Andacht für den 21. April 2020 – Petra Adomeit (Zwischenahn)

 

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Entdeckungen

„Corona, Corona, Corona, jeden Tag nur Corona, ich mag das nicht mehr“, schrieb mir ein Freund.
„Wir werden zu sehr damit gefüttert, das macht einen ganz fertig“, sagte eine Freundin.
Sie sprechen mir aus dem Herzen.

Es ist wahr: Zeitung, Nachrichten, Sondersendungen – die Medien sind voll davon. Ist es doch auch das Thema, das gerade obenauf liegt, an dem wir alle nicht vorbeikommen, ob wir wollen oder nicht. Mit Spannung haben wir auf die Erklärung der Bundeskanzlerin am letzten Mittwoch gewartet – manch einer hatte sich schon eine Aufhebung der Maßnahmen erhofft. Doch trotz kleiner Lockerungen – die Kontaktsperre bleibt bestehen. Wir müssen weiter durchhalten.
So nervig das alles ist; ich möchte nicht resignieren und mir nicht immer nur vor Augen halten lassen, was alles nicht geht. Will mich nicht damit zufriedengeben, dass gerade alles nur schlecht ist.

Meine Welt besteht schließlich doch nicht nur aus Corona. Also setze ich mich jetzt erstmal hin und schaue, was passiert…

Den Gedanken nachhängen.
Was wohl die Freunde und Freundinnen gerade so machen? Wie es all den lieben Menschen geht, die man so lange nicht gesehen hat? Wie lange das alles noch dauern wird? Ohne unser Zutun ist die Zeit vorangeschritten.

Zur Ruhe kommen.
Keine Freizeitaktivität tun zu müssen – nicht nach Feierabend noch Zumba/Yoga/Bauch-Beine-Po-Kurse besuchen oder ins Fitnessstudio gehen zu müssen. Einfach mal faul sein dürfen, ohne sich einen dummen Kommentar anhören zu müssen: „Was, du machst keinen Sport?“
Auch das Wochenende ist gerade nicht mehr so verplant wie sonst.
Ohne unser Zutun steht die Welt auf besondere Weise still.

Hinsehen.
Schauen, wie in der Natur alles aufbricht: die zarten Blüten in vielen schönen Farben; das Gras, plötzlich gewachsen und ganz grün; die Graureiher, die in den Kronen der Bäume ihre Nester bauen. Ohne unser Zutun ist es Frühling geworden.
Das, was geht, genießen: Den täglichen Spaziergang, den Garten; Post von lieben Menschen – per Mail, per WhatsApp oder sogar wieder als Brief oder Karte handgeschrieben (wie schön!); die Videokonferenz mit Kolleg*innen; die Kinder, denen am Studienort die Decke auf den Kopf fällt und die darum Zuhause sind; das Buch mal etwas schneller als sonst zu Ende lesen zu können; mehr Zeit zum Kochen zu haben oder für all das, was sonst immer liegenbleibt; die Sonne, die uns gerade so verwöhnt.
Ohne unser Zutun bekommen wir auch in dieser Zeit ganz viel geschenkt.

Hinhören.
Hören, wie die gute Nachricht sich ausbreitet, die Nachricht von Jesu Auferstehung. Noch einmal nachspüren, wie das damals gewesen ist. Das Unfassbare ins Herz lassen – glauben…

Die Geschichte mit dem leeren Grab – ausgerechnet Frauen haben das leere Grab gefunden. Das muss wirklich so gewesen sein, denn so etwas hätte damals niemand erfunden. Frauen galten als unzuverlässige Zeuginnen. Wenn man so eine Geschichte erfunden hätte, dann hätte man erzählt, dass Männer das leere Grab gefunden haben. Und dass Männer, Evangelisten, das dann auch noch aufgeschrieben haben – ein doppelter Beweis.

Nach dem ersten Erschrecken kam die Freude, und dann verbreitete sich die gute Nachricht in aller Welt: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja! Bis zu uns ist diese Freude über die Ereignisse jenes Ostermorgens gekommen. Die Freude über das leere Grab verbreitet sich weiter – sie lässt sich nicht aufhalten, auch nicht durch Corona.

Ohne unser Zutun ist es Ostern geworden.

Entdeckungen.
Es sind die vielen kleinen Zeichen, die Hoffnung geben, dass letztendlich das Leben siegt und nicht der Tod.

Auch wir alle werden wieder neu ins Leben gehen.

Ihre Pastorin Petra Adomeit

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