Andacht für den 04. April 2020 – Peter Kunst (Apen)

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Helfen können und Hilfe annehmen können 

 

„Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ (Luk. 23, 39)
Hilf dir selbst! Das ist doch unser Lebensprinzip. Wir glauben an die Machbarkeit aller Dinge, wir können uns im Leben selbst behaupten. Schließlich sind wir in der Lage, noch alles selbst zu erledigen, zu leisten, voranzubringen. Wir haben bisher in unserem Leben alles hingekriegt, wir werden auch die derzeitige Krise hinkriegen. Hilf dir selbst! Das ist unser Maßstab für das, was wir unter einem selbständigen Leben verstehen: sich in allen Lebenslagen, auch den schlimmsten, selbst zu helfen wissen. Wie oft habe ich dies in den letzten Tagen in Telefongesprächen immer wieder gerade von den älteren Menschen gehört: Einkaufen gehen kann ich selbst, mir fehlt doch nichts und ich fühle mich fit. Ich brauche keine Hilfe, ich schaff das alles allein!

Hilf dir selbst! Mit diesem Maßstab versuchte man den am Kreuz sterbenden Jesus zu verspotten. Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist, dann kann er sich ja wohl selbst helfen und vom Kreuz heruntersteigen. Aber mit diesem Motto verkannte man Jesus. Hätte Jesus nach diesem Prinzip gelebt, so hätte ihm keiner etwas angetan. Allerdings wäre dann auch den Vielen, denen er begegnete, nicht geholfen worden. Denn dass er „der Christus“ war, zeigte sich gerade darin, dass er nicht für sich selbst, sondern für andere lebte. Nicht nach dem Grundsatz „Rette sich, wer kann“ lebte Jesus, sondern nach dem Motto: „Rette, wer zu retten ist!“ So richtete er seine Blickrichtung von sich selber weg hin zu den Menschen, die Hilfe brauchten: die Kranken, die Angefochtenen, die Mühseligen und Beladenen.

Das Verhalten Jesu ist doch zum Prinzip unseres christlichen Glaubens geworden. Dieses Prinzip steht doch gegen das Motto: Hilf dir selbst! So steht unser Glaubensprinzip im Widerspruch zu unserem Lebensprinzip, trifft aber in besonderer Weise gerade uns, die wir uns als Christen verstehen. Wie oft haben wir in den Gottesdiensten in unseren Kirchengemeinden etwas gehört von dieser Nächstenliebe, die von sich selbst wegsieht und sich den anderen Menschen zuwendet. Gerade in diesen Tagen der Corona-Krise wird dieses Prinzip „Nächstenliebe“ mehr und mehr gefragt sein, auch wenn die Umsetzung besonders erschwert ist durch umfangreiche Kontaktverbote. Aber die letzten Tage haben auch gezeigt, dass sich mit viel Fantasie doch manches ausrichten lässt. Viele Selbsthilfegruppen und Nachbarschaftshilfen sind entstanden.

Hilf dir selbst! Dieses Prinzip gilt gerade in dieser so schwierigen Zeit des Zusammenlebens nicht. Immer noch und ganz besonders gilt: Hilf auch anderen, wo du helfen kannst! Und es heißt auch: Lass dir helfen, wo du Hilfe erhalten kannst. Denn auch diese Seite gehört zum Glaubensprinzip der Nächstenliebe, dass man Hilfe annehmen kann. Sicher ist das ein ganz schwieriges Eingeständnis, aber nötiger denn je. Akzeptiere einfach einmal, dass es besser ist, nicht immer noch alles selbst zu erledigen, sondern die Unterstützung einiger weniger anzunehmen, die bei allen Einschränkungen hilfreich sein wollen und können. Lass dir helfen – auch wenn du es doch vom eigenen Gefühl her noch selbst könntest.
Das hilft nicht nur dir, sondern letztlich allen.

Ihr Pastor Peter Kunst

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