Andacht für den 29. Mai 2020 – Dorothea Herbst (Apen)

Download dieser Andacht als pdf  – zum Archiv der „Worte, die Mut machen“

Segenswege

„Die Jünger kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ – So endet das Lukasevangelium. Und so beginnt alles ganz neu – mit dem Glauben, mit der christlichen Gemeinde, mit der Hoffnung, die stärker ist als der Tod.

Himmelfahrt liegt hinter den Jüngern, Pfingsten vor ihnen. Noch wissen sie nicht von der Gabe des Heiligen Geistes, von der brausenden Begeisterung, die sie erfassen wird.

Aber sie singen schon ein neues Lied! Jesus lebt. Er ist auferstanden. Er hat sie gesegnet.

Als Gesegnete des Herrn gehen sie zurück in den Alltag, zurück nach Jerusalem, dem Ort der Kreuzigung Jesu. Und dort feiern sie Gottesdienste und preisen Gott.

Ein neues Lied hat sich in ihre Herzen und Sinne gesungen.

Es ist das Lied von Gottes Geist, der verwandeln kann.

Es ist das Lied, das von der Fülle erzählt, die Gott uns schenkt, ein geistliches Lied – durch das der Himmel für einen Moment aufbrechen kann und Gottes Nähe spüren lässt.

Etwas ist neu geworden: die Gewissheit, dass Gott auch da ist, wo sie ihn nicht vermuten, im Leiden, in der Not, im Zweifel, in der Angst. Denn im Leiden erkennen sie nun die Gesichtszüge Jesu am Kreuz, die Gesichtszüge Gottes, der nicht kneift, wenn es schwierig wird. Gott hält mit aus. Gott bleibt da, auch in der dunkelsten Nacht. Und er hilft hindurch!

Ein Loblied für Gott, auch in schweren Zeiten – das geht nur, weil Gottes Geist in uns singt und betet.

Auch wir sind Gesegnete des Herrn – bei der Taufe und der Konfirmation persönlich und mit Handauflegung, am Ende jedes Gottesdienstes immer wieder neu. Auch wir können als Gesegnete in unseren Alltag gehen, sogar in den Alltag, der gerade so sehr von Corona geprägt ist.

Das österliche Lob gilt auch hier. Auch hier erinnert es uns an die Fülle, die Gott uns schenkt, an die Gemeinschaft, die auch trägt, wenn wir Abstand halten müssen. Gottes Lob kann uns immer neu zu vertrauen und zu hoffen helfen.

Interessanterweise stellt Jesus besonders die Kleinen und die Geringen in den Vordergrund, wenn es um Vertrauen und Hoffnung geht. Nicht nur, dass Gott sich ein Lob aus dem Munde der Kinder und Säuglinge bereitet hat – die Kleinen sind es, durch die er in besonderer Weise die Erneuerung der Welt schaffen will. Gott ist dabei, wo Menschen sich das Evangelium zu Herzen nehmen, auch wenn sie in den Augen der Welt ganz unbedeutend sind.

Das Lob Gottes schafft eine Umkehrung der Werte, ein Umdenken in der Welt, ein neues Lied von Gottes Liebe und Versöhnung! Und manchmal sind es gerade die Notzeiten, die solch ein Umdenken bewirken.

Die Jünger singen gemeinsam das neue Lied, schon bevor sie Pfingsten feiern können. Es verbindet sie. Es erinnert sie an den gemeinsamen Glauben und bestärkt sie darin. Es macht sie stark, trotz ihrer Angst und hinter verschlossenen Türen zu glauben, sich gegenseitig in Gebet, Wort und Tat beizustehen. Sie vertrauen darauf: „Ich bin gesegnet.“

Die Zusage, die uns seit unserer Taufe gilt, heißt: „Du bist gesegnet! Du bist ein Kind Gottes! Du kannst einstimmen in das neue Lied von Gottes Liebe und Nähe, die stärker sind als alles, was uns beschwert oder ängstigt. Denn Gott ist mit dir, wo immer du bist.“

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pastorin Dorothea Herbst

 

Kommentare sind geschlossen.