Andacht für den 07. Mai 2020 – Peter Kunst (Apen)

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Sich belehren lassen

Geht es Ihnen auch so: Nach den vielen Tagen der Einschränkungen durch die Corona-Krise freue ich mich über die ersten Lockerungen und ich zähle die Tage, bis wir endlich wieder Gottesdienste in den Kirchen und Kapellen feiern dürfen. Noch drei Tage! Sicher, wir haben alle Verständnis für die aktuelle Situation, aber es waren viele Tage ohne das „Normale“. Und ich spüre bei ganz vielen Menschen eine aufkommende Ungeduld und Unzufriedenheit ganz nach dem Motto: Es muss doch endlich wieder alles seinen normalen Gang gehen. Wir können und wollen nicht länger mit diesen massiven Einschränkungen leben. So richtet sich der Blick deutlich voller Zuversicht nach vorne. Wie wird es werden, wenn vieles wieder geht?Beim Blättern durch meinen zur Zeit noch recht übersichtlichen Kalender richtet sich mein Blick bereits auf die kommenden Wochen und Monate. Es geht in den Sommer, eigentlich in die Ferien- und Urlaubszeit. Die helle, sonnige und vielleicht auch wieder viel zu trockene Jahreszeit liegt vor mir. Wie lässt sich in diesem Jahr diese Zeit gestalten? Der Frühling ist einfach so dahingegangen, man war kaum draußen, konnte das Grünen und Blühen kaum genießen. Ich möchte etwas von diesen Tagen des Wachsens und Gedeihens mitnehmen in die kommende Zeit, möchte davon etwas mehr umsetzen und wieder Neues wachsen lassen in der Gemeinde, im Miteinander der Menschen.

„Unsere Tage zu zählen – das lehre uns, Herr!“ Das wird für mich nötig sein! „Lehre uns!“ darin liegt für mich die Hoffnung, denn Lehren bedeutet doch: gezeigt und erklärt bekommen. Zu verstehen lernen, welchen Sinn die Tage der Krise und der Einschränkungen haben, gerade auch, wenn es auf unser ganzes Leben gesehen doch nur eine recht kurze Zeit gewesen ist.

„Lehre uns!“ Das hat zu tun mit „sich belehren lassen“, und ich weiß – nicht nur aus der Schulzeit – wie unbequem das sein kann. Dennoch, vielleicht hilft es, dass durch Gottes „Lehren“ uns das Leben mit all seinen unterschiedlichen Tagen nicht fremd wird, sondern bekannt bleibt: die dunklen und trüben Tage genauso wie die hellen und unbeschwerten Tage, das Aufblühen und das Vergehen, Gesundheit und Krankheit, Freiheit und Einschränkung.
Letztlich liegen all unsere Tage in Gottes Hand, sind umfangen von seiner Liebe zu uns. Doch Gottes Liebe in den dunklen Tagen des Lebens zu erkennen, fällt mir manchmal sehr schwer. Darum: „Lehre uns!“ Ich möchte es als Bitte aussprechen, damit ich bewahrt bleibe vor Täuschung und Enttäuschung in diesen Zeiten. Lass mich erkennen, dass alles – Licht und Dunkelheit – zum Leben gehört und das jeder Tag beides bereithalten kann.

Sie spüren vielleicht, dass diese Worte nicht voller Begeisterung klingen. Sie strahlen nicht wie die Sonne des kommenden Sommers. Aber ich schreibe sie voller Hoffnung für die kommenden Tage. Ich will mich gerne belehren lassen, alle meine Tage zu zählen. Geht es Ihnen auch so? Dann können wir alle gemeinsam in die Gestaltung der Zukunft ein weises Herz einbringen. Dazu helfe uns Gott.

Ihr Pastor Peter Kunst

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