Andacht für den 19. Mai 2020 – Kerstin Falaturi (Zwischenahn)

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(Fußball-)Leidenschaft

Brauchen wir wirklich eine Andacht über die Fußballbundesliga?
Nein, natürlich nicht, kein Mensch braucht so etwas – Sie haben Recht!
Und, ist es wirklich richtig, die Bundesliga in Corona-Zeiten wieder zu starten?
Nein, wahrscheinlich nicht.

Ich schreibe diese Andacht hier und jetzt aber trotzdem.

Wir haben ein Sky-Abo und wenn es irgendwie möglich ist, unterstützen wir zumindest einmal in der Woche unseren Lieblingsverein vom Wohnzimmer aus. Irgendwann wollten wir es auch einmal ins Stadion schaffen. Eigentlich war das eines unserer Ziele für 2020. Das hat leider nicht geklappt. Genauso wenig wie der Urlaub, den ich mir gewünscht hatte. Aber, was soll’s…  Seit Corona ist einiges anders. Zum Beispiel spielen wir jetzt tatsächlich selber Fußball im Garten, ganz echt, mit einem richtigen Ball und Toren und allem was dazu gehört. Mit fast allem… Nein, natürlich spucken wir nicht auf unseren Rasen!

Aber, kürzlich, als ich nach Hause kam, da wurde mir noch einmal bewusst, dass es bald wieder losgehen wird mit der Bundesliga: Kaum hatte ich die Tür aufgeschlossen, vernahm ich hymnenartigen Gesang. Mein erster Gedanke war, dass der Rest meiner Familie ein Tischlied angestimmt hatte. Warum warten die mit dem Essen denn nicht auf mich? Aber wie „Komm Herr Jesus…“ klang das dann doch nicht: „Mer schwöre dir, he op Treu un op lehr! Mer stonn zo dir, FC Kölle! Un mer jon met dir, wenn et sin muss durch et Füer, halde immer nur zo dir, FC Kölle…“ erklang es mindestens vierstimmig aus der Küche.

Ja, ich weiß, wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann sind Sie wahrscheinlich nicht Mitglied beim FC Köln. Falls Sie das doch sind, befürchten Sie vielleicht, dass Köln seine Erfolgsserie unter Corona-Umständen nicht fortsetzen kann. Mit viel höherer Wahrscheinlichkeit sind Sie aber ein Werder-Fan und verstehen nicht, warum die Bundesliga unter diesen Umständen jetzt noch einmal starten muss. Aber, vielleicht mögen Sie auch den HSV (wenn sie den nicht hassen) und hoffen auf den Aufstieg. Bitte, ärgern Sie sich nicht über mich! Lesen Sie getrost weiter; immerhin bin ich kein Fan vom FC Bayern!

Aufgepasst, jetzt kommt die Übersetzung der Köln-Hymne ins Hochdeutsche: „Wir schwören dir hier auf Treue und Ehre, wir stehen zu dir, FC Köln, und wir gehen mit dir wenn es sein muss durch das Feuer, halten immer nur zu dir, FC Köln!“ Na so was, das ist ja fast so inbrünstig wie die Amerikaner ihre Nationalhymne singen. Und das alles nur für einen Fußballverein. „Schwören“, „Auf Treue und Ehre“, oh ha! Und, wofür gehen wir schon durch’s Feuer? Da ist Stimmung im Stadion, wenn das Köln Lied gesungen wird. „Freud oder Leid, Zukunft und Vergangenheit, ein Gefühl, das verbindet, FC Köln…“ Ja, da ist das Gefühl ganz groß gewesen, damals. Und, die Leute, die dieses Lied singen, die meinen es ernst. Das wird es so aber nicht mehr geben, dieses Jahr. 

Und, Sie erwarten es sicherlich, es fehlt der geistliche Impuls. Das hier war bisher keine Andacht, sondern eine eher kuriose Abhandlung über Fußball. Was soll ich an dieser Stelle schreiben? Sie merken es ja selbst: Das Gefühl, die Begeisterung für den eigenen Fußballverein… sie steckt so oft viel mehr in der Vereinshymne als im „Komm Herr Jesus“-Kanon. Schwören und durch’s Feuer gehen, das klingt quasi religiös. Leider wollen die Leute das eher im Stadion als in der Kirche. Ich manchmal auch. Wie schade!

Aber, jetzt kommt’s: Unsere Kirchen sind offen, wir dürfen Gottesdienste feiern. Die Fußballstadien aber bleiben für Besucher geschlossen. Das ist unsere Chance!

Singen ist leider auch bei uns verboten. Inbrünstig Gottesdienst feiern geht aber vielleicht trotzdem. Hey, hier geht es nicht nur um den FC Kölle, der hin und wieder für ein bisschen Stimmung sorgt (was bei Geisterspielen auch nur eingeschränkt möglich ist), hier geht’s um den Schöpfer aller Dinge, der mir und Ihnen das Leben geschenkt hat! Vielleicht muss man sich das hin und wieder bewusstmachen.

Und jetzt fehlt zu einer richtigen Andacht nur noch ein passender Bibelvers! Wir gehen immer noch, bekleidet mit Gesichtsmasken, Unsicherheit, Angst und Handschuhen mitten durch die Corona-Zeit. Deshalb ende ich an dieser Stelle mit Jesaja 43, 1-2:

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob,
und dich gemacht hat, Israel:
Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen;
du bist mein!

Wenn du durch Wasser gehst,
will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen;
und wenn du ins Feuer gehst,
sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen.

Ihre Pastorin Kerstin Falaturi

 

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