Andacht für den 28. Mai 2020 – Stephan Bohlen (Edewecht)

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Ich mag nicht mehr!

Den Satz können viele unterschreiben. Und täglich, nein stündlich werden es mehr. Sachsen-Anhalt macht Schluss, so rauscht es in diesen Minuten durch das dauererregte und -erregende Internet. An vielen Orten gehen Menschen in zum Teil abenteuerlich-grotesken Koalitionen auf die Straße und beklagen den vorgeblichen Verlust ihrer Grundrechte. Ein lieber Kollege würde das mit den Worten: „Finde den Fehler!“ kommentieren.
Ich mag nicht mehr!
Das ist ein Satz, den Eltern nur allzu gut kennen. Hausaufgaben (Homeschooling!), Spaziergang, Urlaubsreisenautofahrt, Familienfeier, (zu) vollgeladener Mittagsteller, Zähneputzen, Zimmer aufräumen, …

Ich mag nicht mehr!
Das musste sich schon der liebe Gott anhören, als er sein Volk aus Ägypten befreit hatte und mit ihnen auf dem Weg in die Freiheit war. Da hieß es auch alsbald: Ich mag nicht mehr! Schon recht bald ist vom „Murren“ des Volkes zu hören. „Murren“ – ein wunderbares Wort. Es klingt schon so schön lautmalerisch: „sein Missfallen mit undeutlicher, mürrischer Stimme äußern“ ist zum Stichwort unter https://www.dwds.de/wb/murren zu finden.
So ein Murren scheint sich nun auf so manche Seele legen zu wollen: Ich mag nicht mehr! – Diese murrende Negation ist allenthalben wenn nicht zu hören, so doch zu spüren. Ich will das hier nicht weg reden, mich auch nicht erheben über die, die so empfinden. Wie könnte ich das?! Aber fragen möchte ich dürfen. Nämlich: Was es bringt?

Ich mag nicht mehr!
Das kann man sagen. Das wird ganz sicher so empfunden (auch von mir). Aber ich merke bei mir selbst, wie schon beim Aussprechen bei mir der Stecker gezogen wird. Das ist ein „Energie-Entlade-Satz“. Ein „Lebensfreude-Stehl-Satz“. Ein „Ich-betrüg-mich-selbst-Satz“. Ein „Ich fließ-durch-den-Gulli-ab-Satz“. Ich will mir das nicht antun. Nicht auch noch mir selbst den Lebensatem rauben (bevor das Virus tätig werden kann).

Ich mag nicht mehr
dem Negativen Raum geben. Ich will auf das Positive schauen. Mich daran festhalten und Kraft bekommen. In ein paar Tagen feiern wir Pfingsten. Das Fest des Heiligen Geistes. Das ist die „Anti-Murr-Kraft Gottes“. Die „Anti-Antikraft“ sozusagen. Das ist das Fest der puren Lebensenergie. Gott schenkt sich uns: in der Liebe, die uns leben und wiederlieben läßt. In den Begabungen und Fähigkeiten, die in uns schlummern, und die wir entdecken und trainieren und ausbauen können. In all den Fertigkeiten und Kenntnissen, mit denen wir füreinander da sein können. In der Kraft, Schweres zu (er)tragen. In Freundschaft, Kameradschaft und Nachbarschaft, in Familiensinn und Solidarität. Im Zutrauen zu uns selbst, im Vertrauen, das wir in andere setzen mögen, in der Hoffnung, dass die Liebe sich durchsetzen wird, dass das geknickte Rohr nicht abbricht und der glimmende Docht nicht erlischt.

Ich mag nicht mehr
ohne diesen Geist unterwegs sein, der mir Rückenwind und Lebensfreude schenkt. Lassen Sie uns von seiner Energie gemeinsam voranwehen!

Ihr Stephan Bohlen

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