Andacht für den 26. April 2020 – Sabine Feuerhake (Reekenfeld)

 

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„Ich bin doch kein Schaf!“

Die Konfis schauen mich schief an. „Ich bin doch kein Schaf!“, sagt einer. Die anderen nicken. Jetzt ist es an mir, zu antworten.

Vielleicht haben Sie es sich schon gedacht: In der Konfirmandenstunde wird wohl gerade über Psalm 23 und darin über das Bildwort des guten Hirten gesprochen. Für sehr viele Menschen ist das immer noch ein sehr vertrautes Bibelwort: Jesus spricht: „Ich bin der gute Hirte.“ (Johannesevangelium 10,11). Da gehört schon etwas Lebenserfahrung dazu, da kann frau und man berichten, wann sie und er sich behütet gefühlt hat. Worauf es im Leben ankommt – dass Menschen vertrauen können. Vertrauen ist Leben! Sich selbst zu vertrauen und auch anderen, oder ins Leben Vertrauen zu haben – da kommt ganz schön was zusammen. Ich erlebe oft intensive Gespräche dazu. Solche Gespräche, in denen sich Menschen Nähe erlauben und sich einander zuwenden. Manches Mal sind wir dann selbst erstaunt darüber, welches Vertrauen und wieviel Nähe gerade möglich war.

Konfis sehen erstmal das, was vor Augen ist. Ein Hirte ist ein Hirte und dazu gehören Schafe oder andere Tiere. Schwieriger wird es schon, was den Beruf des Hirten ausmacht. Denn wo gibt es in Deutschland noch Hirten? In Landschaftschutzgebieten, z.B. in der Lüneburger Heide oder im Rhöngebirge. Also: unbekannt, was so ein Hirte macht und wozu! Der Konfi staunt bestenfalls. Oder denkt sich seinen Teil, weil es gerade über Landwirtschaft und Tierhaltung geht!
Einige Generationen zurück, wäre das kein Thema gewesen. Mein Stiefvater war Ziegenjunge bis er in die Schule kam. Was so ein Hirte alles verantwortet und sehen muss bei seinen Tieren, das war ihm wohl bekannt.

Und was hab‘ ich nun geantwortet? Unser Gespräch ging darin weiter: Wem ich vertrauen kann? Und wem ich mich anvertraue und wem ich folgen möchte? Und darüber, dass Kids es erleben, wer es gut mit ihnen meint, oder wo falsche „Hirten“ versuchen, Menschen zu vereinnahmen.

„Ich bin der gute Hirte“ – heute ist der Sonntag zu diesem Evangelium und in vielen Kirchen wäre heute Konfirmationsfest. Das wird heute nicht möglich sein. Aber sich selbst oder mit anderen zu erzählen, wem ich vertrauen kann und worauf ich mein Vertrauen setze, das ist ja eigentlich nicht nur ein Sonntags- oder Konfirmationsthema, sondern ein Lebensthema.

So wie es mit vielen Sprachen und Menschenstimmen die Bibel immer wieder neu spricht: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Psalm 23,1

In diesem Sinne wäre es für mich okay zu sagen: „Ich glaube und vertraue auf meinen guten Hirten!“ Naja, im Grunde ein bisschen schon, wie ein Schaf es auch tut! ☺

Ihre Pastorin Sabine Feuerhake

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