Neubesetzung der Süddorfer Pfarrstelle

Für die seit November unbesetzte Pfarrstelle in Süddorf ist die Nachfolge-Entscheidung noch nicht gefallen. Nachdem die landeskirchlichen Ausschreibungen von Dezember 2010 und Februar 2011 ohne Echo geblieben waren, ist die zu besetzende volle Pfarrstelle in der EKD-Stellenbörse bundesweit ausgeschrieben worden (theoretisch sogar weltweit, weil die Auslandspfarrer/innen der EKD auch angesprochen waren).

Die zum Bewerbungstermin am 20. April eingegangenen Bewerbungen sind vom Ev.-Luth. Oberkirchenrat in Oldenburg einer ersten Prüfung unterzogen worden. Für die vier in Frage kommenden Pfarrerinnen und Pfarrer war für den 11. August die – auch in der Oldenburgischen Ev.-Luth. Kirche obligatorische – Bewerberprüfung mit einer Potentialanalyse angesetzt worden. Danach wird für Ende August / Anfang September die Nachfolgebenennung erwartet. Termine für die Vorstellung in der Kirchengemeinde, für Probepredigt und Beratung im Gemeindekirchenrat werden kurzfristig vereinbart und bekannt gegeben.

Im World-Café über die Zukunft beraten

Wie soll unsere Kirchengemeinde im Jahr 2017 aussehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Beratungen von über 30 ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kirchenältesten und Interessierten, die kurz vor den Sommerferien in der Aula des Gymnasiums am Göhlenweg zusammenkamen.

Die Teilnehmenden erlebten ein „World Café“ – eine besondere Methode, sich mit Zukunftsfragen auseinanderzusetzen. Diese Veranstaltung war ein weiterer Schritt hin zur Verabschiedung einer Gesamtkonzeption der Gemeindearbeit. Dirk v. Grone, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates, gab zu Beginn einen kurzen Überblick über die bisherigen Stationen der Konzeptentwicklung. 2009 war eine Projektgruppe eingerichtet worden, die zwischenzeitlich den Entwurf eines Leitbildes und eine erste Zielbeschreibung vorgelegt hatte.

GKR-Vorsitzender Dirk v. Grone begrüßt die Teilnehmenden des World-Cafés. Foto: U. Martens

Der GKR-Vorsitzende skizzierte die Gründe, die eine Beschäftigung mit den mittelfristigen Perspektiven der Kirchengemeinde sinnvoll macht. So wird die Entwicklung der Bevölkerung in Edewecht die Kirchengemeinde vor neue Herausforderungen stellen. Die Gemeinde muss sich auch genau überlegen, wie mit den finanziellen Ressourcen umzugehen ist. Die Gemeinde ist gut aufgestellt – wirtschaftlich, vor allem aber auch mit vielen Aktiven, Gruppen und attraktiven Angeboten in unterschiedlichsten Feldern der Gemeindearbeit. „Damit das so bleibt und wir weiterhin eigenständig handeln können, müssen wir uns entscheiden, wie wir unsere Arbeit in den nächsten Jahren gestalten“, so Dirk v. Grone.

7 Tische – 7 Themen

In dem „World Café“ warteten Gastgeber an sieben Tischen zu unterschiedlichen Schwerpunkten auf die Café-Gäste. Jeweils 20 Minuten wurde in wechselnder Zusammensetzung über die Themen Konfirmandenzeit, Gottesdienst, Diakonie, Jugendarbeit, Arbeit mit Kindern, Öffentlichkeitsarbeit und zu übergreifenden Zielen der Gemeindearbeit diskutiert. Die einzelnen Teilnehmenden kamen so im Laufe des Nachmittags mit unterschiedlichen Themen in Berührung.

Angeregte Diskussion an einem der Café-Tische. Foto: U. Martens

Die Gastgeber an den Tischen präsentierten jeweils mit einem Katalog von Zielen, die als Grundlage für die Gespräche dienten. Welche Ziele sollen bis 2017 in Edewecht erreicht sein und mit welchen Maßnahmen kann das gelingen? Gefragt waren vor allem die unterschiedlichen Erfahrungen der Mitwirkenden und auch deren kritische Einschätzung. Denn eine Konzeption lässt sich nur verwirklichen, wenn realistische Ziele beschrieben werden.

