Andacht für den 16. April 2020 – Friedgard Möllmann (Wiefelstede)

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„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden…“

Haben Sie ein Gesangbuch zu Hause? Unter den vielen schönen Osterliedern darin ist mir eines gerade in diesem Jahr besonders wertvoll:

„Auf, auf, mein Herz, mit Freuden,
nimm wahr, was heut geschieht;
wie kommt nach großem Leiden
nun ein so großes Licht!

Das ist mir anzuschauen
ein rechtes Freudenspiel;
nun soll mir nicht mehr grauen
vor allem, was mir will
entnehmen meinen Mut
zusamt dem edlen Gut
so mir durch Jesus Christ
aus Lieb erworben ist.“ (EG 112)

Paul Gerhardt dichtete dieses Lied im 17. Jahrhundert zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Damals war der Glaube durch ein schweres und gefährdetes Leben stark herausgefordert. Das Leben war von klein auf großen Gefahren ausgesetzt, durch Gewalt, Hunger und Seuchen war der Tod allgegenwärtig.

Davon können wir auch in diesem Jahr ein Lied singen, wir sehen mit Schrecken entsprechende Bilder in den aktuellen Nachrichten.
Paul Gerhardt weiß: Sie sind zunächst einmal eine Gegebenheit, schmerzvoll und erschreckend; und es hilft nichts, sich dagegen zu sträuben. Vielmehr gilt es nun, nach etwas Verlässlichem Ausschau zu halten: „Auf, auf, … nimm wahr, …“
Paul Gerhardt lädt mich mit seinem Lied ein, die Blickrichtung zu ändern, nicht in Mutlosigkeit zu versinken, sondern mich ermuntern zu lassen. Denn das Osterwunder, Jesu Auferstehung, schenkt mir einen neuen Blick auf mein Leben: „…wie kommt nach großem Leiden nun ein so großes Licht! … Das ist mir anzuschauen ein rechtes Freudenspiel …“

Wenn ich auf den Auferstandenen blicke, werde ich fröhlich, mein Leben wird hell. Wie kann das sein, was hat Jesus Christus denn gemacht? Woraus entspringt denn solch ein Mut, allen Schreckensbildern zum Trotz? Er hat, so singt das Lied, all die Mächte besiegt, die mir Grauen einflößen. Er hat den Tod besiegt: „Nun soll mir nicht mehr grauen…“

Und diese Auferstehung geschieht genau heute: „Nimm wahr, was heut geschieht!“ Darauf weist mich Paul Gerhardt hin: Auferstehung geschieht heute. Christus steht heute von den Toten auf und nimmt mich mit. Denn ich bin ja heute schon im Glauben mit dem Auferstandenen verbunden, ich sehe ihn und mich als Einheit, ich folge ihm nach.

Diese österliche Blickrichtung kann mein Leben prägen. Ich bekomme neuen Schwung, wenn ich mit Christus lebe. Ich werde von seiner Fröhlichkeit durchdrungen.
Dieses Osterlied möchte auch Ihren Blick, liebe Leser oder Hörer dieser Andacht, heute auf das Osterlicht richten. Zünden Sie Ihre Osterkerze ruhig noch einmal an!

Ostern lebt vom Licht. Dieses Licht will Ihren Weg prägen, Ihren Weg zu Ihrem eigenen Ostern. Wir, die wir seit unserer Taufe von österlichem Licht bewohnt sind, wir dürfen und wir sollen uns an dem freuen, was uns mit Ostern geschenkt ist. Lassen wir unser Leben von der Freude dieses Lichtes erhellen und erwärmen. Reichen wir dieses Licht weiter an die Menschen um uns herum, damit auch sie von der großen Osterfreude leben können.

Ihre Pastorin Friedgard Möllmann

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