Andacht für den 08. Mai 2020 – Christoph Müller (Rastede)

 

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Vor 75 Jahren …

Heute vor 75 Jahren ging in Europa mit der deutschen Kapitulation der Zweite Weltkrieg zu Ende. Eine schreckliche Zeit lag hinter den Menschen. Die Kriegshandlungen und der Terror der Nationalsozialisten hatten vielen Millionen Menschen das Leben gekostet. Vielen ging es zuletzt nur noch darum, sich irgendwie durchzuschlagen. Nun wussten die Menschen: weitere Kampfhandlungen, nächtliche Alarme und Zerstörungen würde es nicht mehr geben. Doch wie würde es weitergehen? Die Menschen ahnten, dass noch sehr schwere Zeiten bevorstanden. Denn alles lag am Boden. Das Schicksal vieler Menschen, die vermisst wurden, war ungewiss. Die Folgen aller geschehenen Grausamkeiten wurden erst nach und nach im vollen Ausmaß bekannt. Doch zwischen all dem Schlimmen keimte doch auch die Hoffnung auf, dass nun etwas Neues beginnen konnte. Heute können wir dankbar darauf zurückblicken, dass dies geschehen ist. Vor allem: dass wir in weiten Teilen Europas seitdem von kriegerischen Handlungen verschont geblieben sind.

Die Krise, die wir in diesen Wochen und Monaten durchmachen, ist der erste schwerwiegende Einbruch in den gewohnten Lauf des Lebens in unserem Land und vielen anderen Ländern, seitdem sich die Wogen des Krieges und der Nachkriegsjahre gelegt hatten. Zum ersten Mal stehen wir wieder in einer Situation, in der vieles, was uns selbstverständlich schien, innerhalb kurzer Zeit außer Kraft gesetzt worden ist. Das schafft viele Unsicherheiten und Ängste. Manche Pläne und Wünsche müssen aufgegeben werden. Dazu bei nicht wenigen die Sorge um das eigene Leben und das Leben lieber Menschen. Und dass um den Schutz des Lebens willen auf die Nähe lieber Menschen verzichtet werden muss, tut besonders weh und ist für viele kaum noch zu ertragen.
Ein Endpunkt wie damals das Kriegsende ist im Augenblick noch nicht in Sicht, auch wenn es zu ersten Lockerungen der Verbote kommt. Wir wissen: Es stehen noch schwierige Zeiten bevor. Für nicht wenige unter uns geht das Bangen um eine gesicherte Zukunft weiter. Und für manche auch das Bangen um liebe Menschen.

Doch auch in diesen Tagen gibt es Hoffnung. Einmal rein menschlich gesehen die Hoffnung, dass bessere Therapiemöglichkeiten für Erkrankte und eines Tages auch ein Impfstoff gefunden werden mögen. Dazu die Hoffnung, dass die Solidarität und Hilfsbereitschaft unter Menschen, die an vielen Stellen in diesen Wochen gewachsen ist, über die unmittelbare Krise hinaus Bestand behält. Und nicht zuletzt die Hoffnung, dass Erkenntnisse, die in der Ausnahmesituation gewonnen wurden, für den Neuaufbau nach der Krise nutzbar gemacht werden – zum Wohl der Menschen wie der Umwelt. Nicht zu vergessen: auch für den Frieden, den wir schon so lange haben, der aber alles andere als selbstverständlich ist. Freilich bedarf es dazu der Bereitschaft, neue Wege zu gehen wie seinerzeit nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges.

Hoffnung und Ermutigung für den Weg in eine gute und verantwortbare Zukunft gibt uns Gott in vielen seiner Worte im Alten und Neuen Testament. An dieser Stelle ein Wort, das er durch den Propheten Jeremia in schwerer Zeit zu den Menschen gesagt hat: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29,11)
Auf Gottes Gedanken des Friedens können wir bauen.

Bleiben Sie behütet!

Ihr Pastor Christoph Müller

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