Die Diskussionen waren sehr lebendig und konstruktiv, nicht zuletzt deshalb, weil Menschen aus unterschiedlichen Bereichen der Gemeinde und aus allen Generationen miteinander ins Gespräch gekommen sind. Und so wurden am Ende der „Caféhaus-Phase“ eine Vielzahl von Ideen und Anregungen, Kommentaren und möglichen Maßnahmen im Plenum vorgestellt. Da ging es z.B. darum, den Gottesdienst noch deutlicher in die Mitte des Gemeindelebens zu stellen, gemeinsame Aktionen für Konfirmandinnen und Konfirmanden zu organisieren, neue Akzente in der Familienarbeit zu setzen, noch stärker die Vernetzung mit anderen Organisationen am Ort zu suchen und vieles mehr.

World Café ein Erfolg

Alle Ergebnisse werden nun sorgfältig ausgewertet. Sie bilden die Grundlage für einen konkreten Ziele- und Maßnahmenkatalog zu den wichtigsten Handlungsfeldern der Kirchengemeinde, den der Gemeindekirchenrat wahrscheinlich noch in diesem Jahr verabschieden wird. Die Konzeptionsarbeit ist damit aber nicht beendet. In den nächsten Jahren werden weitere Handlungsfelder in die Gesamtkonzeption eingearbeitet.

Die Veranstalter waren mit dem Verlauf sehr zufrieden. Das World Café jedenfalls war ein Meilenstein auf diesem Weg der Kirchengemeinde. Es hat gezeigt, wie lohnend es ist, in großer Offenheit und Breite über Zielvorstellungen der Gemeindearbeit ins Gespräch zu kommen. Neben den inhaltlichen Ergebnissen stand am Ende des Nachmittages darum fest: Es wird zukünftig noch mehr solcher „Zukunftskonferenzen“ geben!

Fotos von der Veranstaltung:

 

Niedersachsenumrundung geglückt

Der verspätete Start am Morgen des 1. August 2011 verhieß für Tobi und die anderen nichts Gutes: Bereits auf dem Bahnsteig in Bad Zwischenahn verlor die zehnköpfige Expedition der Evangelischen Jugend schon eine Viertelstunde. Dieser Zeitverlust sollte nicht der Einzige bleiben. Aber durch geschickte Umsteigemanöver konnten sie wieder ausgeglichen werden. Am Dienstagabend – pünktlich um 19.11 Uhr – traf die Gruppe unter Leitung von Laura Best (Petersfehn) und Volker Austein (Edewecht) im Basisbahnhof ein. Im Rahmen einer unerhörten Ferienpassaktion hatten sie verschiedene niedersächsische Klimazonen und zwei Rushhours und einen Baderückreiseverkehr durchquert und damit die erste dokumentierte komplette Niedersachsenumrundung nur mit der Bahn geschafft.

Über Leer – Rheine – Osnabrück – Herford – Altenbeken und Holzminden führte die Route zum Verkehrsknotenpunkt Kreiensen. Nach den erschütternden Anblicken, die sich  auf einigen fast leblosen Bahnhöfen boten, schien hier Volksfeststimmung: Hunderte von jungen und alten Menschen vertrieben sich die Zeit in der Spätsommersonne. Aber der Schein trog. Anlass der Versammlung war eine danieder liegende Oberleitung. Der Besuch des anvisierten südlichsten Punktes Göttingen musste daraufhin schweren Herzens aufgegeben werden. Stattdessen ging es wieder hinein in den gerade verlassenen Zug und weiter ins Biwak nach Bad Gandersheim.

Am zweiten Tag zeigte sich bei den meisten Umrundern professionelle Routine, wenn es ums Ein- und Aussteigen, das Verstauen des Gepäcks oder die Suche nach freien Plätzen ging. Über Seesen und Braunschweig gelangte die Gruppe zum Bahnhof Wittingen, ein Anblick der sich wahrscheinlich auf Grund einer freizeitpädagogischen Maßnahme der Deutschen Bahn besonders einprägte. Hier, an einem Ort, an dem schon direkt neben dem Gleis Gras über Geschichten wuchs, die sich nie zutragen würden, lud die Fahrplanabteilung zu einer 45minütigen Meditationsübung ein. Wie weise diese Ruhephase im größeren Zusammenhang angelegt war, erschloss sich erst eine Stunde auf dem Bahnhof Uelzen, an dessen Gleisen es zu einer intensiven Begegnung mit jungen Heavy Metal Fans auf dem Weg ins gelobte Wacken-Land kam. Von Hamburg-Harburg aus war es nur noch ein Katzensprung hoch in den sandsturmgeschüttelten Norden nach Cuxhaven. Viel Zeit blieb nicht. Schnelle Fotos, ein bisschen posieren, Autogramme geben. Dann wurde wieder die Heimat angesteuert, begleitet von einer dicht gedrängten Menge, von denen viele nicht wussten, wer sich da erschöpft und durchgeschwitzt zwischen sie gemischt hatte.

