Andacht für den 05. April 2020 – Christoph Müller (Rastede)

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Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen 

 

Der Sonntag vor Ostern trägt den Namen „Palmsonntag“. Das erinnert an die Geschichte in der Bibel, wie Jesus in Jerusalem einzieht. Die Leute am Straßenrand jubeln ihm zu, sie schlagen Palmzweige von den Bäumen und legen sie auf die Straße, wie man es tut, um einem König die Ehre zu erweisen. Nun ist er da, Jesus, der sehnlichst erwartete König und Messias. Nun wird alles gut werden.

Manche werden freilich auch stutzig. Jesus ist nicht, wie es sich für einen König gehört, auf einem stolzen Ross in die Stadt geritten, sondern auf einem Esel, einem Lasttier. Was soll das heißen? Und die, die ihm zugejubelt haben, müssen in den nächsten Tagen begreifen: Jesus ist nicht gekommen, um ihre Wünsche und Erwartungen zu erfüllen. Er wird nicht die verhassten Römer aus dem Land jagen. Stattdessen verdirbt er den Händlern und Geldwechslern auf dem Tempelplatz das Geschäft und jagt sie fort. Gottes Haus soll ein Bethaus sein, keine Räuberhöhle. Nicht menschlichen Willen gilt es zu erfüllen, sondern Gottes Willen. Und so kippt in ganz kurzer Zeit die Stimmung. Viele, die Jesus zugejubelt haben, werden wenige Tage später schreien: Kreuzige, kreuzige ihn!

Auch in diesen Tagen haben viele Menschen hohe Erwartungen. Erwartungen an die Medizin, dass es gelingen möge, bald wirksame Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu finden und herzustellen. Erwartungen an die führenden Politiker, dass sie die in dieser Zeit richtigen und wegweisenden Entscheidungen fällen, ohne dabei den Menschen allzu weh zu tun. Mit diesen hohen Erwartungen an Menschen gehen auch Erwartungen an Gott, an Jesus Christus einher. Möge Gott ein Zeichen geben, dass er es in dieser schweren Zeit gut mit uns Menschen meint.
Gottes Zeichen ist das Kreuz. Das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist. Das Kreuz hat damals viele Wünsche und Hoffnungen durchkreuzt und tut dies auch heute. Doch das Kreuz erinnert uns daran: Gott hat sich im Tode von Jesus Christus selber dem tiefsten Dunkel ausgesetzt. Und so ist das Kreuz das Zeichen, dass er auch, wo wir in diesen Tagen tiefes Dunkel um uns und in uns verspüren, an unserer Seite ist. Wir gehen unsere Wege in dieser schweren Zeit nicht allein.

Dietrich Bonhoeffer, dessen Todestag in dieser Woche 75 Jahre zurückliegt, hat es so ausgedrückt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Darauf können wir vertrauen.

Ich wünsche Ihnen für den Weg durch die vor uns liegende Woche, die Karwoche, Gottes reichen Segen, bleiben Sie behütet!

Ihr Pastor Christoph Müller

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