Andacht für den 31. März 2020 – Dorothee Testa (Zwischenahn)

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Unterwegs zu guten Gedanken

„Herr, wohin sollen wir gehen?“, die Worte des Petrus (Johannes 6, 68) gehen in diesen Tagen vielleicht vielen von uns durch den Kopf. Es ist nicht die Frage, ob ich nach draußen oder auf den Balkon, in den Park oder zum Einkaufen gehe. Es ist die Frage in uns, wo gehe ich hin mit meinen Gedanken, mit meinen Sorgen und Ängsten, mit meinem Bedrückt-sein und den täglichen Nachrichten, die sich auf meine Seele legen? Wo gehe ich hin mit meiner Ratlosigkeit, mit dem Gefühl der Ohnmacht und der Überforderung angesichts der Lebens- und Arbeitsveränderungen? Für Petrus ist das keine echte Frage, denn er liefert die Antwort an Jesus gleich mit „Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“.

Ganz einfach. Ganz klar. Es gibt nur den Weg mit Jesus Christus. Es gibt nur das Leben mit ihm. Da gibt es gar keinen Zweifel.

Aber wer die Geschichte des Petrus kennt, weiß, dass das auch für ihn nicht immer so ganz eindeutig und sicher sein wird.

Und heute?

Da ist es auch nicht so ganz einfach mit dem Glauben und unserem Vertrauen in Gottes Liebe. Das Regal im Supermarkt mit der Aufschrift „Glaube“ gibt es nicht. Es wäre auch schon lange leergeräumt. (Und es wäre das einzige leere Regal, für das ich in diesen Tagen Verständnis hätte!)

Und diejenigen von uns, die denken, sie haben den Glauben sicher in ihrem Lebensgepäck, müssen immer wieder feststellen, dass es Zweifel gibt, Zeiten, in denen wir Gott weit weg wähnen oder uns selbst weit von ihm entfernen. Nein, so einfach ist das nicht mit dem Glauben!

Aber soll uns in diesen Tagen die Angst beherrschen? Soll die Sorge über unser Leben bestimmen? Wollen wir all den düsteren Nachrichten, Gerüchten und Meldungen Tür und Tor öffnen? Ich erlebe in Gesprächen und Begegnungen (auf Abstand, selbstverständlich!), wie diese zentnerschwere Seelenlast in den letzten Wochen um sich greift und Menschen nahezu besetzt.

Ich will dagegenhalten! Ich will meinem Glauben, meinem Gott Platz geben in meinem Denken und Tun und daraus Zuversicht und Kraft schöpfen! Ich suche nach Wegen gegen das Dunkel. Also zünde ich jeden Abend um 19 Uhr eine Kerze an und stelle sie ins Fenster. Ich singe für mich, für alle nahen und fernen Menschen und gegen alle Sorgen und Ängste das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, („Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen“ heißt es in der Strophe 5), und dann spreche ich laut mit meinem Gott. Ich danke für das Gute (wie viel es da doch gibt!), ich bitte für meine Lieben, die ich im Moment nicht sehen und in die Arme nehmen kann, ich bitte für diese Welt, für ein Miteinander und Füreinander und lege mit dem Vater Unser alles in Gottes Hand. Am Ende ermutigt mich ein Segenswort.

Wie gut das tut, alles aus der Hand zu legen! Viele zünden in diesen Tagen um 19 Uhr das „Licht der Hoffnung“ an, und ich spüre eine tiefe Verbundenheit. Ich weiß, wir sind füreinander da im Gebet. Und über uns allen steht Gott mit seiner Liebe.

Ich lösche das Kerzenlicht.

Und dann fragt mich Gott: „Kommst du mit?“ und ich frage „Wohin?“. Und Gott lächelt, legt seinen Arm um mich und antwortet: „Auf gute Gedanken!“

Fühlen auch Sie sich geborgen in den Armen Gottes und ermutigt, seiner Liebe und dem Leben zu vertrauen.
Dies wünscht Ihnen                  

Ihre Pastorin Dorothee Testa

 

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