Erfahrene In-Bahn-Spezialisten hatten sich skeptisch zu der Frage geäußert, ob die Elf- bis Vierzehnjährigen den Herausforderungen gewachsen sein würden. Aber es zeigte sich, dass sie doch über genügend Durchhaltevermögen und überdurchschnittliches Improvisationstalent verfügten, um mit unberechenbaren Klimaanlagen, misstrauischen Einbahnischen oder hastigen Umsteigemanövern fertig zu werden. So gab es während der Expedition immer wieder Aufmunterung und Respektsbekundungen für die Teilnehmenden. Einzig bedauerlich, dass die mitgeführten Glasperlen nicht gegen einbahnisches Kunsthandwerk getauscht werden konnte. So bleiben der Nachwelt lediglich die Tondokumente und „Lok“buchaufzeichnungen, ein paar verblichene Niedersachsentickets und Fotos der Umsteigebahnhöfe als Zeugnisse einer einzigartigen Reise.

Volker Austein

Siehe dazu auch: Und Tobi fuhr zum Regenbogen …

Und Tobi fuhr zum Regenbogen …

Am Morgen des 1. August 2011 startet um 9.45 Uhr auf dem Bad Zwischenahner Bahnhof eine zehnköpfige Expedition der Evangelischen Jugend. Im Rahmen einer unerhörten Ferienpassaktion wagen sie eine erste komplette Niedersachsenumrundung nur mit der Bahn. Am Dienstagabend hoffen die elf- vierzehnjährigen Abenteurer wohlbehalten wieder zurück zu sein.

Die nach langen Vorüberlegungen ausgewählte Strecke führt u.a. über Leer – Rheine – Osnabrück – Göttingen nach Bad Gandersheim. Nach einem Biwak im Haus der Evangelischen Jugend geht es am zweiten Tag über Braunschweig – Helmstedt – Hamburg-Harburg hoch in den Norden nach Cuxhaven, ehe wieder die Heimat angesteuert wird.

Ausgerüstet sind die jungen Leute unter der Leitung von Laura Best (Petersfehn) und Diakon Volker Austein (Edewecht) nicht nur mit Schlafsack und Luftmatratze, sondern auch mit bunten Glasperlen, Kamera, Kassettenrecorder und einem Lokbuch, um die Erfahrungen für die Nachwelt fest zu halten.

„Unser Handeln hat Konsequenzen“

Die Evangelische Jugend Edewecht möchte zu einem Zukunftskongress zum Thema Nachhaltigkeit einladen. Kark un Lüe fragt Diakon Volker Austein nach den Motiven zu dieser Veranstaltung, die ursprünglich bereits in den Sommerferien stattfinden sollte, nun aber wahrscheinlich im Herbst nachgeholt wird.

Kark un Lüe: Warum will die Ev. Jugend diesen Zukunftskongress veranstalten?

Diakon Volker Austein. Foto: U. Martens

Volker Austein: Die Idee zum Zukunftskongress entstand in einem Gespräch mit Sebastian Georg, dem Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Jugend. Er hat gefordert, dass sich Evangelische Jugendarbeit auch in politische Fragen einmischt, und moniert, dass zu wenig tatsächlich praktisch umgesetzt wird. Darum haben wir zu dem Kongress eingeladen, alle jungen Leute, die das Bedürfnis haben, dass man vom Reden dazu kommt tatsächlich auch mal Dinge umzusetzen.

Wir sind nicht sicher, ob es nicht in der Jugendarbeit so ist, dass man für alles Gute ist, solange es einen keine Arbeit kostet. Aber man möchte eben ein guter Mensch sein, man tut keinem weh, man ist ein bisschen Vegetarier, man ist ein bisschen fair, man ist natürlich kein Energieverschwender, aber man ist eben auch mal gerne Tourist, der Zeit in Neuseeland verbringen will und vergisst an der Stelle zu fragen, was hat das eigentlich mit der Zukunft der Erde zu tun?

Euer Thema ist also auch, in Wunden herumzubohren und diesen Widerspruch deutlich zu machen?

Das wäre mein Ding als Älterer, aber Sebastian und auch Geeske Martens, die wir dann noch dazu geholt haben, die sind da weniger bissig als ich. Aber uns alle vereint, dass wir den Wunsch nach einer geänderten Praxis haben.

