Andacht für den 29. März 2020 – Kerstin Grusemann-Wahl (Apen)

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Normalität

Im Moment ist nichts normal. In dieser Corona-Zeit ist alles anders. Wir können und dürfen nicht so leben, wie wir es gewohnt sind. Viele haben ein ungutes Gefühl, machen sich Sorgen und haben Angst. Ich arbeite in einem Steuerbüro.
Zum Glück sind alle gesund und ich kann noch ganz normal im Büro arbeiten. Die Heimarbeitsplätze wurden bereits eingerichtet. Wenn es notwendig wird, können wir von zu Hause aus arbeiten. Das meist genannte Wort der letzten Tage ist „Kurzarbeit“.

Und doch begegnen mir jeden Tag Dinge, die Corona für einen Moment verschwinden lassen. Da sind die Vögel, die jeden Morgen beim aufstehen schon so freundlich zwitschern. Wunderschöne Sonnenaufgänge wecken den Tag. Die Sonne scheint so wunderbar. Unterwegs zur Arbeit sehe ich die Frau, die jeden Morgen ihre Walking-Runde dreht und den Herrn der sein Vogelhaus mit Futter bestückt. Die Rehe lassen sich auch in diesen Tagen nicht stören und sind an ihrem gewohnten Platz.

Viele Whatsapp Nachrichten erreichten mich in den letzten Tagen. Grüße, gute Wünsche, schöne Texte zum Frühling, Lieder, Bilder oder Texte zu Möglichkeiten, die passieren könnten, wenn wir nun zu Hause bleiben, die Natur in Ruhe lassen, das Klima bewahren, und uns nur, mit uns selber beschäftigen.

Und dann ist da noch eine Sache, die ich bekommen habe, und das ist die Aussage von Beppo, dem Straßenkehrer aus dem Buch ‚Momo‘ von Michael Ende:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig.“

Beppo Straßenkehrers Aussage passt, finde ich gut in unsere Corona-Zeit. Der Weg vor uns scheint lang, die Perspektive ernüchternd, ein Ende unbestimmt. Wir dürfen sicher sein, dass Gott mit uns auf der Corona-Straße unterwegs ist. Schritt für Schritt steht er uns zur Seite und begleitet uns. Wir dürfen ihm all unsere Sorgen anvertrauen. Er passt auf, dass wir sicher am Ende der Straße ankommen.

In der Bergpredigt sagt Jesus: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen (Mt. 6,34). Gott geht den Weg mit uns auf der Straße bis zur Normalität. Ich habe keine Zweifel, dass sowohl der Weg als auch das Ziel unter Gottes Segen stehen.

Und wer weiß, vielleicht können wir aus dieser Zeit der Pause, der Stille, des Innehaltens auch etwas Positives für uns mitnehmen, jeder für sich das, was er braucht.

Ich hoffe sehr, dass wir alle, unsere Familien, Freunde und Menschen, die uns wichtig sind, gesund bleiben. Möge Gott uns Kraft, Zuversicht und Hilfe schenken, in dieser ungewöhnlichen Zeit.

Und so lege ich nun meine Hand in eure Hand. Gott segne euch. Bis bald, in der Normalität!

Ihre Kerstin Grusemann-Wahl,
Prädikantin in der Kirchengemeinde Apen

 

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