Andacht für den 28. April 2020 – Gundolf Krauel (Rastede)

 

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Innere Nähe trotz körperlicher Distanz

„Lassen Sie uns Abstand halten und damit umso mehr Zusammenhalt zeigen!“ Mit diesem Satz grüßte mich ein früherer Konfirmand in einer Mail zu Ostern. Was ein 22jähriger Studierender so treffend formuliert hat, empfinde ich seit Beginn dieser Zeit voller Kontaktsperre und körperlicher Distanz zu den Mitmenschen ganz besonders intensiv:

Anstelle der von mir so geliebten und gerne durchgeführten Hausbesuche bei den Menschen unserer Kirchengemeinde sind es nun Telefonate oder E-Mails, durch die der Kontakt aufrechterhalten wird.

Das für meinen Beruf als Pfarrer so Entscheidende vermisse ich seit Mitte März wirklich sehr.

Ich darf zum Beispiel der 90 Jahre alt gewordenen Dame nicht in ihrem Haus gratulieren, das sie mit ihrem Mann bewohnt, der im Dezember sogar seinen 100. Geburtstag feiern möchte.

Ich muss dem Paar am Tag der Goldenen Hochzeit die Urkunde und das Buchgeschenk aus einer etliche Meter umfassenden Entfernung vorlesen, bzw. auf den Gartentisch vor dem Haus legen.

Diese Zeit ist wirklich „spooky“, das bedeutet: gespenstisch, wie es eine gute Bekannte beschrieben hat.

Es ist eine Zeit, die so ganz anders ist, als alles, was ich in meinen bisherigen 57 Lebensjahren erlebt habe: mir waren schon als Kind der persönliche Kontakt und das direkte Gespräch „Auge in Auge“ (also: „face to face“) sehr wichtig.

Ich habe mich schon immer sehr über die Möglichkeit der verbalen Kontaktaufnahme zu den Mitmenschen gefreut:

Zu den Spielkameraden auf dem Spielplatz oder im Sportverein;

den Freunden in der kirchlichen Jugendgruppe oder der Clique in der Schule;

den Kommilitonen während des Studiums;

den Kindern, Konfirmanden*innen, Brautpaaren, Taufeltern oder Senioren in den Kirchengemeinden, in denen ich tätig war oder heute bin;

den Teilnehmer*innen der Gottesdienste oder der Andachten in den Kirchen und Kapellen.

Umso mehr bin ich dankbar, dass es in der aktuellen so krisenhaften Zeit wenigstens möglich ist, im kleinsten Kreis der Familie mit bis zu zehn Personen auf den Friedhöfen in Wahnbek, Rastede oder Ohmstede bei einer Trauerandacht gemeinsam Abschied zu nehmen von einem verstorbenen Menschen durch das Hören auf das Wort Gottes aus dem Alten und Neuen Testament, durch das gemeinsame Beten und durch die Zusprache des wunderbaren Segens unseres Gottes.

Dort spüre ich die zu Beginn zitierten Worte des Ex-Konfirmanden ganz besonders:

Lassen Sie uns Abstand halten und damit umso mehr Zusammenhalt zeigen.

Ich wünsche Ihnen und Euch, den Menschen in den zehn Kirchengemeinden unseres Kirchenkreises Ammerland, oder wo auch immer Sie es gerade lesen, dass Sie und Ihr trotz aller körperlichen Distanz die starke innere Verbindung mit für Sie und Euch wertvollen und wichtigen Menschen gerade jetzt erfahren und erleben dürft.

So zeigt es auch das wunderbare Bild zweier Menschen um das Kreuz herum.

Es stammt aus der Klosterkirche Bursfelde bei Hannoversch Münden.

 

Seien Sie und Ihr behütet durch die Gnade unseres Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Ihr Pfarrer Gundolf Krauel

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