Ich denke, dass wir mit dem Wort Zukunftskongress die Latte ziemlich hoch hängen. Ich möchte deutlich machen, dass Arbeit für die Zukunft auch Arbeit ist. Wir haben uns zwar auch gefreut auf ein nettes Zusammensein, gemeinsam Essen und Trinken, uns unterhalten, Geschichten erzählen. Aber wenn du dich für die Zukunft einsetzen willst, dann geht das nicht eben mal bei einer Tasse Kaffee, sondern dann bedeutet das auch eine intellektuelle und zeitliche Anstrengung.

Wir sind hier in Edewecht nach meiner Wahrnehmung auch in einer Art „Zukunftslabor“: Die Themen Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit tauchen in den letzten 20 Jahren wie ein roter Faden an verschiedenen Stellen auf. Was waren die Beweggründe?

Ich bin schon angepiekst von Bremerhaven hierher gekommen und habe hier eine Reihe von Leuten getroffen, die mit derselben Thematik, also Eine Welt, Frieden, Energie, Atomkraft befasst waren und in dieser Kirchengemeinde gearbeitet haben.

Wir haben immer versucht hier auch konkret Sachen zu machen. Wir haben versucht, das umweltfreundliche Büro voranzubringen, also Recyclingpapier in Einsatz zu bringen, was bis heute nicht einfach ist. Wir haben als eine der ersten Kirchengemeinden im Oldenburger Land eine Photovoltaikanlage aufs Dach bekommen. Aber wir sind immer spät, die Nichtkirchlichen sind schon längst aktiv gewesen, und wir als Kirchengemeinde kommen hinterher. Das Thema hatten wir schon länger auf der Tagesordnung, aber bis die Gremien sich entschieden haben, bis die Jugendlichen dann auch den entsprechenden Druck gemacht haben, vergeht Zeit.

Wir haben uns eingesetzt für ein Erdgas-Auto für die Kirchengemeinde, wir haben versucht, bei den Freizeitmaßnahmen darauf zu achten, dass wir ökologisches Reisen besonders fördern. Dass der Landkreis Ammerland bei Jugendfreizeiten umweltfreundliches Reisen höher bezuschusst, wofür er sogar einmal eine Auszeichnung des Landesjugendringes Niedersachsen bekommen hat – das ist einmal im Rat der Evangelischen Jugend entstanden.

Das heißt, der Reiz dieser Beschäftigung mit den Themen war auch immer auch eine Erdung in der Praxis, angebunden an ganz konkrete Projekte.

Und an Gespräche mit Jugendlichen. Ich habe da zwei junge Leute vor Augen, mit denen ich jetzt eine Ferienpassaktion gemacht habe: die eine ist bei Greenpeace in Oldenburg tätig, die andere bei Amnesty International. Und ich denke mir, warum ist nicht in der evangelischen Jugendarbeit der Platz, solche Fragen zu behandeln, warum müssen diese jungen Leute nah Oldenburg fahren, um Gleichgesinnte zu finden? Warum setzen wir uns nicht in den Gremien der Jugendarbeit entsprechend ein? Wir wollen Amnesty nicht ersetzen, aber wenn wir zusammenarbeiten würden, könnten wir doch bestimmte Aktionen für politische Gefangene mit einfachen Mitteln unterstützen. Warum ist das nicht so? Oder warum ist bei uns noch nicht zu Ende diskutiert, dass wir Kraft-Wärme-Kopplung bei uns im Gemeindehaus nutzen? Warum muss so etwas so lange vorbereitet werden?

Du hast die Vernetzung angesprochen. Kannst du deren Bedeutung für diese Zukunftsprojekte benennen?

Ich profitiere von den Fachkenntnissen der anderen. Ich sehe mich mehr als jemand, der nicht über die vertieften Kenntnisse verfügt, aber weiß, wo er Spezialisten findet, z.B. zum Thema Eine Welt, oder wie er Kontakt zur Schutzgemeinschaft Vehnemoor bekommt, zu Leuten, die sich mit alternativer Energie befassen, oder auch wenn es um Fragen der Ernährung geht. Da haben wir schon vor langer Zeit Kontakt gehabt zu Hauswirtschafterinnen, die uns gezeigt haben, wie man fleischarm kochen kann. Der RdEJ war auch mal auf einem Biolandhof und hat sich erklären lassen, warum das so gemacht wird. Oder wir waren im Umweltbildungszentrum Rostrup. Wir hatten auch Leute vom BUND bei unseren Freizeiten dabei, und die haben sich tatsächlich eine Woche Zeit genommen und haben mit den Kindern Fragen der Umwelt thematisiert. Durch die Ev. Jugend Bad Gandersheim haben wir uns mit den Kinder von Tschernobyl befasst, mit dem Problem der Verstrahlung dort. Das sind alles Dinge, da muss ich nicht genau alles wissen, aber ich kann Begegnung herstellen.

