Andacht für den 22. April 2020 – Florian Bortfeldt (Idafehn)

 

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Hoffnung

Gerade hat es die Bundeskanzlerin noch einmal gesagt: „Die Krise ist noch nicht vorbei, wir sind noch lange nicht über den Berg.“ Andere ergänzen: „Wenn wir jetzt nicht aufpassen und leichtsinnig werden, gehen wir auf einem sehr schmalen Grat“

Ungefähr, um im Bild zu bleiben, so schmal wie der Weg auf dem Foto, aufgenommen auf dem Gipfel des Kinnekulle in Mittelschweden. Er wurde gebaut, um beim Wandern nicht im Morast zu versinken.

Wir werden also damit leben müssen, auch in den kommenden Wochen und leider wohl auch Monaten folgende Begriffe noch oft zu hören zu bekommen: Das Virus, Ansteckung, Mundschutz, Desinfektion, Abstand, Versammlungsverbot, Beatmung, Genesung und viele weitere mehr. Ein Wort breitet sich in dieser Zeit zum Glück aber wohl noch stärker aus als das Virus selbst, nämlich Hoffnung. Die Hoffnung gibt vielen von uns Kraft, diese Tage besser zu überstehen. Es ist die Hoffnung, nicht schwer krank zu werden, bald wieder so etwas wie Normalität zu erleben und dass schließlich wieder bessere Zeiten für uns alle einkehren.

Dabei ist es nicht so leicht zu hoffen, schon im normalen Leben nicht und erst recht nicht in Coronazeiten. Dies wird deutlich an der Definition von Hoffnung, die z.B. der Apostel Paulus im Römerbrief gemacht hat:

Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld (Römer 8,24-25).

Paulus meint damit, dass die Rettung von Sünde und Tod durch Kreuz (Karfreitag) und Auferstehung (Ostern) Jesu Christi für uns schon geschehen ist, dass aber die sichtbare Vollendung dieser Rettungstat für uns noch aussteht. Auf sie dürfen wir aber mit fester Zuversicht hoffen, brauchen dazu aber Geduld. Geduld und Hoffnung gehören also zusammen wie zwei Seiten einer Medaille.

Auch in Bezug auf die Coronakrise sehen wir noch nicht das, auf was wir jetzt hoffen, nämlich die oben erwähnte Normalität, zu der z.B. auch gehört, geliebte Menschen endlich wieder in den Arm nehmen zu dürfen, einen Gottesdienst besuchen, wieder in ein Café gehen oder sein Geschäft endlich wieder oder wieder richtig öffnen zu dürfen. Wenn aber unsere Hoffnung mit Geduld gepaart ist, dann werden wir diese Tage besser überstehen. Grund unserer Hoffnung sollte dabei allerdings nicht nur die erwünschte „Herdenimmunität“ oder der ersehnte Impfstoff sein, sondern das Vertrauen, dass es Gott auch in schweren Zeiten gut mit uns meint und dass alles seine Zeit hat (vgl. Prediger Salomo 3).

Die Zeit nach dem Virus wird kommen und dann werden wir hoffentlich dankbar sein, dass wir diese Zeit überstanden haben. Nicht ohne dann derer zu gedenken, die sie leider nicht überstanden haben, die aber trotzdem in Gottes Liebe geborgen sind und bleiben. Und, und auch darauf dürfen wir hoffen, dass wenigstens ein Teil des Positiven, was wir auch in diesen Tagen erleben dürfen, nämlich wunderbare Zeichen gelebter Nächstenliebe, sauberere Luft, weniger Hektik und vieles andere mehr uns erhalten bleiben. Ein frommer Wunsch? Vielleicht. Aber wie heißt es doch so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“.

Der Wochenspruch für diese Woche nach dem Sonntag „Quasimodogeniti“ (1.Sonntag nach Ostern) sagt dazu auch etwas:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1.Petrus 1,3)

Also, bitte die Hoffnung nicht aufgeben.

Es wird sich lohnen!

Ihr Pastor Florian Bortfeldt

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