Andacht für den 13. April 2020 – Wiebke Perzul (Elisabethfehn)

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…bleibt alles anders, aber…

 

Normalerweise würde ich heute Morgen in der Kirche stehen, wir würden Familiengottesdienst feiern, Brot und Traubensaft miteinander teilen, nach dem Gottesdienst würden die Kinder rund um die Kirche Ostereier suchen…

Normalerweise wären sie jetzt wieder gemeinsam auf dem Heimweg, sie würden über das reden, was sie in diesem Jahr in Jerusalem erlebt hatten, sie würden sich freuen, in ihre Dörfer um den See Genezareth zurückzukehren…

In diesem Jahr ist für uns fast nichts normal. Die Ostergottesdienste finden im Fernsehen, im Radio oder im Internet statt, in den Kirchen vor Ort können wir uns nicht versammeln. Osterfrühstücke zusammen mit der ganzen großen Familie fallen aus, ebenso wie Osterbesuche. Mir fehlt die sichtbare, fühlbare Gemeinschaft mit anderen, ich vermisse die Gespräche, die Nähe.

Auch damals an dem ersten Ostermontag war für die Freunde und Freundinnen Jesu nichts normal. Ihr Freund und Lehrer war ans Kreuz geschlagen worden und gestorben. Plötzlich war alles vorbei, alle Pläne, alle Hoffnungen, alle Gemeinschaft – zu Ende, aus.

Zwei von Jesu Freunden entschließen sich, aus Jerusalem fortzugehen, vielleicht wollen sie nach Hause. Wie es dort sein wird, wie alles weitergehen kann und wird, wissen sie nicht. Wahrscheinlich haben sie auch gar keine Gedanken dafür, sie müssen erst noch begreifen, was da in den letzten Tagen geschehen ist.

Auf einmal kommt ein Fremder dazu und sie erzählen ihm alles, er legt ihnen die Thora aus, sie laden ihn abends ein zu bleiben, und als er ihnen das Brot bricht, erkennen sie ihn: es ist Jesus, ihr auferstandener Freund und Lehrer, unerkannt war er mit ihnen auf dem Weg.

Nichts war normal für die Jünger und Jüngerinnen in diesen Ostertagen, und so blieb es auch in den Wochen und Monaten danach. Langsam lernten sie, sich auf ein neues Leben einzustellen: ein Leben, in dem Jesus mehr nicht in greifbarer Nähe war, aber in dem sie doch seine Gegenwart spüren konnten – in ihrem Inneren, in der Gemeinschaft untereinander, in dem Mut, von ihm zu erzählen… Bei all dem, was nun neu und anders war, konnten sie sich auf eins verlassen: ER war immer noch da, SEINE Liebe war noch da und ER würde mit ihnen auf dem Weg bleiben.

Darauf will auch ich mich verlassen in den Tagen und Wochen, die vor mir liegen. Keine Ahnung, wie das alles werden wird, Normalität wird es so schnell nicht wieder geben und vieles werde ich wohl noch länger schmerzlich vermissen. Aber ich vertraue darauf, dass Gott auch auf meinen/unseren Wegen mitgeht; ich vertraue darauf, dass Gottes Geist mich und uns stärkt, tröstet und neu zum Leben aufrichtet. Allerdings vermute ich auch: Wie die beiden Freunde Jesu werden wir oft erst im Rückblick entdecken, dass Gott mit uns war.

Die Ostereier habe ich den Jungscharkindern in diesem Jahr übrigens vor die Haustür gelegt.

Einen gesegneten Ostermontag!

Ihre Pastorin Wiebke Perzul

 

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