Andacht für den 08. April 2020 – Malte Borchardt (Westerstede)

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Drei Dinge der Dankbarkeit

 

Noch schien die Welt für die Jünger in Ordnung.
Immer noch waren sie beeindruckt vom triumphalen Einzug in Jerusalem.
Die Welt schien schön, die Menschen freundlich.
Alles schien gut.
Alle freuten sich auf das Passahfest.
Überall waren die Vorbereitungen im Gange.
Alles schien gut.

Wir wissen es besser, es war nur die Ruhe vor dem Sturm, der die Welt verändern sollte.
Wobei, wenn wir es recht betrachten, es erst einmal kein Sturm war, ja nicht einmal ein laues Lüftchen, sondern das, was da kommen sollte, sollte nur schieres Entsetzen bei den Jüngern auslösen.
Noch schien die Welt in Ordnung.
Die Menschen gingen ihrer gewohnten Arbeit nach – alles schien gut.
Ähnlich unsere heutige Situation.
Das Wetter ist ungewöhnlich schön für den Beginn des Aprils – ein richtiges Osterwetter.
Nur dieses Jahr will eine rechte Osterfreude nicht aufkommen, und das nicht nur, weil der Karfreitag noch vor uns liegt.

Im Augenblick liegt da ein Tal vor uns –dunkel, bedrohlich.
Etwas so Kleines, dass es mit einem normalen Mikroskop nicht zu sehen ist, hält unsere Welt in seinen Bann; verändert unser tägliches Leben.
Woher Hoffnung? – Woher Trost?
Zumal sich das Offensichtliche – durch die Nachrichten – immer wieder in den Vordergrund drängt und gedrängt wird.
Woher Hoffnung? – Woher Trost?

Da wir das Ostergeschehen ja immer nur von unserem heutigen Standpunkt aus sehen und begreifen können, haben wir auch schon die Antwort, die uns jenen Mut geben möchte, eben nicht wie das Kaninchen erstarrt auf die Bedrohung zu starren.
Gewiss da ist der Virus – Menschen erkranken schwer – Menschen sterben – Menschen vereinsamen, sind verzweifelt und all dem sollen wir nun die Freude der Auferstehung am Ostermorgen entgegenhalten.
Ist das nicht etwas zu viel verlangt?

Am Karfreitag brach für die Jünger die Welt zusammen – alles Denken wurde auf dem Kopf gestellt. Denn wer da so am Kreuz elendig stirbt – der muss doch von Gott verlassen sein – den kann doch Gott nicht mehr kennen.
Wo ist Gerechtigkeit? Wo ist Hoffnung?
Alles schien aus und vorbei, aller Glaube, alles Hoffen ist zerstört.
Das ist Karfreitag!

Was dann kommt, ist gegen jegliches Denken, gegen jegliche menschliche Erfahrung, da Gott eben nicht nach unseren Maßstäben handelt:
Die Auferstehung Christi!
Gott handelt anders, weder Krankheit noch Tod, sind eine Strafe Gottes gegen den Menschen. Das Ja Gottes in unserer Taufe gilt – ER, Gott, sagt Ja zu uns jeden Tag neu – im finsteren Tal, wie eben am gedeckten Tisch.
Es kommt nur darauf an diesem Ja Gottes in unserer Taufe zu vertrauen, im finsteren Tal wie am gedeckten Tisch.

Gewiss, es ist leicht gesagt, solange ich selber gesund bin, aber was ist, wenn….
Das Dunkel und das Bedrohliche schiebt sich gerne in den Vordergrund, versucht uns alle Hoffnung und Zuversicht zunehmen, was dem entgegenhalten?

Mein Versuch und möge es Gott geben, dass es immer so bleibt, ist jeden Tag und sei er noch so schwer gewesen, das Schöne in meinem Leben zu entdecken und dafür eben nicht mir selber auf den Schulter zu kloppen: Hast alles gut gemacht!
Sondern eben in diesem Schönen, das oft als alltäglich und damit als selbstverständlich betrachtet wird, Gottes Wirklichkeit auch und gerade im 21. Jahrhundert – nun im April – zu sehen und dies dem Dunklen entgegenzuhalten.

Drei Dinge findet man immer, ich muss nur bereit sein, diese auch zu suchen, zu entdecken und dafür eben auch Gott zu danken.

Dadurch wird der Virus nicht aus der Welt geschaffen, aber seine Kraft mich in die Verzweiflung zu treiben, die Gott nichts mehr zutraut, wird so gebrochen.
Es kommt auf den Versuch an und wir werden leben, getragen aus der Osterzeit selbst im dunklen Tal.

Ihr Pastor Malte Borchardt

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