Fahrt nach Berlin

Der Edewechter Thomas Kossendey (Mitglied des Bundestag) hatte eine Gruppe von 24 Ehrenamtlichen aus den Kirchengemeinden des Kirchenkreises Ammerland zu einer Informationsfahrt nach Berlin eingeladen.

Vom 09. bis 11. Februar 2011 erlebte diese von Kreispfarrer Lars Dede angeführte Gruppe einen wirklich interessanten Aufenthalt in unserer Hauptstadt.

Sehr beeindruckend waren die Teilnahme an einer Sitzung des Deutschen Bundestages und die Einladung in den Bendler-Block-Bundesverteidigungsministerium wo uns dann auch Thomas Kossendey begrüßte.

Die Informationsgespräche im Haus der Wannsee-Konferenz, der Gedenkstätte Bernauer Straße sowie im Dokumentationszentrum der Staatssicherheit der ehemaligen DDR haben das sehr ausgewogene Programm abgerundet.

Natürlich gehörte eine dreistündige Stadtrundfahrt dazu, die auch an der East Side Gallery einen Stopp einlegte. Diese ein Kilometer lange und längste Mauergalerie der Welt wurde am 9. November 2009 eröffnet und ist von 118 Künstlern aus 21 Ländern gestaltet worden. Ich habe mir vorgenommen, bei meinem nächsten Besuch in Berlin mir noch einmal mehr Zeit für diese Mauer zu nehmen.

Am letzten Abend in der Hauptstadt hatte das Ehepaar Rommel aus Bad Zwischenahn Karten für ein Kabarett im Mehringhof in Kreuzberg organisiert. Einige Teilnehmer nahmen diese Gelegenheit wahr. Das Motto dieses Abends war: „Reis-Parteitag“. Unser aller Fazit: Berlin ist immer eine Reise wert!

Probewohnen in der Gemeinde

Er geht regelmäßig zum Konfer – denn das gehört zu seinen Aufgaben als Pastor. Routine oder Herausforderung? Achim Neubauer verrät im Gespräch mit Kark un Lüe, warum der Konfirmandenunterricht für ihn nichts von seinem Reiz verloren hat.

Konfirmandenunterricht – das ist für Pastor Neubauer zunächst einmal tatsächlich Unterricht. Die Jugendlichen kommen in erster Linie, um etwas über den Glauben zu lernen und nicht, um eine Stunde mit dem Pastor zu verbringen. Seine Erfahrung ist, dass die Jugendlichen ganz handfest etwas lernen wollen. Rahmenrichtlinien, die für unsere Kirche gelten, benennen die Themen, die behandelt werden: Die Bibel, Jesus Christus, Glaubensbekenntnis, Gebet u.a. Innerhalb dieser Vorgaben kann jeder Unterrichtende selber Schwerpunkte setzen und den Stoff so verpacken, dass es für die Jugendlichen interessant ist. Die Resonanz ist von Gruppe zu Gruppe unterschiedlich. Aber bisher ist es nicht vorgekommen, dass es mit einer Gruppe gar nicht klappt.

Natürlich gibt es Tage, da sind beide Seiten voneinander genervt: Die Konfirmanden sind nicht bei der Sache, der Unterricht verläuft zäh. Aber dann sind da vor allem die Momente, in denen alle ganz aufmerksam sind, nicht nur zuhören, sondern auch nachdenken, etwas aufnehmen und voneinander lernen. Besonders interessiert sind die Jugendlichen immer dann, wenn das Thema mit ihnen ganz persönlich zu tun hat. Wenn es um das eigene Leben geht. Etwa beim Thema Tod und Sterben: Wie ist das mit der Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod? Wenn der Pastor nach einer Beerdigung im schwarzen Anzug in den Unterricht kommt und die Jugendlichen dann wissen wollen, wie er selber eigentlich damit umgeht – „dann wird es spannend“, so Neubauer.

