Andacht für den 25. April 2020 – Regina Dettloff (Edewecht)

 

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Tag des Baumes

Heute, am 25. April, ist der Tag des Baumes
Er wird weltweit begangen und soll uns erinnern, dass die Bäume unsere Mitgeschöpfe sind und dass die Wälder zu unserer Lebensgrundlage gehören.

Heute ist also der Tag des Baumes. Ich schaue aus dem Fenster und schaue in lauter zartes Grün – und ich freue mich. Und denke an das Lied, das ich vor ein paar Tagen nach langer Zeit mal wieder gehört habe: Alexandra, die ihren Freund, den Baum, traurig besingt. Dabei erinnere ich mich daran, wie wir als Kinder noch in die Bäume geklettert sind; wie Bäume uns Schutz gaben auf dem Schulweg beim plötzlichen Regen. Und auch wir haben schon mal den einen oder anderen Baum umarmt. Ja, denke ich, sie sind unsere Mitgeschöpfe – auch wenn sie niemals ihren Platz verlassen, nicht laufen, hetzen, Aufgaben erledigen, haben sie doch ihren Platz in der Schöpfung Gottes. „Gott der Herr ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten.“, so steht es in der Bibel. Sie geben uns neben ihren Früchten Material zum Wohnungsbau und produzieren ganz nebenbei auch noch unseren Sauerstoff. Sie wehren sich nie – und haben doch überlebt. Sie sind wie gutmütige Riesen. Aber achten wir die Bäume und ihr Lebensrecht, oder geht es uns nur um den Nutzwert?

Im Lukasevangelium erzählt Jesus eine Baum-Geschichte. Ein Mann hat einen Feigenbaum gepflanzt. Und nun trägt dieser Baum nach drei Jahren immer noch keine Frucht. „Hau ihn ab!“, sagt der Mann zu seinem Gärtner. Doch der setzt sich ein für den Baum: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte…“ Vielleicht braucht er nur mehr Pflege! Vielleicht nur, dass sich mal einer richtig kümmert. Gib‘ ihm Zeit! Werd‘ nicht ungeduldig! Es kann ja noch werden. Ist er erst umgehauen, ist nichts mehr zu retten.

Bei Jesus geht um es um die Liebe – und die Liebe fragt nicht nach dem Nutzwert eines Geschöpfs. Die Liebe hat Geduld. Sie kümmert sich, sorgt, hilft, versorgt mit dem Nötigen. Sie macht sich Mühe. Gibt neue Chancen. Und das ist doch das, was wir in dieser Krisenzeit gerade brauchen. Dass der höchste Wert nicht der Nutzen eines Menschen für andere ist, sondern der Schutz eines jeden Lebens.

Und vom Baum lernen wir: Es macht nicht das Hetzen und Laufen, ob wir einen Platz haben auf dieser Welt. Es macht nicht, ob man sich wehren oder lauter als andere schreien kann. Wir HABEN einen Platz auf dieser Welt, weil wir Gottes Geschöpfe sind. Und weil er uns liebt, können wir uns darauf verlassen, dass er Geduld mit uns hat. Er gibt uns alle Zeit der Welt! Er gibt dabei den Glauben an uns nicht auf. Ganz im Gegenteil, er gibt uns noch mehr Zuwendung, noch mehr von seiner Kraft – und dann können wir gute Frucht bringen.

Und die ‚gute Frucht‘ das kann sein, dass wir in der Krise im Denken und Handeln gemeinschaftsorientiert bleiben. Dann können wir es gemeinsam schaffen. Dann können wir einander helfen und auf einander achten. Dass wir keinen unnötig in Gefahr bringen. Dass wir das kostbare Leben schützen und dass wir Wege finden, wie es weitergehen kann. An dieser Stelle ein dickes DANKESCHÖN an alle, die Vernunft und Hilfsbereitschaft haben walten lassen in den letzten Wochen.

Und die ‚gute Frucht‘ kann auch sein, dass wir tatsächlich lernen, unsere Umwelt anständig zu behandeln, mit Achtung und Respekt: die Bäume und die ganze Schöpfung. Geben wir die Hoffnung nicht auf! Gott tut es auch nicht!

Ihre Pastorin Regina Dettloff

Meinen Gedanken möchte ich ein dazu passendes Gebet von Lothar Zenetti hinzufügen, (es ist auch als Lied bekannt):

„Herr, wie ein Baum, so sei vor dir mein Leben,
Herr, wie ein Baum sei vor dir mein Gebet.
Gib Wurzeln mir, die in die Erde reichen,
dass tief ich gründe in den alten Zeiten,
verwurzelt in dem Glauben meiner Väter.
Gib mir die Kraft, zum festen Stamm zu wachsen,
das aufrecht ich an meinem Platze stehe
und wanke nicht, auch wenn die Stürme toben.
Gib, dass aus mir sich Äste frei erheben,
oh meine Kinder, Herr, lass sie erstarken
und ihre Zweige recken in den Himmel.
Gib Zukunft mir und lass die Blätter grünen
Und nach den Wintern Hoffnung neu erblühen,
und wenn es Zeit ist, lass mich Früchte tragen.
Herr, wie ein Baum, so sei vor dir mein Leben,
Herr, wie ein Baum sei vor dir mein Gebet.“
(Aus Cantate II, Lied Nr. 334)

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