Andacht für den 01. April 2020 – Stephan Bohlen (Edewecht)

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Der Segen der Klarheit und Entschiedenheit 

 

Das hätte er nicht gedacht. Klar, er war kein unbeschriebenes Blatt. Hatte schon das eine oder andere auf dem Kerbholz. Aber – mal ehrlich – wer hatte das nicht. Jeder hat doch schon mal das eine oder andere Ding gedreht. Sich hier und dort nicht so ganz sauber verhalten.
War nicht fair mit dem anderen umgegangen, sondern hatte nur den eigenen Vorteil im Blick und hatte dann schnell zugegriffen, wo es Gewinn versprach, auch wenn andere dann eben nicht zum Zuge kamen. So ist halt das Leben. Und wer zu spät kommt, …

So bin ich halt. So sind wir Menschen halt. Keiner von uns ist ohne Schuld. Später sollte diese wenig anrührende Erkenntnis einer Frau das Leben retten. Da hatten die Apostel männlicher Machtmoral ganz schnell die Steine wieder fallen lassen, die sie eigentlich auf jene Dame hatten werfen wollen. Der andere Mann, der einfach nur dasaß und mit den Fingern im Sand malte, hatte ihrem Tun Einhalt geboten. Ganz schlicht und einfach: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein… (Joh 8,2ff)

Jetzt aber waren noch andere Zeiten. Jetzt hieß es: Der oder ich. Hier wurde mit anderen Bandagen gekämpft. Aber richtig. Wie aus dem Nichts war der Andere aufgetaucht. Hatte sich ihm entgegengestellt. Die Nacht war schon im Schwinden. Der Fluss musste noch überquert werden. Und da stellt sich dieser Typ in den Weg. Schnell wurde es handgreiflich. Und so lagen sie nun im Kampf. Hart. Unerbittlich. Keiner wollte nachgeben. Konnte nachgeben.
Und so rangen sie. Stunde um Stunde. Irgendwann bekam er einen harten Schlag ab, der ihm die Hüfte verrenkte. Das war´s. Noch nicht ganz. Denn auch wenn er nun für sein Leben gezeichnet war, wollte er nicht von dem anderen lassen: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Gen 32,27)

Mitunter steht einem etwas im Weg. Da geht es ohne Kampf nicht weiter voran. In der Regel sind wir selber es, die uns da im Weg stehen: Liebgewonnene Angewohnheiten, Marotten, die verfluchte Bequemlichkeit, falscher Stolz, Überheblichkeit, Ignoranz und Dummheit, ein mitunter eingeschränkter Horizont, Unvermögen, Mutlosigkeit, verlogene Träume – und dergleichen mehr liegen uns dann im Weg. Sich darüber hinwegzusetzen, ist nicht einfach. Da ist Konfrontation und Kampf angesagt. Und das ist anstrengend, das kann dauern, und das hinterlässt Spuren. Aber hinterher sind wir ein anderer Mensch. Gewinnen die Wege, die wir gehen, eine neue Qualität.
Der da damals bis zur Morgenröte mit dem Anderen gerungen hat, war Jakob. Er erhielt am Ende einen neuen Namen und wurde gesegnet. Vielleicht sind Zeiten wie die, die wir im Moment zu durchschreiten haben, mit ihren Herausforderungen, mit den Auseinandersetzungen und Kämpfen, die sie beinhalten können, für uns der Punkt, der uns zur Entscheidung zwingt. In privaten Dingen, im Beruf, im Freundeskreis, in Familie und Nachbarschaft – aber auch in Glaubensdingen. Vielleicht ist das die Chance, sich auseinanderzusetzen und zu entscheiden. Das ist nicht angenehmen. Das strengt an. Das tut weh. Aber es kann Segen darauf liegen – auch der Segen der Klarheit und Entschiedenheit.

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesegnet!

Ihr Pastor Stephan Bohlen

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