Miteinander leben: Konfirmanden mit Pastor Neubauer

„Mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden vereinbaren wir bei der Anmeldung, dass wir eine Zeit miteinander verbringen wollen, in der wir uns gegenseitig etwas vom Glauben erzählen wollen, in der wir aber auch gegenseitig an unserem Leben teilhaben lassen – mit allem, was uns freut, und mit allem, was auch schwierig ist,“ beschreibt Neubauer das Verhältnis zu den Jugendlichen. „Ich empfinde eine große Offenheit bei den Konfirmanden, und das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit. Ich bin interessiert an dem, was Jugendliche bewegt.“

Die Begleitung von Jugendlichen in einem Alter, in dem ihnen der Umgang mit Erwachsenen nicht immer leicht fällt, ist dem Pfarrer ein besonderes Anliegen. Die Nähe zu den Menschen ist ihm in seiner Arbeit wichtig, und sie ist ihm auch anzumerken, wenn er über den Konfirmandenunterricht spricht. Und das spüren die jungen Menschen ebenfalls. Vielleicht ist das der Grund, warum ihn auch nach Jahren ehemalige Konfirmanden noch freudig begrüßen, wenn man sich im Ort sieht. Manche sprechen ihn auf Erlebnisse aus dem Unterricht an, die er längst vergessen hat. Man verliert sich zwar aus den Augen, aber die Erinnerung an diese wichtige Zeit im KU bleibt erhalten. „Grandios“, findet Achim Neubauer.

Ein nicht ganz einfaches Kapitel ist für Konfirmanden mitunter der Gottesdienst. Er sage den Jugendlichen sehr klar, dass es wahrscheinlich wenige Gottesdienste gäbe, die zu 100 % auf sie abgestimmt seien. „Gottesdienst ist nicht wie das Konzert der Lieblingsband, wo einem jedes Stück gefällt“, erläutert Neubauer. Manchmal gäbe es nur wenig, was die Jugendlichen berühre – aber dann blieben sie vielleicht doch an einem Gedanken, einem Lied oder einem Gebet hängen. „Ich versuche, Konfirmanden konkret anzupredigen. Wenn ich z.B. weiß, da sitzt ein Jugendlicher, der gerade Liebeskummer hat, dann kann ich das vielleicht direkt in meiner Predigt berücksichtigen und ihn so erreichen. Wenn das gelingt, ist es gut.“

Enttäuscht ist der Pfarrer, wenn Konfirmanden nicht verstehen, wo bei aller Offenheit auch Grenzen notwendig sind. „Wenn sie auf dem Friedhof Faxen machen, dann bin ich frustriert.“ Aber auch wenn Jugendliche nicht für das zu begeistern sind, was sie nach der Konfirmation in der Jugendarbeit erwartet. Die Zurückhaltung ärgert ihn. „Ihr verpasst etwas, wenn ihr es nicht wenigstens ausprobiert“, möchte er ihnen zurufen.

Höhepunkte sind für Pastor Neubauer die Konfirmandenfreizeiten. „Ich bin total enttäuscht, wenn die Konfirmanden in der ersten Nacht um viertel vor eins schon alle schlafen“, sagt er schmunzelnd. „Aber im Ernst: Miteinander zu leben ist ein wichtiger Bestandteil der Konfirmandenzeit – so lernen wir uns ganz anders kennen.“ Besonders gute Erfahrungen macht er auch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern aus der Jugendarbeit, die diese Fahrten begleiten.

Auf die Konfirmation freuen sich beide Seiten gleichermaßen. Auch wenn manchmal die Stimmung ganz kurz vor dem Fest noch einmal kräftig nach oben geht und die Konfirmanden äußern, wie gern sie noch etwas miteinander unternehmen würden: „Es ist auch gut, wenn diese Zeit zu Ende geht“, weiß Neubauer. Wichtig ist ihm, die Konfirmanden auch am Ende des Unterrichts nicht zu überfordern. „Ich stelle keine Konfirmationsfrage – ein ernstes Bekenntnis zur Gemeinde ist für die jungen Leute noch zu unübersichtlich“, sagt er. „Ich will die Jugendlichen ermutigen. ‚Konfer ist Probewohnen in der Gemeinde’, hat eine frühere Kollegin einmal gesagt. Und daraus folgt der Zuspruch: Ihr habt Kirche kennen gelernt und wollt nun versuchen ein Leben als Christen zu gestalten; dann lasst uns jetzt gemeinsam versuchen, in dieser Gemeinde zusammenzuleben.“

Auch nach 18 Jahren als Gemeindepfarrer ist der Unterricht für Neubauer immer noch eine spannende Angelegenheit: „Konfer ist großartig!“ Und das nimmt man ihm ab, wenn er von seinen Erfahrungen berichtet.

