Andacht für den 20. April 2020 – Tim Rathjen (Zwischenahn)

 

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Dauerlauf

Eigentlich hätte ich jetzt ganz schwere Beine. Für gestern war der Hamburg Marathon geplant. 42,195 Kilometer wollte ich mich durch Hamburg schleppen und dann im besten Fall irgendwo mitten im großen Läuferfeld die Ziellinie erreichen. Ganz vorne sind die Spitzenläufer, die von ihren Tempomachern gezogen werden und in einem Wahnsinnstempo über den Asphalt jagen. Irgendwann steigen diese Tempomacher aus und nach gut zwei Stunden sind diese Profis im Ziel. Ich bin nicht besonders schnell. Dann ist so ein Marathon eine ganz gute Distanz. Ob man vier oder fünf Stunden braucht, wen interessiert das schon.

Nun gab es Post vom Veranstalter. Der Lauf fällt aus oder wird verschoben, aber jeder soll sein Shirt bekommen. Wir merken mittlerweile, dass die Corona-Pandemie kein Sprint ist. Wir brauchen Ausdauer um diese Krise zu bewältigen. Aber ich bin der Meinung, wenn sich jemand damit auskennt, dann sind es wir Christen.

Christsein ist ein ganz besonderer Dauerlauf. Normalerweise ist es ja so: Wer läuft, der will gewinnen. Als erster über die Ziellinie und alle anderen besiegen. Oder zumindest den inneren Schweinehund besiegen und die persönliche Bestzeit verbessern. Es gibt etwas, was einen antreibt schneller zu laufen. Paulus benutzt so einen Vergleich im Brief an die Korinther: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“ (1. Kor. 9,24)

Gibt es also einen Wettbewerb im Christsein? Paulus sucht den Superchristen!? Diese Vorstellung ist weit verbreitet, dass es beim Glauben vor allem darauf ankommt, was wir tun und lassen. Und dass wir versuchen uns immer ein wenig zu verbessern. Den geistlichen Schweinehund besiegen und das persönliche Verhalten ein wenig verbessern. Aber das trifft nicht den Kern unseres Glaubens. Ein christlicher Dauerlauf unterscheidet sich grundsätzlich von allen anderen. Christen werden nicht angetrieben, sondern gezogen. Wir laufen und wissen bei jedem Schritt schon, dass wir gewonnen haben. Wir sind als Gewinner unterwegs. Egal, wie viele uns scheinbar überholen, egal wie langsam wir sind und wie oft wir hinfallen. Wir stehen am Ende als Sieger da. Jesus hat diesen Sieg errungen. Das haben wir gerade erst vor einer Woche an Karfreitag und Ostern gefeiert. In diesem Wissen dürfen wir in unserem Dauerlauf unterwegs sein.

Zur Zeit mehr alleine, bald auch wieder gemeinsam als Trainingsgruppe. Lassen Sie sich dabei nicht antreiben. Lassen Sie sich ziehen. Wir haben einen Tempomacher, der niemals aussteigt und der sich an unser Tempo anpasst.

Einen fröhlichen Dauerlauf des Glaubens wünscht

Ihr Pastor Tim Rathjen

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