfältiges Aufblühen von Liebe, Güte, Mitgefühl und Friedfertigkeit in dieser Welt.

Sie wird wieder eine Ernte einfahren. Wir, die Glaubenden, die Hoffenden, sammeln und verschenken ihre Früchte. Auch in diesem Jahr.

Ihre Pastorin Sandra Hollatz

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