Uwe Martens

Lebendige Steine – Andacht von Pastor Achim Neubauer

Liebe Leserin, lieber Leser, worauf die christlichen Gemeinden gegründet sind, das steht fest: Jesus Christus ist der Eckstein. Er ist das Fundament, auf dem alles aufgebaut ist. Dieser lebendige Stein Jesus ist der Anfang. Viele andere kommen dazu und so entsteht die Gemeinde derer, die zusammen halten wollen, um gemeinsam zu feiern und um zusammen Schweres zu tragen. Viele können den Platz finden, den ihnen Gott, der Bauherr, zugedacht hat. Einzeln umherliegend sind Steine nur Muster ohne Wert. Im Ganzen des Baus haben alle ihren Ort, ihren Sinn und ihre Aufgaben.

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistlichen Haus, zu einem heiligen Tempel erbauen,“ schreibt der Apostel Petrus. Lebendige Steine, aus denen Kirche entstehen soll? Im Angesicht der altehrwürdigen St. Nikolai-Kirche, steht die Widersprüchlichkeit dieses Gedankens direkt vor Augen. Steine sind fest und hart, und ein größerer Gegensatz zu dem, was eine Gemeinde bieten will, lässt sich schwer vorstellen. In der Gemeinschaft der Christen geht es doch gerade darum, einander freundlich und zugewandt zu begegnen, das Leben miteinander zu gestalten. Eben kein starres Gebäude, sondern eine Heimat für ganz verschiedene Menschen, Junge und Alte, Edewechter und Zugezogene. Ein Platz, an dem Stand, Alter, Herkunft und Hautfarbe keine Abgrenzung bedeuten, sondern wo gerade in der Unterschiedlichkeit, in der Vielfalt, ein Pfund liegt, mit dem gut gewuchert werden kann.

Kirche, das sind nicht allein die Mauern, die den Altar umgeben und dafür sorgen, dass eine – mal kleine, mal größere Schar von Gläubigen – wettergeschützt zusammenkommen kann. Sie ist Leben und Gemeinschaft derer, die erkannt haben, das sie Wohl und Ergehen nicht allein sich selbst zu verdanken haben, sondern dem, der alles in seiner Hand hält. Die in diesem Wissen ihre Zeit gestalten wollen und versuchen Zusammenhalt zu leben.

Der König von Sparta hatte einmal einen anderen Herrscher bei sich zu Besuch. Bei einem Rundgang zeigte er dem Gast alle Sehenswürdigkeiten der Stadt. Besonders stolz war der König auf die Stadtmauern, von denen er behauptete, die seien unüberwindlich. Natürlich interessierte sich der Besucher für diese starke Befestigung. Aber so sehr er sich auch umschaute, er konnte keine Stadtmauern in Sparta erblicken.

Nach einiger Zeit fragte der Gast etwas verlegen: „Verzeih mir, lieber Freund, du hast von unüberwindlichen Stadtmauern gesprochen. Wo sind die? So sehr ich mich auch anstrenge, ich kann hier in Sparta gar keine Mauer sehen!“ Da zeigte der König von Sparta mit einer großen Handbewegung auf die Stadt und sagte: „Das hier sind die Mauern von Sparta! Alle Bewohner sind lebendige Steine in dieser Mauer!“

Durch lebendige Steine will Gott selbst seine Kirche schaffen und gestalten. Solche Menschen, die vertrauen, dass der Glaube einen festen Stand geben kann und trotzdem nicht stehen bleiben, sondern auf den Spuren von Jesus Christus weitergehen. Menschen, zu denen Gott eine persönliche und ständige Beziehung pflegen will. Der Allmächtige interessiert sich für das Leben seiner Geschöpfe. Er selbst bietet sogar eine Gebrauchsanleitung an, die Bibel, wie das Leben sachgerecht und eines Menschen würdig gestaltet werden kann.

Lebendige Steine, die gebraucht werden! – Überall: Zum Trösten, zum Lachen, zum Weinen, zum Helfen, zum Reden, zum Schweigen, zum Beten, einfach, um da zu sein.

