Andacht für den 14. April 2020 – Tessen von Kameke (Zwischenahn)

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Was jetzt wichtig ist

 

„Zuhause bleiben. Möglichst wenig direkten Kontakt mit anderen. Und wenn, dann nur mit Abstand. Keine Hand geben, keine Berührungen. Besonders bei Älteren oder bei denen mit Vorerkrankung.“
Da ist man sich noch weitgehend einig. Ab dann aber gehen die Meinungen schon auseinander.

„Sich bevorraten – wer weiß, was kommt.“ „Nein, es ist genug da.“ „In den Supermarkt nur noch mit Maske und Handschuhen.“
„Ach was, Masken nützen gar nichts. Masken und Desinfektionsmittel lieber den Krankenhäusern geben.“ „Überhaupt, die ganzen Maßnahmen sind nicht streng genug, besser eine richtige Ausgangssperre.“ „Von wegen, die Wirtschaft kann das gar nicht aushalten. Die müssen wir wieder hochfahren.“ „Andere Länder haben es viel schneller, konsequenter, besser, langsamer, unvorbereiteter, schlechter gemacht …“
Und schon melden sich auch die zu Wort, die das ja auch schon von Anfang an gesagt haben: „Gleich zu Beginn hätte man sollen …“

Alle sind zu Experten geworden. Jede und jeder hat wieder was gehört, hat noch eine neue Idee, eine andere Meinung. Vielleicht steckt eine Sorge dahinter, das Unbegreifliche mit Fakten in den Griff bekommen zu wollen.
Aber auch wenn wir noch so viel wissen: Wir stehen doch da, wenn wirklich einer um sein Leben bangt.

Paulus schreibt: „Selbst, wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ (1Kor 13,2)

Vielleicht klingt das „nichts“ zu hart, aber es schärft ein, dass es doch eigentlich um was ganz Anderes geht. Machen wir uns nichts vor: Was einen wirklich beeindruckt, sind nicht die Spezialisten und Rechenkünstler, sondern die, die mit ganzem Herzen da sind, wo sie gebraucht werden: die in den Krankenhäusern ihren Dienst tun, die uns versorgen mit den Gütern des Lebens, die bei der Ernte helfen, in den Supermärkten, die in den Heimen die Alten, die Behinderten, die Angewiesenen nicht allein lassen, die gerade jetzt in den Beratungsstellen ansprechbar sind, die auf Kinder aufpassen, Sterbende begleiten, Nachbarschaftshilfe leisten, die teilen, was sie haben – vielleicht ihre Zeit …

Was uns wirklich bewegt, sind nicht Theorien und Strategien. Was uns wirklich bewegt, sind Menschen, die das, was sie tun, aus Liebe tun.
Einfach nur, weil sie sich geliebt wissen und gar nicht anders können, als davon weiter zu geben.

Was jetzt wichtig ist?
Paulus schreibt: Die Liebe erträgt, glaubt und hofft. Und: Die Liebe hört niemals auf. – Jetzt ist Osterzeit. Und Ostern bedeutet eigentlich nichts Anderes als: Gottes Liebe ist stärker! Und wirkt weiter. Der Weg ist jetzt frei.

Frei, Liebe zuzulassen. Als Beispiel zum Schluss ein Ausschnitt aus einem Brief, den ich lesen durfte. Von einer Frau aus unserer Gemeinde, die viele Jahre Menschen mit Besuch und Liebe beschenkte und jetzt im Alter selbst zur Beschenkten geworden ist. Sie schreibt: „Ihr lieben Leute alle miteinander! Es ist Zeit, seine Segnungen zu zählen … Und das tue ich ausgiebig und von Herzen dankbar. Was für ein wundervoller Anblick wart Ihr mit eurer üppig gefüllten Obsttasche (und oben drauf ein Gruß: Matth. 11,30). … Ich schicke Euch einen Sack voll Aufmerksamkeitswünsche mit vielen lieben Grüßen.“

So wurde nicht nur sie beschenkt, sondern auch die Geber – und ich.
Die Liebe erträgt, glaubt und hofft. Wer ihr Raum gibt, erlebt Wunderbares. Gerade jetzt.

Und das soll unser Antrieb sein – und unser Trost:
Die Liebe hört niemals auf.

Ihr Pastor Tessen von Kameke

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