Wie gelingt es, Jugendliche für diese Themen zu begeistern?

Diese Begegnung spielt eine große Rolle. Im letzten Jahr haben wir uns in einem Seminar mit Fragen der Atomkraft beschäftigt. In der Folge waren Leute von uns mit der Evangelischen Studierendengemeinde bei den Protesten gegen die Castor-Transporte aktiv. Da gab es Diskussionen vorher, ist das nicht zu gefährlich? Es gab Berichte hinterher, beim Gemeindefest gab es eine kleine Demonstration. Oder zum Thema Integration, da hatten wir eine Begegnung mit Afrikanern, die als Flüchtlinge in Deutschland leben. Es treffen immer Leute aufeinander, die auch was erzählen, und ich glaube, dass dieses Gefühl eine Rolle spielt: wir erleben da ein klein wenig etwas Besonderes.

Uns ist aber auch wichtig zu sagen: Hier ist nicht jeder gegen Atomkraft, nicht jeder Vegetarier, nicht jeder für den fairen Handel. Aber wir sagen nicht, es ist egal, jeder hat eben seine Meinung. Unser Handeln, was wir tun und lassen, hat Konsequenzen auch für meinen Mitmenschen. Die Gespräche sollten im besten Fall dazu führen, dass man seine besten Argumente und Gedanken zusammenträgt, um den anderen zu überzeugen und dann vielleicht zu einer menschenfreundlicheren Praxis zu kommen.

Wo siehst du die Entwicklung in der kirchlichen Jugendarbeit, in der Kirchengemeinde, wo siehst du deine eigenen Akzente?

Thematisch sind wir zur Zeit bei der Ernährung. Weil wir bei den Freizeiten meistens selber kochen, haben wir die Chance, die Folgen der Ernährung zu thematisieren. Wir können auch mit wenig Geld eine hochwertige Ernährung schaffen. Mit großen Anteilen von Bionahrung, mit fair gehandeltem Kaffee und Tee. Das ist eine Frage der Organisation – nachhaltiges Handeln muss immer wieder neu erarbeitet werden.

Ich glaube, wir müssen in den Kirchengemeinden auch mit Zahlen arbeiten. Wir müssen Rechenschaft abgeben, dass die Menschen, die ins Gemeindehaus, in die Kirche kommen, auch begreifen, wieviel haben wir verbraucht an Energie, damit man die Chance auch sieht, Energie einzusparen. Ich vermute, der Klimawandel wird uns auch einige Sachen aufdiktieren.

Die Frage ist, was hat das mit dem Glauben zu tun? Wenn ich pessimistisch bin, ist das kein Zeichen von Unglauben. Ich kann mir christlichen Glauben nicht so vorstellen, dass er auf Dummheit aufbaut. Ich gebe gern das Beispiel von der Versuchungsgeschichte, als Jesus aufgefordert wird, sich von der Klippe zu stürzen, weil die Engel ihn schon auffangen werden – es gibt Dinge, die tut man einfach nicht, weil sie dumm sind. Und dass wir in vieler Hinsicht dumm handeln, wenn wir zum Beispiel beim Autofahren anderthalb Tonnen in Bewegung bringen, um unsere 70 bis 80 Kilo ein paar Kilometer voranzubringen, und diskutieren noch darüber, ob man diese 1,5 oder 2 Tonnen noch besonders ausrüsten muss, anstatt den öffentlichen Verkehr voranzubringen – das ist einfach dumm, das bleibt dumm, und dass wir darüber überhaupt diskutieren müssen, ist peinlich. Also, Glaube hat nichts mit Dummheit zu tun. Ich glaube, und das ist auch meine Hoffnung, dass das, was vernünftig ist, auch segensreich sein kann. Dann entstehen Dinge, dann fangen Pflänzlein an zu blühen, mit denen wir vorher nicht gerechnet haben. Aber auf keinen Fall Dummheit …

Das Gespräch mit Volker Austein führte Uwe Martens am 15. Juli 2011.

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