Mögen Sie behütet bleiben unter Gottes Segen!

Ihr Achim Neubauer

(Diese Andacht erschien in Kark un Lüe I/2011)

Konfirmation – immer noch attraktiv für junge Menschen

 

Sich konfirmieren zu lassen ist unter Jugendlichen nach wie vor attraktiv. Auch dieses Jahr werden im Mai in zwölf Gottesdiensten über 170 junge Menschen konfirmiert. Was sind die Beweggründe und die Erwartungen der Jugendlichen? Eine kleine Gruppe der Konfirmanden hat Auskunft darüber gegeben.

Konfirmation bedeutet für die meisten die Fortführung der Tradition. Nach der Taufe als Kleinkind kommt für sie die Konfirmation, auch wieder als Voraussetzung für eine mögliche kirchliche Trauung. Sie haben diese Tradition nicht in Frage gestellt, alle machen es und sie möchten dazu gehören. Sie freuen sich auf den besonderen Tag, an dem sie im Mittelpunkt stehen, auf das Fest, auf das Wiedersehen mit Verwandten, die nicht oft zu Besuch kommen. Die Geschenke, besonders die Geldgeschenke, spielen natürlich auch eine Rolle. Sie geben ihnen die Möglichkeit, sich einen kostspieligen Wunsch zu erfüllen. Es ist ein wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben.

Der Konfirmandenunterricht hat den Jugendlichen am Beispiel von Jesus gezeigt, wie wichtig die Gemeinschaft, das soziale Miteinander, ist. Ihr soziales Verhalten ist gestärkt worden. Ebenso haben sie Selbstbewusstsein entwickelt, als sie einen Gottesdienst gestalteten und dabei ihre Ideen vor vielen Menschen  darstellen mussten.

Die Teilnahme an Gottesdiensten fanden nicht alle gut, weil sie früh aufstehen mussten . Die Predigten haben einigen gut gefallen, weil sie einen Bezug von biblischen Geschichten zu ihrem täglichen Leben hergestellt haben. Auch an Veranstaltungen der evangelischen Jugend im Rahmen von „Konfitüre“ haben sie teilgenommen und positive Erfahrungen gemacht.

Das Gespräch mit den Jugendlichen und die große Anzahl von Konfirmanden jedes Jahr zeigen, dass Kirche und Gemeindeleben bei jungen Menschen eine wichtige Rolle spielen. Die kirchlichen Traditionen sind für sie Stationen auf ihrem Lebensweg. Das Feiern im Kreise der Familie und Freunde vermittelt das Gefühl, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Die Feste sind die Höhepunkte, die das Zusammenleben festigen. Das ist ganz im Sinne des christlichen Miteinanders, das für jeden Menschen einen Platz hat. Für die Kirchengemeinde stellt sich immer wieder die Aufgabe, den jungen Menschen diesen Platz zu zeigen.

Erika Külbel-Schmidt

Buchtipp aus dem Bücherkeller: Zebraland

An einem schönen Sommerabend sind vier Jugendliche mit dem Auto auf dem Heimweg von einem Festival unterwegs. In der Dunkelheit rammen sie ein Moped. Die Fahrerin, eine Mitschülerin, liegt scheinbar leblos an der Böschung.

Panisch flüchten die vier vom Unfallort, verwischen in der Folgezeit mögliche Spuren. Aus dem Radio erfahren sie, dass das Mädchen auf dem Weg ins Krankenhaus verstorben ist. Wie gern würden die vier den Unfall aus ihrem Leben streichen. Schuldgefühle und Angst bestimmen von nun an ihren Alltag.

Und plötzlich taucht per Brief ein heimlicher Mitwisser auf. Unter dem Namen ‚Mose‘ stellt er den Einzelnen Aufgaben und droht, die Öffentlichkeit zu informieren, wenn seine Forderungen nicht erfüllt werden.

Die junge Autorin gibt einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der jungen Menschen. Psychologisch einfühlsam und spannend zugleich thematisiert sie die Frage nach Schuld und dem Umgang mit ihr.

Für Jugendliche ab 13 Jahren ist dieses Buch unbedingt zu empfehlen:

Zebraland von Marlene Röder, erschienen 2011 im Ravensburger Buchverlag.

Christine Wilke

 

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