Andacht für den 09. Mai 2020 – Achim Neubauer (Edewecht)

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„… die Nerven liegen blank“

Es wird nicht einfacher, wahrlich nicht. Immer stärker stellt sich die Frage nach einer Perspektive. Wann können wir das Fest feiern? Die „es-ist-überstanden“ Party? Meine Geduld hat jedenfalls ihre Grenzen; und: Wenn wir wenigstens einer Meinung wären, was denn jetzt angebracht ist. Abwarten oder handeln? Machen lassen oder verharren?

Ich habe mich gefreut, als es hieß, dass ab morgen wieder Gottesdienste möglich sein werden. Aber die Bedingungen auf die sich die Kirchen, die Gemeinden da einlassen … es ist doch zum Heulen. Kein Gesang, kein Händedruck beim Friedensgruß, kein Abendmahl, kein Schnack vor der Kirchentür, das Gesicht, die Mimik nur schwer unter der Mund-Nase-Maske zu erkennen, nicht länger als 30 Minuten und Abstand halten; mindestens 1,5 Meter.

Gleichzeitig öffnen die Biergärten, die Restaurants, die Friseursalons und, und, und … Da ist es leicht, die Fragen der kleinen Kinder zu stellen: „Warum ich nicht?“ „Die dürfen aber!“ „Das ist ungerecht!“ „Du bist gemein!“

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen!“ Das sind Worte, die Martin Luther zugeschrieben werden. Als es für ihn vor ziemlich genau 499 Jahren um die Frage nach dem richtigen Weg geht, will er allein die Worte der Bibel zum gültigen Maßstab für sein Handeln machen. Kein Triumph, keine Überheblichkeit, er formuliert seine Überzeugung. Alle Anfragen beantwortet er mit dem Hinweis auf die Heilige Schrift.

Die aber benennt sehr klar, wie sich ein Leben in Gottes Angesicht geziemt. So jedenfalls, dass es geprägt ist von Rücksichtnahme, Schutz der Schwachen und Kranken, Sorge um die Nächsten; zu Handeln jedenfalls.

Zum anderen quellen die Bücher geradezu über von aufgeschriebenen Ungedulds-Erlebnissen und gleichzeitig der immer neuen Aufforderung, darauf zu vertrauen, dass Gottes Weg mit seinen Menschen an ein Ziel führt.

Zu keiner Zeit war es leicht diesem Versprechen zu vertrauen. Sicher, manchmal ist es ganz handfest zu erleben, dass – und wie – der Allmächtige an Deiner Seite steht. Dann spürst Du den Hauch des Engels, der vor Schwierigem bewahrt hat. Situationen allerdings der Hilflosigkeit sind genauso bekannt.

„… und dennoch bleibe ich stets an Dir!“ so sagt es einer meiner Lieblingsverse aus der Bibel. In diesem „dennoch“ spielt sich der Glaube, in diesem „dennoch“ spielt sich das ganze Leben ab. Der Psalmbeter jedenfalls schöpft seine Kraft daraus, dass er sich von Gott gehalten weiß; trotzdem und trotz alledem.

„… und dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“

Ihr Pastor Achim Neubauer

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